Der englische Spitzenclub FC Southampton ist im Besitz der 36-jährigen Aargauerin: Katharina Liebherr – ursprünglich in Niederrohrdorf und bis vor kurzem in Ennetbaden wohnhaft – sorgte diese Woche in der britischen Presse für Schlagzeilen. Denn sie holte den ehemaligen Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, Ralph Krueger, in die Clubführung. Krueger schwärmte am Rande des WEF in Davos gegenüber der «Schweiz am Sonntag» von der Clubbesitzerin: «Ich habe sie erst vor einigen Monaten kennen gelernt, und ihre Philosophie überzeugt mich absolut.»

Gemäss Handelsregister ist Katharina Liebherr aus Ennetbaden weggezogen – ins Steuerparadies Wollerau SZ am oberen Zürichsee. In jene Gemeinde, in der auch Ralph Krueger wohnt und wo er auch bleiben wird, wenn er seinen Job in Southampton antreten wird.

Liebherr sorgt im fussballbegeisterten England aber nicht nur wegen der Krueger-Personalie für Aufsehen. Der TV-Sender BBC sprach von einer «turbulenten Woche», Gerüchte über Spielerverkäufe machten die Runde – sodass sich Liebherr in einem offenen Brief an die Fans wandte und sie beschwichtigte.

Die Verunsicherung entstand wegen eines anderen Aargauers: Nicola Cortese, CEO des FC Southampton, der den italienischen Pass hat, aber in Menziken aufwuchs und später in Ennetbaden lebte. So wie Katharina Liebherr.

Cortese trat beim FC Southampton überraschend zurück, man spekulierte, er habe es nicht mehr akzeptiert, dass Liebherr seine Kompetenzen beschneiden wollte. Vor knapp fünf Jahren hatte Cortese die operative Führung des 1885 gegründeten Vereins übernommen. Und das äusserst erfolgreich. Der Ex-Banker, seit langem bekannt mit der Liebherr-Familie, führte den Club zurück in die oberste Liga. Zurzeit steht der FC Southampton immerhin auf dem neunten Platz der Premier League.

Wie kam es zum Zerwürfnis zwischen den beiden Aargauern? Dazu muss man die Vorgeschichte kennen. CEO Cortese wurde nicht von Katharina Liebherr engagiert, sondern von deren Vater Markus Liebherr. Dieser verstarb 2010 überraschend im Alter von nur 62 Jahren. Tochter Katharina erbte den Verein und arbeitete mit Cortese mehr als drei Jahre sehr erfolgreich, jetzt aber kam es zum Bruch.

Die Liebherr-Familie – ursprünglich aus Deutschland stammend – ist weit verzweigt. Der Grossvater von Katharina, Hans Liebherr, war Gründer des gleichnamigen Baumaschinenkonzerns und hatte fünf Kinder. Die Nachkommen besitzen laut «Bilanz» ein Gesamtvermögen von 7,5 Milliarden Franken, sie stehen auf Platz 16 der Liste der 300 reichsten Schweizer.

In Nussbaumen wohnhaft ist ein weiterer Angehöriger der Liebherr-Familie: Willi Liebherr, der zusammen mit seiner Schwester als Verwaltungsratspräsident die gleichnamige Firma leitet, zu der unter anderem Baumaschinen und Kühlschränke gehören. Willi Liebherr gilt als reichster Aargauer.

Die ganze Familie ist sehr verschwiegen und äussert sich in den Medien praktisch nie. Die britische Zeitung «Daily Mail» nannte sie diese Woche daher die «Phantom Lady» und schrieb: «Die Frau hat ein Leben lang erbittert versucht, ihre Privatsphäre zu schützen.» Und die Zeitung fragte: «Wird sich das jetzt ändern, wo sie im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht?»

Nur über ein Familienmitglied weiss man einiges: Über Christina Liebherr (34), die Cousine von Katharina. Sie ist Springreiterin und holte an den Olympischen Spielen 2008 für die Schweiz die Bronze-Medaille. Vor einem halben Jahr wurde Christina Liebherr zur Präsidentin des International Jumping Rider Clubs gewählt, des Verbandes der international startenden Springreiter.

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