1Die Reaktion blieb aus. Die Fans des FC Basel hielten gestern während des Spiels gegen den FCZ kein Transparent in die Luft, um sich bei der langjährigen Präsidentin Gigi Oeri zu bedanken. Am Tag davor hatte sie nach zwölf Jahren Tätigkeit für den FC Basel, elf Titeln (6 Meisterschaften, 5 Cupsiege) und vier Champions-League-Teilnahmen ihren Rücktritt auf Ende dieses Jahres angekündigt. Vielleicht wurde von den Fans die Kundgebung ihrer Dankbarkeit auf den tatsächlichen Abgang vom Dezember vertagt, vielleicht spiegelte das Fehlen eines Zeichens auch wider, dass die Präsidentin in den vergangenen zwei Jahren stark in den Hintergrund getreten war und das operative Geschäft dem Vizepräsidenten Bernhard Heusler übergeben hatte – ihr Nachfolger, sollte ihn die Generalversammlung aller Voraussicht nach im Januar wählen.

Seit die Milliardärsgattin, Erbin von Hoffmann-La Roche, 1999 in den Vorstand des FC Basel eintrat, hat sich der Verein zum Vorzeigeklub der Schweiz entwickelt. Die heute 55-Jährige baute ihn ab 2006 als Präsidentin noch stärker zu einem professionellen Betrieb mit Strukturen aus der Privatwirtschaft um.

Doch das reichte nicht. Oeri blieb die potente Geldgeberin im Hintergrund, die eingriff, wenn es eng wurde –etwa 2005, als die verpasste Qualifikation zur Champions League gegen Werder Bremen ein Defizit von 5 Millionen Franken verursachte, oder 2009, als es rund 9Millionen waren, die dem Verein plötzlich fehlten, nachdem beim Wechsel von Trainer Christian Gross zum neuen Thorsten Fink grosse Investitionen getätigt wurden. Die innovative Präsidentin war trotzdem immer noch eine Mäzenin. Ab 2012 wird Oeri nicht mehr eingreifen. Nun müsse der FC Basel ein Konstrukt erarbeiten, das die finanzielle Sicherheit gebe, wie mit Präsidentin Gigi Oeri, sagte Bernhard Heusler nach ihrem Rücktritt.

Denn Figuren wie Oeri sind im Fussball seltener geworden – auch wenn Investoren wie Tschagajew bei Xamax oder Abramovitsch bei Chelsea auftauchen. Der Schweizer Fussball braucht andere Geldquellen. Statt weniger, mächtiger Geldgeber sind mehrere Investoren und Sponsoren nötig. Weil GC schon Ende der 1990er-Jahre nicht mehr auf die immensen Summen von Werner H. Spross zählen konnte und neu auch die Unterstützung von dessen Neffen Heinz endete, gründeten sie dieses Jahr den Owners Club – ein Gremium von rund 20 Personen, die sich dazu verpflichtet haben, in den kommenden drei Jahren jährlich 250000 Franken einzuschiessen.

Ein mögliches Modell auch für den FC Basel? «Wir sind offen für jegliche Arten von Trägerschaften», sagt FCB-Finanzchef Matieu Jaus. Bisher seien noch keine Gespräche geführt worden, um den bevorstehenden Rücktritt Oeris geheim zu halten. Es könne sich um eine Person, wie auch drei oder vier Geldgeber handeln, laut Jaus. Klar ist jetzt schon, dass diese nicht die gleiche Einflussnahme, wie im Owners Club der Grasshoppers haben werden. «GC brauchte diese Struktur zum Überleben, wir um grössere Zielsetzungen zu verfolgen.»

Denkbar ist aber, dass, wie bei GC, eine Trägerschaft jährlich Geld einzahle, «oder dass sie eine Defizitgarantie bietet und Fehlbeträge deckt.» Akut ist die Lage nicht. Basel sollte mit der Champions League rund 25 Millionen Franken einnehmen, Shaqiri, Xhaka und Stocker dürften bald für viel Geld wechseln. «Bis 2013 sind wir gesichert, auch falls es sportlich nicht gut laufen sollte», prognostiziert Jaus.

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