VON KLAUS ZAUGG

Ein paar Sekunden ist der Lärm so schrill und durchdringend und ohrenbetäubend wie beim Start eines Düsenjets. Die Zuschauer haben die letzten Sekunden runtergezählt und brechen mit der Schlussirene in grenzenlosen Jubel aus.

Das Spiel ist aus. Die Meisterschaft ist zu Ende. Der SCB hat 4:1 gewonnen. Der SCB ist Meister. Mit ziemlicher Sicherheit sind es die stimmungsvollsten Sekunden in der Berner Sportgeschichte. Sechs Jahre Plangen und Warten, sechs Jahre voller Enttäuschungen und Schmähungen lösen sich in ein paar Sekunden auf.

Ordner in schwarzen Overalls und Helfer eilen aufs Eis, stellen Absperrungen auf. Liga-Vizegeneral Patrick Reber aus Oberburg, tief im Herzen ein SCB-Taliban, erlebt den Höhepunkt seines Lebens: Er kommandiert die Pokalübergabe. Alles klappt tipptopp. Die Abschrankungen und das Podest sind wie im Schnupf aufgereiht und um 22.43 Uhr stemmt Ivo Rüthemann als erster Spieler den «Chübel» in die Höhe. Wieder erreicht der Lärmpegel Düsenjet-Lautstärke.

Die grosse, mächtige Hockeymaschine SCB hatte ein paar Minuten gebraucht, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Geriet 0:1 in Rückstand. Aber bereits nach 11 Minuten und 49 Sekunden ist alles vorbei: Der SCB führt 2:1. Typisch für die grössere Ausgeglichenheit, für eine totale Überlegenheit: Nicht einer der 400000-fränkigen Stars ist die zentrale Figur. Sondern der Frischling Etienne Froidevaux (21), von Huras geduldig in die erste Mannschaft eingebaut. Er trifft zum 1:1 und bereitet das 2:1 vor. Bei diesem zweiten Tor, das sich am Ende als Siegestreffer erweisen wird, steht die dritte, von Andreas Hänni orchestrierte Powerplayformation auf dem Eis. David Jobin trifft eine Sekunde nach Ablauf einer Doppelstrafe gegen Servette. Weil die Berner den Druck mit schnellen Wechseln und vier Linien aufrecht halten, kann sich Servette nicht mehr erholen. Die Energietanks des tapferen Aussenseiters sind leer und Trainer Chris McSorley bleibt als General nur noch die Rolle des zornigen Rumpelstilzchens. Diese Rolle ist besser auf ihn zugeschnitten als die Rolle eines Meistertrainers.

Aber das Berner Publikum hat schon zu viele bittere Stunden erlebt, um früh in grenzenlosen Jubel auszubrechen. Erst in der 55. Minute echot es aus mehr als 17000 Kehlen: «Meischter, Schwyzermeischter» durch den Tempel. Die Krönung der Berner Hockeyfestspiele. Zum ersten Mal in der Playoffgeschichte haben alle drei Berner NLA-Teams die Saison mit einem Sieg beendet: Der SC Bern, Biel und die SCL Tigers.

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