Die erstmalige Reise nach Australien führt in der Regel ans Barrier Reef im nordöstlich gelegenen Bundesstaat Queensland. Den Tropenwald im Rücken, den Sand endloser Strände unter den Füssen, die coolen Surfer im Auge, mit dem Katamaran raus zum Riff und abends ins Strand-Pub zur ausgelassenen Party. Queensland besticht und ist entsprechend ein Besuchermagnet. Beim Faktor Idylle gibt es ob des Touristenrummels indes Abstriche.

Immer mehr Schweizer Australienreisende, die an der Weite, den spektakulären Landschaften und der Abgeschiedenheit ihren Gefallen finden, wenden sich von der touristisch sehr gut erschlossenen Ostküste ab und suchen mit dem Camper abenteuerliche Erlebnisse im Outback oder an abgelegenen Küsten – und hier punktet Westaustralien jüngst immer mehr.

Nach dem Reiz des australischen Bundesstaates Western Australia befragt, nennen fünf Schweizer Australien-Spezialisten ihre favorisierten Gebiete. Hanny Geiser von Ozeania Reisen in Fislisbach AG sagt: «Der Westen ist perfekt für Reisende, die das wirkliche Australien suchen. Südlich von Perth locken Top-Weine und -Strände, nördlich von Perth eine beeindruckende Natur und Steinformationen wie die Pinnacles im Nationalpark Kalbarri.» Ein ausgefallenes Angebot im Ozeania-Katalog ist der Besuch bei Aborigines. Dabei erlebt man Erzählungen von Geschichten, Erklärungen der Felsmalereien und hört Überlebensweisheiten.

Knecht Reisen hat auf diese Saison hin Western Australia sogar zur Destination des Jahres erkoren und stellt derzeit eine wachsende Nachfrage fest. «Das Ursprüngliche, die Natur, die Tierwelt – der Westen Australiens bietet enorm viel», sagt Christoph Baerlocher, Product Manager Ozeanien bei Knecht Reisen in Aarau. Er ist eben aus Westaustralien zurückgekehrt und hat insbesondere an der Südküste, der Umgebung um Esperance, grossen Gefallen gefunden. «Die Strände dort sind unglaublich schön, das türkis Meer und viele grosse, runde Felsen prägen die Küste.» Und er bezeichnet die Lucky Bay als seinen Geheimtipp, der Sandstrand gelte als der weisseste ganz Australiens.

Für Werner Blum von Move Reisen zählt ebenfalls das Ningaloo-Korallenriff zu den Höhepunkten: «Die Strände sind hier noch grösstenteils unberührt.» Er registriert vermehrt Australienreisende, die vom touristischen Queensland Abstand nehmen. «War der Westen bisher vornehmlich bei Wiederholungsreisenden gefragt, wählen nun vermehrt auch Erstreisende Western Australia als ihr Reiseziel.» Als etwas vom Besten weltweit bezeichnet Blum eine Jacht-Kreuzfahrt ab Broome nach Darwin entlang der abgelegenen, landseitig nicht zugänglichen Küste der Kimberleys. «Diese Kreuzfahrt ermöglicht fantastische Landausflüge.»

Dass Australien im Schweizer Reisemarkt generell zunehmende Bedeutung erlangt, verdeutlichen die jüngsten Einreisezahlen. 2013 reisten 49 200 Schweizer Down Under, 5,6 Prozent mehr als noch 2012. Und gegenüber 2008, als gut 40 000 Schweizer Australien besuchten, beläuft sich die Steigerung fünf Jahre später auf 23 Prozent – obwohl die Kosten für Hotels und Camper in Australien in dieser Zeit eher teurer geworden sind. Lukrativer sind indes die Flugtarife geworden, wie etwa die jüngste Aktion der Qatar Airways zeigt: Bis im nächsten Juni kosten Retourtickets nach Australien nur 1319 Franken.

«Von den Städten her ist natürlich Sydney nach wie vor ‹the place to be›», sagt Stephanie Mohn von Dreamtime Travel in Baden, «aber auch Perth und Westaustralien insgesamt wird immer beliebter.» Die Weite, die Abgeschiedenheit, die Farben der Landschaft und die Auswahl an verschiedenen Aktivitäten, etwa Schnorcheln oder Wandern in den Schluchten, stellten den grossen Reiz der Region dar.

Das Masterpiece für Westaustralien-Abenteurer stellt aber die Fahrt auf der Gibb River Road dar. Der Zürcher Spezialist Australasia etwa schreibt eine achttägige Fahrt von Broome respektive Derby nach Kununurra aus. Dabei geht es vorbei an der Windjana Gorge, dem Tunnel Creek und entlang der gewaltigen Flüsse Pentecost und Ord. «Die absolute Wildnis kann man bei einem abenteuerlichen Ausflug zum Nationalpark Mitchell River erleben», empfiehlt Marlies Beck von Australasia. Dort könne man die Felskunst der Aborigines und die faszinierende Vegetation entdecken.

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