WILLKOMMEN ZURÜCK, DANIEL ALBRECHT!

Der Walliser startet heute im Riesenslalom in Beaver Creek und gibt damit nach 681 Tagen sein Comeback

VON DAVID BERNOLD UND MARTIN PROBST

Es gibt wohl niemanden, der Daniel Albrecht den heutigen Tag nicht von Herzen gönnt. Genau 681 Tage nach seinem schlimmen Sturz im Abfahrtstraining von Kitzbühel ist er zurück – zurück im Ski-Weltcup. Viele haben an seiner Rückkehr gezweifelt. Er hat immer daran geglaubt: «Ich komme wieder», hat er stets betont. Heute ist es so weit.

Schon oft hatte sich Albrecht Hoffnungen auf das Comeback gemacht, musste jeweils schweren Herzens aber einsehen, dass die Zeit dazu noch nicht reif war. Nun aber steht der herbeigesehnten Rückkehr nichts mehr im Weg: Der Fiescher streift sich heute am frühen Abend zum ersten Mal wieder eine «richtige» Startnummer über – in jener Station, in der er vor drei Jahren seine ersten zwei Weltcup-Siege (Super-Kombination und Riesenslalom) errungen hat. Albrecht ist dort angelangt, wo er nach seinem schlimmen Unfall auf der Streif wieder hinwollte. Er hat das Ziel endlich erreicht, auf das er so lange hingearbeitet hat.

Albrecht hat sich für seinen ersten rennmässigen Auftritt seit Januar 2009, jenem im Slalom in Wengen, ein bescheidenes Ziel gesetzt. «Für mich stehen nicht die Punkte oder die Platzierung im Zentrum. Mir ist es erst einmal sehr wichtig, dass ich mal fahre, eine Orientierung kriege und sehe, wo ich stehe. Ich will wieder erfahren, wie ich mich in einer Rennsituation verhalte. Das weiss ich nach so langer Zeit ja nicht mehr. Danach kann ich die nächsten Schritte unternehmen», sagt der 27Jährige.

Die letzten Zweifel, im Zuge der Übersee-Tournee in den Rennbetrieb zurückzukehren, beseitigte Albrecht in Lake Louise. Im Ort in den kanadischen Rocky Mountains, in dem er die zwei Abfahrtstrainings bestritten hatte, lieferte er sich selber den Beweis, «bereit zu sein». «Ich hatte mich schon dort sehr gut gefühlt. Jene Trainings gaben mir Sicherheit und motivierten mich zusätzlich. Da war ich vollends überzeugt, dass es gehen wird. Jetzt habe ich mich noch einmal auf den Riesenslalom vorbereitet. Danach war ich mir sicher: ‹Jetzt mache ich es.›»

Riesenslalom war er in dieser Woche an vier Tagen gefahren. In zwei Nor-Am-Rennen in Aspen war er Vorfahrer, am Donnerstag und am Freitag absolvierte er Trainingseinheiten in Vail. Er verspüre überhaupt keinen Druck, sagte Albrecht weiter, zumal er sich jetzt schon als Sieger fühlen könne. «Wenn ich mich zurückerinnere, wo ich vor anderthalb Jahren gestanden bin, habe ich die grösste Hürde bereits genommen. Ich habe gekämpft. Das ist ein riesiges Erfolgserlebnis. Ich bin stolz darauf, es geschafft zu haben.»

Auf dem langen Weg zurück konnte Albrecht stets auf die Unterstützung des Teams und der Trainer zählen. Der «Masterplan» sah die Fokussierung auf den Riesenslalom vor, «obwohl es gewisse Anzeichen gab, dass es auch im Speed-Bereich gut gehen würde», sagte Chefcoach Martin Rufener. Der langwierige Prozess sah Trainings mit der Equipe und auf individueller Basis vor – mit Betreuern wie Jörg Roten, die sich speziell um Albrecht kümmerten.

Das alles hat sich nun ausbezahlt. Heute gibt Daniel Albrecht sein Comeback im Weltcup. Natürlich ist es noch ein langer Weg, der vor ihm liegt. Ein langer Weg, bis der Walliser vielleicht wieder Rennen gewinnen kann. Doch dies alles zählt heute nicht. Heute zählt nur, dass Daniel Albrecht zurück ist im Ski-Weltcup. So wie er es immer wollte. Willkommen zurück, Daniel Albrecht!

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