Alles hat seine Logik. Wenn der Weltmeister Spanien heisst, der Europameister ebenso und der Champions-League-Sieger mit dem FCBarcelona auch aus dem gleichen Land kommt, wer soll dann bloss den Final einer U21-EM zwischen Spanien und der Schweiz gewinnen?

Die Antwort erübrigte sich – spätestens, nachdem man diesen spanischen Nachwuchs in Dänemark hatte spielen sehen. Die «Rojita» ist eine Kopie des A-Nationalteams sowie des FC Barcelona. Sie pflegt das Kurzpassspiel, sie ist schnell, sie ist technisch versiert. Jeder einzelne Spieler ist ein überdurchschnittlicher Fussballer.

Die Schweizer U21 hat ein sehr gutes Turnier bestritten. Sie war nach den Spaniern deutlich die zweitbeste Mannschaft. Denn sie hat an dieser Europameisterschaft mit einem klugen Offensivspiel begeistert. Sie war diszipliniert, konzentriert, übernahm immer das Diktat der Begegnung und zeigte stets einen grossen Willen zum Sieg.

Diesen bestätigte sie auch am Samstag unter dem dämmernden dänischen Himmel. Vor der stimmungsvollen Kulisse mit rund 16000 Zuschauern konnte die Schweiz aber nicht über sich hinauswachsen und den Abstand zu den Spaniern wettmachen. Die Schweiz konnte sich zwar nach rund einer halben Stunde gut auf dem Platz positionieren, konnte die Laufwege Spaniens eingrenzen und selbst auch wieder zum Angriff finden. Doch schnell stiess die Schweiz an ihre technischen Limiten, so dass ihre Angriffe im Nichts endeten. Auch Shaqiris Klasse reichte gegen dieses Spanien nicht aus. Nur in der 30. Minute konnte er sich schnell befreien, aus der Drehung schiessen und den Goalie David de Gea ein einziges Mal ernsthaft beschäftigen. Die zweite gute Phase besass die Schweiz kurz vor Schluss, als Kasami und Klose zu hoch oder daneben gezielt hatten (77./78.).

Zu diesem Zeitpunkt lag die Schweiz schon längst im Rückstand. Alles hatte so leicht ausgesehen, so kurz vor dem Halbzeitpfiff: Juan Mata läuft im Mittelfeld quer, spielt Didac Vila auf Halblinks an. Dann die lockere Flanke. Sie schwebt mitten in die freie Zone des Schweizer Strafraums. Die sonst so wachsamen Innenverteidiger Jonathan Rossini und Timm Klose laufen für einen ganz kurzen Moment zu weit voneinander entfernt. Und Ander Herrera taucht dazwischen auf, köpft zum 1:0 für Spanien ein. Es ist das erste Gegentor, das die Schweiz an diesem Turnier kassiert –und das bitterste.

Das zweite und letzte folgt ausgerechnet im Anschluss an die stärkste Schweizer Phase, eine Viertelstunde vor Schluss: Das Spiel ruhte nach einem Foul. Spanien tätigt eine Auswechslung. Und kaum pfeift der Schiedsrichter das Spiel wieder an, schiesst Thiago Alcantara den Freistoss direkt hinter Yann Sommer ins Tor. Der Schweizer Goalie, der im ersten Spiel gegen Dänemark heldenhaft gehalten hatte, stand zu weit vorne und wurde von Thiago Alcantara überrascht.

So ging das dänische Sommermärchen in der 81. Minute mit dem 2:0 der Spanier in das letzte Kapitel. «Wir waren nicht stark unterlegen», sagte der Schweizer Topskorer Admir Mehmedi, «das Spiel war ausgeglichen. Dennoch hat Spanien verdient gewonnen.» Der Schluss der Analyse des FCZ-Stürmers stimmt. Der Anfang nicht. Die Schweiz war technisch deutlich unterlegen. Trotzdem war sie ein würdiger Finalgegner. Trotzdem ist sie ein würdiger Vize-Europameister, der Respekt verdient.

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