Anfang Woche legten Unbekannte auf der Baustelle des Polizei- und Justizzentrums (PJZ) in Zürich Feuer. Mehrere Container und ein Stromverteilkasten brannten. Bei über tausend Anschlüssen fiel der Strom aus. Die Polizei wusste Ende Woche nicht mehr dazu zu sagen als kurz nach dem Feuerwehreinsatz.

Ein ähnlicher Sabotageakt hatte sich vor einem Jahr ereignet. Ein Kabelschacht der SBB brannte, wodurch der Bahnverkehr in Zürich stundenlang lahmgelegt wurde. Die Staatsanwaltschaft weiss heute nicht mehr dazu zu sagen als damals.

Zugchaos Zürich-Oerlikon: Der Brand soll absichtlich gelegt worden sein. (Juni 2016)

Einen Monat nach dem SBB-Anschlag wurde der Zürcher Polizeifunkturm Waid angezündet. Besteht ein Zusammenhang? Die Staatsanwaltschaft schweigt.

Zu den beiden Brandanschlägen von 2016 gibt jene Behörde am meisten Auskunft, die normalerweise die verschwiegenste ist: der Nachrichtendienst des Bundes. In seinem aktuellen Lagebericht bringt er die beiden Vorfälle in einen Zusammenhang. Sie seien mit «demselben Modus Operandi» erfolgt. Und: «Verschiedene Hinweise deuten auf eine anarchistische Täterschaft hin.» Die Anschläge verleiten den Geheimdienst zu einem beinahe philosophischen Gedanken: «Der Anschlag auf das Streckennetz der SBB hat gezeigt, wie verletzlich moderne Gesellschaften über die Schädigung ihrer Infrastruktur sind.»

Die SBB seien ein «traditionelles Ziel von Aktionen und Anschlägen Linksextremer», weil sie als Teil der sogenannten Ausschaffungsmaschinerie wahrgenommen würden, schreibt der Nachrichtendienst. In der linksradikalen Szene gelten Infrastrukturen wie das Transportnetz und das Kommunikationssystem zudem als Symbol für die gesteigerte Effizienz, die den modernen Arbeiter ausbeute. Das PJZ wiederum steht für die Staatsgewalt.

Parteizentrale der Grünen attackiert

Die Sabotageakte beschränken sich nicht auf Zürich. Eine ähnliche Serie findet in Basel statt. Hier muss das Ausschaffungsgefängnis Bässlergut, das derzeit ausgebaut wird, als Feindbild herhalten. Auf linksradikalen Online-Plattformen wurde eine Liste mit Anschlagszielen publiziert. Darauf befinden sich die involvierten Baufirmen, Architekten und die Privatadresse des Basler Sicherheitsdirektors Baschi Dürr (FDP). Ein Teil der Liste wurde inzwischen abgearbeitet, wie die Basler Ausgabe der «Schweiz am Wochenende» berichtet hatte. Firmenwagen wurden angezündet, Reifen plattgestochen und Fassaden verschmiert.

Bisher nicht bekannt war, dass auch die Parteizentrale der Grünen Partei beider Basel Opfer einer Attacke wurde. Scheiben wurden eingeschlagen und der Spruch «die Politik lügt» wurde auf die Fassade geschmiert. Über den Vorfall in Basel weiss man in der Zürcher Szene Bescheid. In der anarchistischen Zeitung «Dissonanz», die in Cafés und in einer Bibliothek verteilt wird, steht ein Kommentar dazu. Der Anschlag lasse «keine Illusion über das Interesse an einem Dialog mit den politischen Schwätzern».

Gefährlicher als Rechtsextreme

Seit einem Jahr steigt nicht nur die Zahl der vom Nachrichtendienst registrierten Gewalttaten von Linksextremen. Im vergangenen Jahr waren es 60, während nur gerade zwei vergleichbare gewaltsame Ereignisse von Rechtsextremen erfasst wurden. Auch die Qualität der linksextremen Angriffe erreicht ein neues Ausmass. Einstige Verbündete werden attackiert, die Grünen. Zudem geraten Regierungsräte persönlich ins Visier. Bisher konnten sie ihre Adressen bedenkenlos im Telefonbuch veröffentlichen. In der Nähe von Dürrs Haus wurde das Auto einer Firma des Bässlergut-Ausbaus angezündet. Die Anarchisten aus Zürich schreiben: «Dürr konnte das warme Lüftchen gleich persönlich riechen, das zurzeit in Basel weht.»

Die Szenen in Zürich und Basel überschneiden sich. Demnächst steht in Basel eine 30-jährige Rädelsführerin vor Gericht, die sich gemäss Anklageschrift an Ausschreitungen in beiden Städten beteiligt haben soll. In Basel ging dabei die Fassade des Gebäudes der Staatsanwaltschaft zu Bruch; in Zürich wurde ein Sachschaden von 200'000 Franken festgestellt, unter anderem an Liegenschaften der Stadtpolizei und der Securitas. Auch Polizisten und Polizeiautos wurden attackiert.

Die Basler Staatsanwaltschaft schreibt in der Anklage, die Linksautonomen seien europaweit vernetzt und würden sich international bei Protestaktionen unterstützen. Das zeigt sich auch auf den linksextremen Plattformen, auf denen zum Angriff auf Schweizer Infrastrukturen aufgerufen wird. Dort werden gleichzeitig Tickets für den Extrazug nach Hamburg angeboten. So wird die Bahn vom Feind zum Freund.

Hohe Sicherheitskontrollen für Aktivisten auf dem Weg zum G20-Gipfel

Basel - 05.07.17 - Für den G20-Gipfel reisen zehntausende Demonstranten nach Hamburg. Von Basel aus startete am Mittwoch ein Sonderzug mit G20-Gegnern aus der Schweiz. Die Aktivisten wurden im Badischen Bahnhof in Basel einer minuziösen Polizei-Kontrolle unterzogen. In Hamburg selber sind rund 20'000 Polizisten im Einsatz um Grössen der Weltpolitik wie den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und den chinesischen Präsidenten Xi Jinping zu schützen.