Schon bei der Ankunft tropfte der Schweiss von den Nasenspitzen. Das Thermometer zeigte 25 Grad, als sich an diesem Morgen 74 Leserwanderinnen und Leserwanderer im 591-Seelendorf Fehren besammelten. Hut und Wasser mussten her, dann konnte es losgehen: elf Kilometer durchs Solothurner Schwarzbubenland, an einem der heissesten Tage des Jahres.

Vom Güggelhof zur Maria im Hag

Die drei Herren Wanderleiter motivierten geschickt: Nach jedem Aufstieg gabs für die schwitzende Wanderschar eine unterhaltsame Pause als Belohnung. Beim Güggelhof etwa erzählte Werner Hänggi, ehemaliger Gemeindepräsident von Meltingen, die Sage der «Maria im Hag». Meltingen ist nämlich nicht nur ein Kurort (wegen des mineralisierten Wassers), sondern auch ein Pilgerort. Im 14. Jahrhundert soll in einem Holunderstrauch ein von einem Schleier bedecktes Marienbild gefunden worden sein. Die gläubigen Meltinger bauten eine Kapelle drumherum, zu der noch heute (an vermutlich kühleren Tagen) gepilgert wird.

«Alles isch feisteri Nacht gsi»

Die nächste Pause gabs auf der Portiflue. «Wätterwolche si ufzoge wie Unghüür und hei alles überdeckt. Jetzt gids en einzige, mörderliche Blitz und Donnerschlag und die ganze Aerde het bebbt und zringsedum isch alles feisteri Nacht gsi.» In etwa so soll es sich zugetragen haben, als der «Chlack», also der Spalt, im Felsen der Portiflue entstand. Der Teufel schlechthin soll verhindert haben, dass ein Graf hier seine Burg bauen konnte. Wanderleiter Nummer zwei, der Solothurner Nationalrat Christian Imark, erzählte die Sage auf der vordersten Spitze des Felsens, die Wanderschar (im Schatten) lauschte gespannt – dankbar, etwas Wasser trinken zu können.

Zirka 300 Grad Rundumblick von der Portiflue

Diese Aussicht auf das Schwarzbubenland mit Fehren, dem Heimatdorf von Nationalrat Christian Imark beweist: Hier ist die Welt noch in Ordnung. 

Dass diese «Wätterwolche» dann tatsächlich auch aufzogen, damit hatte niemand gerechnet. Nass (und abgekühlt) und nach steilem Abstieg durch die romantischen Ibach-Fälle kam der Apéro beim Schlossrank unter der grossen Buche gerade recht. Bier, Wein und Wasser, spendiert von Christian Imark, machten alles wieder gut. Wanderleiter Nummer drei, Walter Stebler, empfing drei Männer in origineller Mittelalterkluft. Man war verpflegt und unterhalten. Perfekt!

Ah ja: Das Zmittag verbrachten wir im Berggasthof Meltingerberg, bei Bratwurst, Kartoffelsalat und «suurem Moscht». So funktioniert Wandern auch an einem der heissesten Tage tipptopp.

Weitere Informationen

Mehr Fotos, Videos und Anekdoten finden Sie übrigens auf unserem Leserwandern-Blog.

Auf der kommenden 13. Etappe am Freitag, 4. August, gehts hoch über Aarau. Wir laufen von der Staffelegg auf die Barmelweid, wo uns ein Blick in die Sterne erwartet. Alle Infos gibts hier.