Von Kristian Kapp

Reto von Arx hat gestern für Wirbel in Davos gesorgt. Der 38-jährige Kultspieler des HC Davos befindet sich gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Jan in den Verhandlungen um eine Verlängerung der im Sommer auslaufenden Verträge. Für Reto von Arx scheint ein Ende erreicht zu sein: «Wir fanden keine Lösung, es sieht nach einer Trennung aus.» Er nehme diese Aussagen zur Kenntnis, sagt HCD-Präsident Gaudenz Domenig. Er sieht die Brücke zwischen den beiden Parteien aber noch nicht abgebrochen: «Aus meiner Sicht sind wir immer noch im Gespräch.» Die «Causa von Arx» ist eine komplexe Angelegenheit, die aus drei Blickwinkeln angeschaut werden muss:

DER BUSINESS-ASPEKT. Um die Rolle im Team gehe es nicht, betont Reto von Arx. «Ich habe in meiner Karriere immer versucht, das Beste für meine Mannschaft zu geben. Wenn mir das gelingt, ist es mir egal, auf welcher Position ich spiele.» HCD-Trainer Arno Del Curto setzte den ehemaligen Stürmer zuletzt nur noch als Verteidiger ein. Dass es zwischen den beiden Parteien zu keiner Einigung gekommen ist, liegt also am finanziellen Aspekt. Doch es geht nicht nur um mehr oder weniger Geld. Für die Von-Arx-Brüder steht der getrennte Weg nicht zur Diskussion. «Wir haben immer gesagt, dass wir zusammen spielen wollen», sagt Reto von Arx. Hier wird die Sache für den HC Davos noch komplizierter: «Die Doppelpack-Situation macht die Situation in der Tat schwieriger», gesteht Domenig.

«Wir haben ein Budget und damit ein Limit», sagt der Präsident. Dieses Limit gelte es auszuloten. Domenig weiss, dass dies nur in der Theorie einfach ist: «Es ist für alle eine schwierige Situation.» Denn wo ist das Limit für einen Spieler wie Reto von Arx? «Reto hat einen sehr grossen Anteil an fünf Meistertiteln, er war eine zentrale Figur», sagt Domenig. Auf der anderen Seite sei der HCD ein Spitzensportunternehmen mit entsprechenden Ansprüchen. Der HCD habe ein Angebot gemacht und sei dem Spieler mit grossem Wohlwollen entgegengekommen: «Wir machen einiges mehr, als wir dies bei einem anderen 38-jährigen Spieler tun würden, der die letzten 20 Jahre bei einem anderen Klub gespielt hätte.»

DER SPORTLICHE ASPEKT. Die sportliche Sicht auf die Dinge erträgt noch weniger Sentimentalitäten. Aufseiten des HC Davos stellen sich unweigerlich mehrere Fragen: Zum Beispiel, was die Weiterverpflichtung eines 36- (Jan) respektive 38-jährigen Spielers (Reto) dem Team bringt. Der Blick auf die mageren Skorerpunkte verrät nicht alles. Reto von Arx ist nach wie vor der effizienteste UnterzahlSpieler des HCD. Jan von Arx kassiert, hohes Alter hin, tieferes Tempo her, immer noch am wenigsten Gegentore aller HCD-Verteidiger. Aber reicht das wirklich für eine Weiterbeschäftigung in einer Mannschaft, die verjüngt und vom Trainer immer mehr auf Tempo getrimmt wird? Die Routine von Reto von Arx, wenn er in der Abwehr eingesetzt wird, könne er brauchen, sagt Trainer Del Curto. Geht es um das Doppelpack, wird es bereits wieder problematisch: Auch ohne die Von-Arx-Brüder hat Davos nächste Saison mindestens zehn Verteidiger im Team.

DER MENSCHLICHE ASPEKT. Verdienstvolle Spieler, im Herbst ihrer Karrieren, mit auslaufenden Verträgen, sind für die Klubs manchmal ein Problem. Je länger der Spieler im Klub war, je mehr Erfolge er feierte, desto schwieriger ist die Situation. Es ist kein neues Phänomen, mit dem der HC Davos hier konfrontiert wird. Man kann beim Rekordmeister vom «grossen Quintett» sprechen. Marc Gianola, Josef Marha, Sandro Rizzi und eben die Von-Arx-Brüder. Fünf Spieler, die den Verein wie keine andere prägten in der Ära Del Curtos. Auch die ersten drei Fälle hätten komplex werden können, sie lösten sich für den HC Davos aber ohne Wirbel: Gianola trat verletzt zurück. Marha liess die Karriere in der tschechischen Heimat ausklingen. Rizzi schliesslich hörte auf, als er erfuhr, dass Davos die Zukunft ohne ihn planen würde.

Ganz so einfach waren diese Trennungen dennoch nicht. Vor allem nicht für Del Curto. Es war der Engadiner, der am Ende den harten Entscheid bei Rizzi zu fällen hatte. Und es war auch er, der lange an Marha festhielt, trotz Kritik von aussen, als der Tscheche am Ende den statistischen Erwartungen an einen NLA-Ausländer nicht mehr gerecht wurde.

Darum ist Arno Del Curto nun auch mittendrin in der «Causa von Arx» – quasi zwischen Stuhl und Bank. Es geht hier längst nicht mehr nur um verdienstvolle Spieler, sondern um gute Freunde nach rund 20 Jahre langer Zusammenarbeit. Del Curto selbst will nicht viel sagen, es scheint ihm eine Herzensangelegenheit zu sein, dass der «Fall von Arx» nicht ausartet. «Es gibt weitere Verhandlungen», sagt er. Und: «Es geht nicht nur um die Spieler von Arx. Wenn es nach mir geht, bleibt immer eine Türe offen, auch nach der Karriere. Dies gilt auch für den Verwaltungsrat.»

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