einen Elfmeter zu verschiessen.
Vielleicht kommt sich der FC Zürich in gewissen Momenten vor, als wäre er kollektiv in die Waschmaschine gesteckt worden. Draussen vor dem Fenster steht dieser mächtige rot-blaue Koloss und drückt den Start-Knopf. Der Waschvorgang beginnt, es schüttelt und rumpelt. Und niemand weiss in diesen Momenten genau, in welcher Verfassung die Zürcher nach diesen 90 Minuten noch sind.

Am Ende steht es 4:1. Der FC Basel gewinnt diesen Spitzenkampf in einer Art und Weise, die für die Konkurrenz besorgniserregend sein muss. Nach dem vierten Sieg im vierten Spiel steht er nun bereits an der Liga-Spitze. Punktgleich zwar mit dem FCZ, aber das erscheint irgendwie surreal nach dem direkten Vergleich.

Vor dem Spiel sagte Basel-Trainer Paulo Sousa auch diesen einen Satz: «Ein Spiel wie dieses kann wegweisend sein für den weiteren Saison-Verlauf.» Vielleicht ist es das tatsächlich. So, wie der FCB auftrat, mit einer Dominanz, mit einer Überzeugung, das Spiel an sich zu reissen, und mit der Gewissheit, seinen Gegner Mal für Mal zu überfordern, so scheint es eine ziemlich gewagte Vorstellung, dass dieses Team in der Schweiz überhaupt Spiele verlieren kann. Zumindest solange es mit der nötigen Konzentration auftritt.

Als der Abend zu Ende war und Sousa den bisher wichtigsten Sieg seiner Zeit in Basel besprechen durfte, sprach er von der «grossen, grossen Qualität», die er da in den Reihen seiner Spieler teilweise gesehen hatte. Seine Worte waren mit einer Körpersprache voller Zufriedenheit gewürzt. FCZ-Trainer Meier blieb nur die Anerkennung.

Wer als Leader, mit vier Siegen gestartet, in den St. Jakob Park reist, der tut das normalerweise mit viel Selbstvertrauen. Mit der Überzeugung, ein Zeichen der Stärke aussenden zu wollen. Nur war davon gar nichts zu sehen. Es war ein FCZ am Werk, der zu wenig mutig war, der viel zu viel Respekt zeigte. Das alles bemängelte auch Meier hinterher. Und sagte: «Die Höhe dieser Niederlage schmerzt.»

Der FCB-Sieg war auch in dieser Höhe verdient. Ohne Zweifel. Dass überhaupt teilweise so etwas wie Spannung aufkommen konnte, war dem mittlerweile schon fast standardisierten Nachlassen nach der Pause geschuldet. Plötzlich gelang Chermiti mittels Freistoss der 1:2-Anschlusstreffer. Es folgten zehn Minuten, in denen sich der FCZ wenigstens ein bisschen nach vorne traute. Aber mehr als einen Schuss von Chikhaoui war da trotzdem nicht.

Natürlich bemängelte Sousa hinterher diese Phase. «Wir schalten unsere Maschine plötzlich aus. Das sollte nicht sein – und daran müssen wir arbeiten.» Wie bereits in den ersten drei Spielen ging der FCB mit einer 2:0-Führung in die Pause. Aber es gelang wieder, grösseren Schaden zu verhindern. Und diesmal war auch kein Last-Minute-Tor mehr nötig wie in Thun, weil die Konter konzentrierter und erfolgreich gespielt wurden.

Nach gut dreissig Minuten hätte das Spiel eigentlich schon entschieden sein können. Gashi hatte nach einem Fehler von Da Costa zum 1:0 getroffen. Und nun durfte Diaz zum Elfmeter antreten, weil ihn Chikhaoui stümperhaft foulte. Doch der Chilene verschoss. Und liess den FCZ damit am Leben. «So ein vergebener Elfmeter kann ein Team hemmen. Aber das war bei uns nicht der Fall», freute sich Sousa hinterher. Das 2:0 durch Zuffi fiel sechs Minuten später trotzdem.

Um dem FCZ den Gnadenstoss zu versetzen, reichte Basel eine weitere kurze Tempoverschärfung. Der eingewechselte Kakitani schloss einen herrlichen Doppelpass mit Zuffi zum 3:1 ab. Es war die Torpremiere des Japaners im FCB-Dress. «Es ist schön, dass mir dieses Tor in einem so wichtigen Spiel wie diesem gelang», sagt er nach dem Spiel. Delgado sorgte dann für den Schlusspunkt.

Matchwinner Zuffi sagte – wie sein Trainer auch – nach der Partie: «Ich kann mir das Tief nach der Pause nicht erklären.» Trotzdem: An der Zufriedenheit mit sich und der Fussball-Welt konnte die kurze Schaffens-Pause nicht wirklich etwas ändern. Zu gut war der FCB-Auftritt über die 90 Minuten gesehen.

Vielleicht erholt sich der FCZ von diesem unliebsamen Abend in der Waschmaschine wieder. Aber für den Moment gilt nur eines: Dieser FC Basel kann sich nur selbst schlagen.

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