VON SEBASTIAN WENDEL

Es war der 31. Oktober 2003. Halloweenmorgen auf Kauai, Hawaii. Die 13-jährige Bethany Hamilton paddelt wie jeden Tag mit Freunden aufs Meer hinaus und hofft auf die perfekte Welle. Plötzlich geht alles blitzschnell. Ein vier Meter langer Tigerhai nähert sich von unten, schnappt zu und verschwindet wieder in der Meerestiefe. Mit sich reisst der Angreifer ein grosses Stück aus Bethanys Surfboard. Sowie ihren kompletten linken Arm.

Der Teenie kann gerade noch um Hilfe rufen und verliert danach das Bewusstsein. Ihre Freunde werden zu Lebensrettern. Sie binden ihr die Wunde mit der Brettschnur ab und bringen sie an Land. Bethany hat über 60 Prozent ihres Blutes verloren. Ein Schicksalsschlag, der das Leben eines jeden schlagartig ändern würde. Nicht so bei Bethany Hamilton.

Nur einen Monat später steht das Surf-Wunderkind, das bis dahin alle amerikanischen Nachwuchswettkämpfe dominiert hatte, wieder auf dem Brett. Auf einem etwas längeren und breiteren, um die Gleichgewichtsdefizite auszumerzen. Behindert ist nur, wer sich behindern lässt. Bald startet sie wieder wettkampfmässig und hat ihr Spitzenniveau längst wieder erreicht.

Bethany Hamiltons Geschichte ist hollywoodreif. Sie stammt aus einer Surferfamilie, die wegen der Wellenpassion vom Festland auf den Inselstaat Hawaii zog. Bethany ist gläubige Christin und weist einen untadeligen Lebenswandel auf. Wie sie mit ihrem Schicksal umgeht, ist Vorbild für viele junge Amerikaner. Im Buch «soul surfer» schreibt die heute 20-Jährige über ihre Verbindung zu Gott und den Weg zurück an die Weltspitze der internationalen Surfszene. Sie war Gast bei Amerikas grössten Talkmastern und ihr Konterfei ziert die Titelblätter bekannter Hochglanzmagazine.

Der Rummel um ihre Person macht der schüchternen Kämpfernatur Mühe. «Es ist mir nicht schwergefallen, mich beim Surfen an den fehlenden Arm zu gewöhnen. Wirklich schwierig ist es, sich daran zu gewöhnen, berühmt zu sein», erklärt sie. Am liebsten würde sie bis ans Ende ihrer Tage einfach nur surfen.

Trotz ihrem Handicap mischt Bethany Hamilton an der Weltspitze mit. Seit zwei Jahren surft sie profimässig auf der ASP World Qualifying Series (WQS). Ihr Ziel ist es, genügend Punkte zu sammeln, um einen der nur 16 Plätze auf der ASP World Championship Tour (WCT) zu ergattern. Mit ihr an den Stränden der Welt unterwegs ist ihre Freundin Alana Blanchard. Alana zog die bewusstlose Bethany damals aus dem Wasser und rettete ihr damit das Leben. «Ich träume davon, eines Tages zusammen mit Alana auf der Profitour zu surfen.»

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