Bereits auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2017 hin soll es so weit sein: Das Glattbrugger Busunternehmen Domo Reisen & Vertriebs AG will dannzumal drei Fernbus-Linien in der Schweiz betreiben. Eine davon – jene von Basel nach Brig – wird auch den Kanton Solothurn queren (siehe Karte). «Wir haben geplant, in Olten und in Solothurn Haltestellen einzurichten», sagt Patrick Angehrn, Leiter Linienbusverkehr bei Domo.

Fernbus-Netz von Domo Reisen in der Schweiz

Fernbus-Netz von Domo Reisen in der Schweiz

Das Projekt ist weit fortgeschritten und im Konzessionsgesuch an das Bundesamt für Verkehr sind bereits die Haltestellen definiert. In Olten sollen die Busse im Busterminal beim Bahnhof und in Solothurn an der Niklaus-Konrad-Strasse halten. In Bern wie in Freiburg können die Fahrgäste auf die Buslinie nach Lausanne/Genf umsteigen.

Lockmittel ist der Preis

«Wir sehen trotz bereits sehr gut ausgebautem öffentlichem Verkehr eine Marktchance für solche Bus-Fernlinien», begründet Angehrn das Projekt. Lockmittel für die potenziellen Fahrgäste ist der Preis. «Die Fahrpreise werden in etwa halb so hoch sein wie bei den SBB.» Ein Beispiel. Kostet die einfache Fahrt mit der Bahn und Halbtax-Abonnement von Olten nach Brig 36 Franken, verlangt Domo für die Reise per Bus 18 Franken. Dieser Preis gilt aber auch im Bus nur mit Halbtax-Abo.

Bei Reisen ohne Halbtax kostet der Bus 36 Franken, die Bahn aber 72 Franken. «Um die Auflagen des Bundes zu erfüllen, müssen die Busangebote ins hiesige Tarifsystem eingebunden sein. Also müssen wir GA und Halbtax-Abonnement anerkennen.» Allerdings sind die Fahrzeiten mit dem Bus deutlich länger. Ein Beispiel. Mit der Bahn dauert die Fahrt von Solothurn oder Olten nach Brig weniger als zwei Stunden. Mit dem Bus ist man aber fast fünf Stunden unterwegs.

Trotz der vergleichsweise tiefen Preise sei es möglich, diese Fernbuslinien rentabel zu betreiben, ist Angehrn überzeugt. «Wir haben die Preise durchkalkuliert.» Er geht von einer Auslastung von durchschnittlich 60 Prozent aus. Die Busverbindungen seien nicht als Konkurrenz zur Bahn gedacht, sondern vielmehr als Ergänzung. «Wer rasch und pünktlich sein Reiseziel erreichen will, der nimmt die Bahn.»

Wer aber günstiger reisen wolle und auch bereit sei, längere Fahrzeiten in Kauf zu nehmen, für den stelle der Bus eine valable Alternative dar. Deshalb rechnet sich das Busunternehmen grosse Chancen aus, vom Bundesamt für Verkehr die entsprechenden Konzessionen zu erhalten. Zudem stelle der Busverkehr angesichts der Kapazitäten – die Strecken sollen einmal oder zweimal pro Tag bedient werden, während die SBB praktisch im Halbstundentakt verkehren – keine ernsthafte Konkurrenz dar. Er spricht von «einer homöopathischen Dosis».

Busbestellung in der Schublade

Die rechtlichen Vorgaben wie Zugang für Behinderte würden alle erfüllt. Sobald die Konzessionen vorliegen, werde man sechs Doppelstock-Fahrzeuge beim niederländischen Bushersteller Van Hool für rund vier Millionen Franken in Auftrag geben. Sie bieten – aufgeteilt in 1. und 2. Klasse – 71 Sitzplätze und zwei Plätze für Rollstühle und seien mit rollstuhlgängigen WCs ausgerüstet.

Es gebe auch kein Lohndumping bei den Chauffeuren. Domo Reisen halte alle arbeitsrechtlichen Bedingungen und alle branchenüblichen Anstellungsbedingungen ein. Angehrn: «Unsere Chauffeure arbeiten zu denselben Bedingungen wie ein Postauto-Chauffeur.» 

Die Domo Reisen AG mit rund 100 Angestellten ist seit 50 Jahren im Reisegeschäft tätig. Sie betreibt Rundreisen, Buscharter sowie einen Linienbusverkehr nach Spanien. Den Konzessionsentscheid des BAV erwartet Angehrn im Sommer. Dazu wollte sich BAV-Sprecher Gregor Saladin nicht konkret äussern. Er spricht von «mehreren Monaten». Und zu den Erfolgsaussichten für Domo gab es keine Auskunft. «Dazu können wir uns nicht äussern.»

Mit dem Betrieb von nationalen Fernbuslinien würde Domo in der Schweiz Neuland betreten. Abgesehen von Flughafentransfers, bei denen Fluggäste per Bus direkt von den Airports in Tourismusregionen transportiert werden, gibt es keine solchen Angebote. Die von der deutschen Flixbus betriebenen Linien durch die Schweiz dürfen aufgrund des Kabotageverbots keine Passagiere auf Teilstrecken innerhalb der Schweiz befördern.

Gewerkschaft ist skeptisch

Skeptisch beurteilt die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) die Buspläne. «Bei einem weltweit bewunderten, bestens funktionierendem öV-System sehen wir wenig Bedarf dafür», sagt SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger. Bezüglich Anstellungsbedingungen sei immerhin die Ausgangslage im Vergleich zu Flixbus anders – vorausgesetzt, Domo Reisen stelle die Chauffeure selber mit schweizerischen Arbeitsverträgen an. Wie der SEV auf eine Konzessionserteilung reagieren werde, hänge von deren Ausgestaltung ab. «Ob und welche Forderungen wir stellen, ist offen.»