Es gibt kaum einen Winkel auf dieser Welt, in den McDonald’s noch nicht vorgedrungen ist. 37'000 Filialen zählt der amerikanische Fastfood-Riese. Immer mit dem fast gleichen Angebot, dem fast gleichen Geschmack, dem fast gleichen Geruch. Ein «Big Mac» ist ein «Big Mac». Überall. Kein Unternehmen wurde derart zum Symbol für die Globalisierung wie McDonald’s. Doch ein Privileg geniesst es wohl nur im Kanton Solothurn: Gleich zwei Bushaltestellen tragen seinen Namen.

Der Sog des goldenen Bogens ist am Jurasüdfuss offenbar besonders stark. Man muss sich nur einmal am Solothurner Hauptbahnhof in den Bus setzen und ins Wasseramt fahren. Gleich hinter der Stadtgrenze warten Burger, Pommes und Cola – amtlich festgehalten im Fahrplan. Die Linienbusse halten an der Haltestelle «Zuchwil, McDonald’s». Als der Konzern in der Gewerbezone Langfeld vor zwei Jahrzehnten seine erste Filiale in der Region aufmachte, war die Euphorie gross. Endlich konnte man das Essen aus dem Karton auch hier mit blossen Händen in sich hineinschaufeln.

Für den Busbetrieb Solothurn und Umgebung (BSU) war die Eröffnung sogar Grund genug, um den Stopp im Langfeld umzubenennen. Schliesslich sollten «die Leute sofort wissen, wo die Haltestelle liegt», wie ein früherer BSU-Kadermann sagte.

Widerstand gegen Burgerbrater

Ganz ähnlich lief das in Grenchen, wo sich der Burgerbrater an der Leimenstrasse ansässig ist. Der Busbetrieb Grenchen und Umgebung (BGU) hat nicht nur den Stopp «Grenchen, McDonald’s» errichtet. Während Jahren waren sogar sämtliche BGU-Haltestellen mit dem Logo der Amerikaner versehen. Das Unternehmen übernahm 1998 nämlich einen grossen Teil der Kosten für neue Anzeigetafeln und sicherte sich damit attraktive Werbeflächen. Ein Big Deal.

Die regionalen Busbetriebe und McDonald’s bilden eine erstaunliche Symbiose. Doch zumindest in Zuchwil regt sich nun Widerstand gegen die «Fast-Food-Entfremdung unserer Haltestelle». So nennt es ein Geschäftsmann, der mit seiner Firma in unmittelbarer Nähe residiert. Ihn nervt zum einen, dass McDonald’s im Fahrplan quasi Gratiswerbung bekommt. Zum anderen gebe die Haltestelle am Dorfeingang für die Gemeinde nicht gerade eine gute Visitenkarte ab, ist der Gewerbetreibende überzeugt. Denn das Langfeld habe zweifellos noch mehr zu bieten.

Gutschweizerisch geregelt

Tatsächlich ist die Namensgebung der Haltestelle in Zuchwil – und natürlich von jener in Grenchen – auch aus rechtlicher Sicht problematisch. Denn das Bundesrecht macht diesbezüglich klare Vorgaben: Die Verordnung über die geografischen Namen, kurz Geo-NV, enthält «Richtlinien zur Schreibweise von Stationsnamen». Jede Namensgebung muss vom Bundesamt für Verkehr abgesegnet werden. Alles ist gutschweizerisch geregelt und normiert.

So ist bereits in den Grundsätzen festgehalten, dass die Namen von Unternehmen nicht verwendet werden dürfen. Der Fall sei also klar, findet der Zuchwiler Geschäftsmann nach der Lektüre der Richtlinien: «Eine Haltestelle mit dem Namen McDonald’s, das geht eigentlich nicht.»

Warum aber geht es trotzdem? Anfrage beim Bundesamt für Verkehr in Bern. Jawohl, bestätigt Sprecher Gregor Saladin, grundsätzlich stimme die Interpretation der Rechtslage. Die Namen der Haltestellen in Zuchwil und Grenchen würden heute nicht mehr bewilligt. Allerdings traten die entsprechenden Richtlinien erst 2008 in Kraft, und da waren die McDonald’s-Haltestellen längst getauft. «Die Bezeichnungen wurden bereits vor dem Erlass der Verordnung vergeben», resümiert Saladin. Deshalb gelte für sie eben eine Besitzstandswahrung.

Grenchen als letzte Bastion

Mit anderen Worten: Es hat alles seine Ordnung. Die Haltestellen dürfen so heissen, wie sie heissen, und gegen das bisschen Schleichwerbung im Fahrplan lässt sich nichts einwenden. Hätte die Zuchwiler Gemeindeverwaltung nur nicht von sich aus den Apparat angeworfen. In der Abteilung für Bau und Planung ist man unterdessen ebenfalls der Auffassung, dass es im Langfeld nicht nur Burger und Fritten gibt. Für Abteilungschef Peter Baumann ist klar: «Das Langfeld ist auch in hundert Jahren noch das Langfeld. Aber wer weiss schon, welche Geschäfte dann hier niedergelassen sind?»

Ein Umbau der Bushaltestelle kam also gerade gelegen, um eine Umbenennung zu fordern. Der BSU unterstützte einen entsprechenden Antrag der Gemeinde Zuchwil. Dass der Bund diesen noch so gerne genehmigt hat, überrascht niemanden. Im kommenden Dezember wird «Zuchwil, McDonald’s» im Zuge des Fahrplanwechsels zu «Zuchwil, Langfeld».

Bleibt mal wieder Grenchen. In der eigenwilligen Uhrenstadt steht Fast food keinesfalls für den Niedergang hiesiger Esskultur. Hier verneigt man sich demütig vor McDonald’s, diesem weltgewandten Kalorien-Grossdealer, und da scheint eine eigene Bushaltestelle doch ganz angebracht. Eine solche haben der Flughafen oder der Grenchenberg ja schliesslich auch.