Amir Abrashi schaut ein bisschen erstaunt in die Welt. Vielleicht findet er die Frage an einen Cupsieger und Vizemeister unpassend, gar ein wenig anmassend. Amir, kann GC dem FC Basel auch in einer zweiten Saison Paroli bieten? «Warum denn nicht? Wir tun doch alles, um ihm auf den Fersen zu bleiben», sagt der Aufbauer.

Es ist gut zu hören, dass sich die Spieler nicht besonders darum scheren, wie lang die Spiesse ihrer Konkurrenten sind. Dass sie die Meinung vertreten, die Wahrheit liege eh auf dem Platz. Und auf diesem haben die Hoppers dem FC Basel zuletzt einen grossen Kampf geliefert. Ihn in der Super League bis zum Schluss gefordert und im Cupfinal gar besiegt.

Wie aus dem Nichts sind die letztjährigen Beinaheabsteiger für den Ligakrösus zum Rivalen geworden. Zehn Jahre nach dem Gewinn ihres 27. und letzten Meistertitels auferstanden wie ein Phönix aus der Asche. Nach einer Phase, in der ihr Meistertitelvorsprung gegenüber Rotblau von 27:9 auf 27:16 geschmolzen ist und im Schweizer Fussball die Musik vor allem in Basel gespielt hat.

Das wirft Fragen auf. Haben die Hoppers in der letzten Saison über ihren Verhältnissen gespielt und lediglich eine günstige Konstellation ausgenützt? Haben sie bloss davon profitiert, dass der FCB-Express unter Heiko Vogel nicht richtig ins Rollen gekommen und später mit Trainer Murat Yakin im Europacup dergestalt dahingerast ist, dass ihm fast die Energie ausging?

Oder, zweite Frage, hat sich der Rekordmeister dank einer neuen Führung mit Präsident André Dosé, Sportchef Dragan Rapic und Trainer Uli Forte im Schnellzugstempo und auf wundersame Weise wieder zu einem dauerhaften Rivalen der Basler aufgeschwungen? Hat GC eine Mannschaft beisammen mit der Perspektive, selbst nach dem abrupten Abgang von Forte zu YB den Baslern alles abzuverlangen?

«Wir können uns nicht mit dem FC Basel messen. Er hat mehr Geld auf der Bank als wir in der ersten Mannschaft. Der FC Basel spielt in einer anderen Liga», hat Dosé im Februar in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» trotz der damaligen Tabellenführung die Verhältnisse ins Lot gestellt. Und an dieser Sicht der Dinge hat sich trotz der tollen Erfolge nichts geändert.

«Natürlich ist es unser Ziel, auch in dieser Saison mit dem FCB mitzuhalten», sagt Dosé, «aber unser Kader ist schmal, und dieses Mal kommt auch bei uns die Belastung durch den Europacup dazu.» Der GC-Präsident weiss: Obwohl sein Klub 2012/13 nur drei Punkte auf den Meister verlor, hat sich an den unterschiedlichen Voraussetzungen und den eigentlichen Machtverhältnissen nichts geändert. Derweil die FC Basel 1893 AG im Geschäftsjahr 2012 bei einem Umsatz von 80 Millionen Franken 18 Millionen Jahresgewinn machte und das Eigenkapital auf 32 Millionen aufstockte, reichten GC bei einem Etat von gegen zwanzig Millionen Franken die fünf Millionen, die der Owners Club zur Verfügung stellt, nicht einmal zur Deckung des strukturellen Defizits. Von anderer Seite musste noch einmal ein Betrag in derselben Grössenordnung eingeschossen werden.

Wie Kollege Ancillo Canepa vom FC Zürich ennet der Gleise denkt auch Dosé, dass sein Verein dem FC Basel nur dann auf Dauer näher kommen kann, wenn er endlich, wie angedacht, ab 2017 in einer reinen Fussballarena antreten dürfte. Wenn er 1200 statt nur 300 VIP-Plätze anbieten könnte; mit dem Catering viel mehr Geld zu verdienen wäre und es weit höhere Zuschauereinnahmen gäbe. Doch der Konjunktiv hat Konjunktur. Denn der Gegenwind für das 216 Millionen Franken teure Projekt, über das der Stimmbürger am 22. September entscheidet, ist in den letzten Wochen stärker geworden.

Auf die brennende Frage, wie viel an Mehreinnahmen im neuen Stadion zu generieren wären, mag Dosé nicht eingehen. «Bevor die Betriebsgesellschaft nicht steht und strukturiert ist, kann ich das nicht quantifizieren», sagt der Präsident. Von einer anderen Stelle im Klub ist zu vernehmen, dass GC mit einem Plus von drei Millionen Franken kalkuliert. Das ist zwar nicht alle Welt, aber immerhin. Dosé macht sich indes nichts vor: «Bezüglich der finanziellen Mittel wird es auch in Zukunft Unterschiede geben.» Ein Coup wie die Rückkehr von Superstar Matias Delgado wird für GC kaum je machbar sein. «Aber es ist unsere Ambition, immer unter den drei oder vier besten Mannschaften zu sein», sagt Dosé. Dass eine Fusion mit dem FCZ die Lösung aller Probleme wäre, stellt er in Abrede. «Ich habe Erfahrungen mit Fusionen. 1+1 gibt nicht immer 2», sagt der frühere CEO von Fluggesellschaften.

Bleibt das neue Stadion als Hoffnungsträger. Selbst wenn da und dort zur Kenntnis genommen werden musste, dass ein Neubau nicht zwingend zu einer Erfolgsgeschichte wird wie in Basel der St. Jakob-Park. Die Bijous in Neuenburg und Genf sind bisher weder für Xamax noch Servette ein Segen gewesen. Und in Bern wartet YB auch acht Jahre nach der Einweihung des Stade de Suisse weiter auf einen Titelgewinn. Christian Kern, zehn Jahre lang in der Verantwortung bei Basel United und seit drei Jahren selbstständiger Berater für Sportstättenmanagement, sagt unverhohlen, dass Basel vor zwölf Jahren halt auch das nötige Glück gehabt habe. «Es hat alles zusammengepasst», sagt Kern.

Glück mag eine Rolle spielen, doch ohne Know-how ist ein Stadionbetreiber verloren. Dieser Ansicht ist auch Martin Blaser. Nach der Übernahme der gesamten Vermarktungsrechte im St. Jakob-Park durch den FC Basel ist der 45-Jährige als Direktor für «Marketing, Verkauf und Business Development» tätig. «Ein einheitlicher Auftritt ist die Grundlage für eine funktionierende und effiziente Vermarktung», sagt Blaser, «Geld verdient hat man damit jedoch noch nicht – hier ist nicht zuletzt die Attraktivität der Angebote und das Verkaufstalent der Mitarbeiter gefragt.» Blaser nennt drei Säulen, auf die es im Klubfussball ankommt: die Infrastruktur, die Fussballorganisation und das Transferwesen. «Nur wenn bei einem Klub diese drei Säulen vorhanden sind und kompetent bewirtschaftet werden, hat er eine Chance, am Ende des Geschäftsjahres eine «schwarze Null» oder sogar einen Gewinn zu schreiben», sagt Blaser.

Als früherer Marketingchef der Grasshoppers kennt der Berner die Verhältnisse auf dem Platz Zürich. Er denkt, dass GC noch immer einen sehr hohen Markenwert habe und die Voraussetzungen in Zürich, anders als oft beklagt, gut seien. «In Zürich gibt es ein wirtschaftlich hochinteressantes Umfeld. Mir ist es ein Rätsel, warum die Zürcher Fussballklubs nach wie vor nicht mehr davon profitieren», sagt Blaser.

Augenfällig ist: In Basel hat die regionale Identifikation mit dem von den Baslern Bernhard Heusler, Georg Heitz, Barbara Bigler und Murat Yakin bestens geführten und repräsentierten Verein eine anderswo unerreichte Dimension. Vorgelebt am Rheinknie vom Weltkonzern Novartis, dem FCB-Hauptsponsor.

GC kann zwar in den nächsten Jahren gewiss auch wieder einmal Meister werden, ziemlich sicher aber nicht für alle Zeiten der Rekordmeister bleiben.

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