Eben noch voller Freude, kurz darauf dem Abgrund nah. Nicht einmal zehn Monate ist es her, dass die Grasshoppers nach einem 1:0 Auswärtssieg im Basler Joggeli am letzten Spieltag der vergangenen Saison dreifach Grund zum Feiern hatten. Drei Punkte, das Erreichen von Platz 4 und damit die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation und zudem war da ja noch die Schadenfreude über den Abstieg des Stadtrivalen. Damals war die GC-Welt noch in Ordnung, im März 2017 sind die Grasshoppers plötzlich selbst der Challenge League bedrohlich nah.

Auch Feuerwehrmann Carlos Bernegger, der schon zum vierten Mal bei GC einspringt, kann im ersten Spiel nach der Entlassung von Pierluigi Tami den freien Fall der Krisen-Hoppers nicht stoppen. Freilich, niemand hatte einen Sieg gegen den haushohen Favoriten aus Basel erwartet, dennoch geht die Talfahrt weiter. GC wartet seit Anfang Dezember auf einen Sieg.
Vor allem in den ersten 60 Minuten spielt der FC Basel wie im Rausch und kommt im Minutentakt zu Chancen. Einzig der Ball will nicht ins Tor, weshalb GC bis zum Schluss hoffen darf. Es ist wie das Spiel von Katz und Maus.

Urs Fischer, FCB-Trainer

«Wir haben 60 Minuten alles richtig gemacht. Nein. Stimmt nicht. Wir haben es verpasst, die Tore 2 und 3 zu machen.»

Mit dem Anpfiff von Schiedsrichter Stephan Klossner befindet sich GC in den Fängen der Basler. Der Serienmeister drängt den Gästen sein Spiel auf und als Luca Zuffi gleich die erste Chance mit einem präzisen Schuss mit dem schwächeren rechten Fuss ins lange Eck zum 1:0 verwertet, scheint die Beute erlegt. Doch der FC Basel sorgt in der Folge selbst dafür, dass es bis zum Schluss spannend bleibt und Trainer Urs Fischer nach dem Spiel von einem «Arbeitssieg» sprechen muss.

Es ist wie verhext

Sporar, Delgado, Elyounoussi, Lang, alle haben sie hervorragende Chancen, das zweite Tor zu erzielen, doch es ist wie verhext. Der Ball geht meistens knapp am Gehäuse vorbei. Und wenn das Leder dann doch mal aufs Tor kommt, ist ja auch noch GCs Bester, Torwart Joel Mall, zur Stelle.

Die Grasshoppers sind unterlegen, können nicht im Geringsten mithalten und sind auf Basler Gnade angewiesen. Bernegger – selbst von 2008 bis 2013 als Nachwuchskoordinator und U21-Coach beim FC Basel angestellt– muss bei seinem Comeback als GC-Trainer zusehen, wie seine Mannen immer einen Schritt zu spät sind. Nur sechs Minuten hielt es den 48-jährigen argentinisch schweizerischen Doppelbürger auf seinem Sitz. Nach der FCB-Führung dirigiert Bernegger den GC-Hühnerhaufen lautstark von der Seitenlinie aus.

«Wir haben 60 Minuten alles richtig gemacht. Nein. Stimmt nicht. Wir haben es verpasst, die Tore 2 und 3 zu machen», resümiert Berneggers FCB-Pendant Urs Fischer nach der Partie treffend, denn es wird tatsächlich nochmal spannend.

Chancentod und Rot

In der 58. Minute, GC-Stürmer Dabbur kratzt gerade einen Lang-Kopfball von der Linie, kehrt urplötzlich neues Leben in das vorher leblose GC. Die Maus stemmt sich gegen ihr Schicksal. Es entwickelt sich ein Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten, doch vor dem Tor kommt GC dem FCB in puncto mangelnder Kaltschnäuzigkeit in nichts nach. Dabbur versemmelt gleich zwei Hochkaräter und der FC Basel kann sich bei Goalie Tomas Vaclik bedanken, dass es am Ende für drei Punkte reicht.

Unschöner Höhepunkt der Schlussphase ist die Grätsche von Patrick Olsen in den Knöchel von Manuel Akanji, der zum Glück unverletzt bleibt. Klossner zeigt zurecht glatt Rot. GC ist erlegt. Die Katze gewinnt ein ungleiches Duell und Urs Fischer befindet sich mit dem FCB weiter auf Rekordjagd.

Telegramm

Basel - Grasshoppers 1:0 (1:0)

26'027 Zuschauer. - SR Klossner. - Tor: 5. Zuffi (Steffen) 1:0.

Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Akanji, Traoré; Xhaka, Zuffi; Elyounoussi (84. Calla), Delgado (73. Fransson), Steffen; Sporar (68. Janko).

Grasshoppers: Mall; Qollaku (64. Munsy), Vilotic, Bergström, Antonov; Lavanchy, Pnishi, Sigurjonsson (79. Hunziker), Caio; Andersen (60. Olsen), Dabbur.

Bemerkungen: Basel ohne Bua (verletzt) und Doumbia (nicht im Aufgebot), Grasshoppers ohne Basic, Pickel und Sherko (alle verletzt). 88. Rote Karte gegen Olsen wegen Fouls. Verwarnungen: 27. Dabbur (Unsportlichkeit). 57. Lavanchy (Foul). 89. Xhaka (Unsportlichkeit).

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Jakob Weber: