Im Jahr 1926 setzten sich die Zürcher Grasshoppers im ersten Cupfinal-Spiel der Schweiz im Berner Wankdorf-Stadion mit 2:1 gegen den FC Bern durch. Seither hat Bern 70 weitere Cupfinals beherbergt. Fast alle Finalpartien fanden damit in der Bundesstadt statt. Diese Tradition ist nun zu Ende. Der Cupfinal 2015 wird nicht in Bern stattfinden. Eine Rückkehr in späteren Jahren scheint derzeit ausgeschlossen.

Stattdessen will der Schweizer Fussballverband (SFV) nach Basel. In den vergangenen Wochen hat sich eine SFV-Kommission mit Stadionbetreibern, Klubs und Behörden ausgetauscht. Wie die «Schweiz am Sonntag» aus sicherer Quelle weiss, hat die Stadt am Rheinknie das Rennen für sich entschieden. Die definitive Entscheidung der SFV-Kommission Ende Oktober gilt als Formsache. Bis dann sollen die Gespräche mit den Behörden intensiviert und offene Fragen geklärt werden. Stattfinden wird das Finalspiel am 23. Mai 2015.

Basel hat sich damit gegen die beiden Konkurrenten Zürich und Genf durchgesetzt, die ebenfalls über die für einen Cupfinal notwendige Infrastruktur verfügen. Nicht in Betracht zog der SFV eine Ausführung in St. Gallen oder Luzern. Weil Basel mit Champions-League-Partien und Länderspielen am meisten Erfahrung in der Durchführung von grösseren Fussballevents hat, wird die Begegnung im St. Jakob-Park stattfinden.

Dass die Basler Regierung früh signalisierte, den Final in die Stadt holen zu wollen, war nicht ausschlaggebend. Die Behörden aller drei Städte hätten positive Signale ausgesendet, heisst es aus dem SFV-Umfeld. Anders in Bern: Dort machte Sicherheitsdirektor Reto Nause nach dem Final im April dieses Jahres klar, dass die Partie nicht länger willkommen ist. Bei den Ausschreitungen beim diesjährigen Cupfinal waren 45 Personen festgenommen und fünf Polizisten verletzt worden. Es kam zu Plünderungen, Schlägereien und Sachbeschädigung, der Sachschaden wurde auf 40 000 Franken geschätzt. Auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät, der sich für das Finalspiel in Bern eingesetzt hatte, zog eine negative Bilanz.

Die Gräben zwischen dem SFV und der Bundesstadt sind tief. Auf absehbare Zeit, so bestätigen es Stimmen aus dem SFV, werde Bern weder Cupfinal-Spiele noch Länderspiele erhalten.

Die Nationalmannschaft wird damit dem Stade de Suisse fernbleiben. Als Grund wird der Kunstrasen angeführt. Bereits im Mai sagte SFV-Präsident Peter Gilliéron allerdings, dass man Länderspiele und Cupfinals nur dort spielen wolle, wo man willkommen sei. In der Zwischenzeit geführte Gespräche führten zu keiner Verbesserung des frostigen Klimas zwischen Stadt und Verband.

«Bern hatte den Cupfinal in den letzten beiden Jahren zweimal», sagt Sicherheitsdirektor Nause. «Beide Male handelte es sich um teure Hochrisikospiele mit Ausschreitungen und Sachschäden. Es wäre eine angemessene Geste, wenn der SFV nun auch wieder einmal ein unproblematisches Länderspiel in Bern stattfinden lassen würde.» Bern sei idealer Austragungsort und aus allen Teilen der Schweiz gut erreichbar. Signale, dass in nächster Zeit wieder Länderspiele in Bern stattfinden, habe der SFV aber nicht ausgesandt. Zuletzt fanden während der WM-Qualifikation 2012 und 2013 drei Länderspiele in Bern statt.

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