VON KLAUS ZAUGG

Nicht die Basler können uns den Titel streitig machen. Wenn YB nicht Meister wird, dann ist daran unsere Art schuld. Es ist heute nicht mehr so leicht, den bernischen Volkscharakter zu schildern. Weil so viele fremde Einflüsse gerade im Eishockey und im Fussball das Urbild des Berners ein wenig verwischen.

So urbernisch wie 1959 geht es bei YB und dem SCB (und überhaupt im Lande) nicht mehr zu und her. Auch auf die Gefahr hin, Sie zu langweilen, seien hier die Helden von damals noch einmal genannt. Weisch no? So tönt Nostalgie und das Aufzählen der Namen ist schön wie der Berner Marsch (falls Sie keinen Bezug zu unserer Vergangenheit haben, überspringen Sie einfach den Rest dieses Abschnittes): Eich, Zahnd, Steffen, Flückiger, Bigler, Schneiter, Rey, Häuptli, Meier, Allemann, Kiener, Nobs, Gerber, Lack, Kuhn, Diethelm, Stammbach, Schmidt, Messerli, Käser und Marti. Die Ausländer hiessen Wechselberger bei YB und Hamilton beim SCB. Auch wenn jetzt vieles anders ist: Noch immer sind Züge wahrzunehmen, die den Berner als solchen kennzeichnen, von Zürchern und Baslern unterscheiden und erklären, warum wir Berner im Sport so erfolgreich, aber eben doch nicht durchschlagend erfolgreich sind.

Im Allgemeinen sind wir Berner in unserem Wesen bedächtig, zäh, eher wortkarg und schweigsam. Eigenschaften, um sich in einem sportlichen Dauerwettbewerb zu bewähren. Im Eishockey noch mehr als im Fussball und deshalb ist der SC Bern dem Titel ein bisschen näher und hat in den letzten Jahren öfter die Meisterschaft gewonnen (1989, 91, 92, 97, 2004) als YB (1986). Im Charakter der Berner spielt die Leidenschaft keine grosse Rolle und deshalb kommt es hin und wieder vor, dass wir ein wichtiges Spiel (wie einen Cupfinal oder so) verlieren.

Was wir Berner uns um des lieben Friedens willen, den wir auch im Sport sehr hoch schätzen, alles bieten lassen, geht auf keine Kuhhaut. Die Arroganz der Basler und Zürcher fehlt uns Gott sei Dank. Das ist der Grund, warum wir in den letzten 40 Jahren zwar hin und wieder Meisterschaften gewonnen, aber eben auch viele Titel scheinbar leichtfertig gegen arrogantere, frechere und unanständigere Gegner aus Zürich und Basel verloren haben. Dafür haben wir ein bäumiges Hockeystadion und eine schöne Fussballarena und können, anders als in Zürich und Basel, im Fussball und im Eishockey auch nächste, übernächste, überübernächste Saison und eigentlich in alle Ewigkeit um den Titel spielen.

Unsere Sportbegeisterung hat halt nichts von der oberflächlichen Grossspurigkeit der Zürcher oder der Arroganz der Basler. Die bernische Sportbegeisterung kommt tief aus der Seele. Sie ist beständiger und wir brauchen nicht bunte Gewänder zu tragen, um zu zeigen, dass wir für YB oder den SCB sind. Es ist ganz normal, dass jeder Berner für YB und den SCB ist. Wir tragen ja auch nicht ein Bärenfell, um zu zeigen, dass wir Berner sind. Wenn YB und der SCB siegen, wird nicht geprahlt, gegrölt und randaliert.

An solchen Tagen liegt vielmehr so etwas wie ein inneres Licht und eine sanfte Selbstzufriedenheit über der Stadt.

Es ist mit unserem Sport wie mit unserer Stadt. Hügel und Höhen umschliessen sie in weitem Kranz, ringsum neigt sich das Land, senken sich die Strassen gegen die Stadt und dem sich nähernden Zürcher oder Basler scheint Bern in der Tiefe zu liegen. Aber im Augenblick, da er unsere Stadt betritt, erlebt er die Überraschung: Die Stadt liegt nicht versenkt im Kessel, nicht im Loch unten. Sie liegt hoch und gebietend auf einem steil abfallenden Felsenriegel. Bern liegt in der Tiefe und trotzdem auf dominierender Höhe, eingebettet in das Land und es beherrschend zugleich. So ist es mit dem SCB und YB: Wunderbar eingebettet im Schweizer Sport und ihn auf eine ganz besondere Weise auf alle Zeiten beherrschend zugleich.

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