Die tüchtige, kreative Marketing-Abteilung des EHC Biel liefert uns die treffende Analyse für diese dritte Niederlage in der vierten Partie dieser Viertelfinal-Serie. Sie hat eine Werbung verkauft, die direkt mit Torhüter Jonas Hiller verknüpft ist. Neunmal pro Spiel (je dreimal pro Drittel) muss auf dem grossen Videowürfel diese Werbung für eine Reinigungs-Firma geschaltet werden. «Big Save!» («Grosse Parade») leuchtet dann auf und dann steht da: «Danke, Jonas!». Mit dem Zusatz: «Wir halten nicht nur Tore sauber.»

Der moderne Eishockey Goalie – erklärt von EHC Biel Goalie-Trainer Marco Streit und Simon Rytz:

In den meisten Partien ist es für die Regie kein Problem, diese Werbung zu schalten. Aber im Playoff-Spiel vom Samstag war es im ersten Drittel nicht so einfach. Weil es zu wenig «Big Saves» gab. Und so wurde die Werbung einmal eingeblendet, als Jonas Hiller bloss die Scheibe blockiert hatte. Also nach einer «billigen» Dutzendparade. Womit wir beim Kern der Sache sind. Der SCB hat die Partie bereits im ersten Drittel entschieden. Zweimal lässt Jonas Hiller die Scheibe abprallen, zweimal landet sie anschliessend im Tor. 0:2 in der 13. Minute. Aus. Vorbei. Bevor es richtig angefangen hat.

Irgendwann fällt der Apfel

Nun mag es billig sein, ständig Biels Torhüter in den Mittelpunkt der Analysen zu rücken. Aber es sind eben die besten Früchte, woran die Wespen der Kritiker nagen. Jonas Hiller ist einer der grössten Torhüter unserer Hockeygeschichte – und daran ändert auch diese Viertelfinalserie nichts. Er ist Biels einziger Einzelspieler, der selbst gegen den Titanen SC Bern die Differenz für den Aussenseiter machen kann. Im ersten (1:2 n.V), im zweiten (0:3) und jetzt im vierten Spiel war er dazu nicht in der Lage. Das erste, das zweite und das vierte Spiel hat Biel verloren. So polemisch und so einfach lässt sich diese Auseinandersetzung auf den Punkt bringen.

Die Bilder zum Spiel EHC Biel - SC Bern:

In der Taktik des Meisters spielt Jonas Hiller eine zentrale Rolle. Wir können diese Taktik, wiederum etwas polemisch, als «Bäume schütteln» bezeichnen. So oft wie möglich wird die Scheibe einfach vor das Tor von Jonas Hiller geschossen. Wohlwissend, dass eher früher als später der Abpraller kommt und das Tor fällt. So, wie wenn an einem Baum gerüttelt wird, irgendwann der Apfel fällt. Fallen muss. Das 0:2 war geradezu ein klassisches Produkt dieser einfachen und wirkungsvollen Taktik. Wir haben ein tapferes, ein leidenschaftliches Biel gesehen, welches – angetrieben von Leitwolf Robbie Earl – nie aufgegeben hat.

Der mutige Aussenseiter brachte die notwendige Intensität ins Spiel – aber letztlich half diese Intensität dem SC Bern. Denn der Meister ist auf allen Positionen besser besetzt und profitiert aufgrund seiner spielerischen Klasse von Ausnahmesituationen (Powerplay, Boxplay). Die Bieler hatten genügend Powerplay-Gelegenheiten. Sie vermochten sie nicht auszunützen. Der SCB machte hingegen aus seinem ersten Powerplay gleich das 0:1.

Die Fehler der Schiedsrichter

Oder waren am Ende die Schiedsrichter schuld? Dem 0:3 ging tatsächlich eine umstrittene Szenen voraus. Berns Defensivsoldat Alain Berger brachte im Boxplay Biels Verteidiger Marco Maurer ganz klar regelwidrig zu Fall und aus dieser Situation heraus erzielte SCB-Vorkämpfer Tristan Scherwey in Unterzahl das 0:3. Grund also, mit den Refs zu hadern? Ja, in dieser Situation ist den Schiedsrichtern tatsächlich ein Fehler unterlaufen.

Nein, in Bezug auf den Ausgang des Spiels. Biel war ganz einfach nicht gut genug, um einen Meister zu besiegen, der nach dem Ausrutscher vom Donnerstag (3:6 auf eigenem Eis) wieder zu seinem unspektakulären, unerbittlichen Defensivspiel zurückgefunden hat. Und um es polemisch auf den Punkt zu bringen: Die Schiedsrichter machten weniger Fehler als. . . Jonas Hiller.

Telegramm

Biel - Bern 1:3 (0:2, 0:1, 1:0)

6521 Zuschauer (ausverkauft). - SR Dipietro/Wiegand, Castelli/Wüst. - Tore: 10. Ebbett (Rüfenacht, Arcobello/Ausschluss Earl) 0:1. 13. Scherwey (Hischier, Plüss) 0:2. 37. Scherwey (Plüss/Ausschluss Bodenmann!) 0:3. 43. Earl (Rajala, Dave Sutter/Ausschluss Andersson) 1:3. - Strafen: 9mal 2 plus 10 Minuten (Pouliot) plus Spieldauer (Pouliot) gegen Biel, 9mal 2 plus 2mal 10 Minuten (Kamerzin, Plüss) gegen Bern. - PostFinance-Topskorer: Earl; Arcobello.

Biel: Hiller; Dufner, Steiner; Hächler, Maurer; Dave Sutter, Wellinger; Jecker; Pedretti, Pouliot, Micflikier; Rossi, Neuenschwander, Fabian Lüthi; Rajala, Earl, Schmutz; Tschantré, Fabian Sutter, Wetzel; Horansky.

Bern: Genoni; Untersander, Blum; Jobin, Krueger; Noreau, Gerber; Kamerzin, Andersson; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Hischier, Plüss, Scherwey; Lasch, Ebbett, Bodenmann; Berger, Müller, Randegger.

Bemerkungen: Biel ohne Valentin Lüthi, Fey, Haas, Joggi (alle verletzt) und Lundin (überzähliger Ausländer), Bern ohne Reichert (verletzt), Gagnon und Garnett (beide überzählige Ausländer). Pfostenschuss Bodenmann (47.). Timeout Biel (59:20). Biel ab 58:50 ohne Torhüter.