1. Reisebüros kriegen die Kurve
Zwar haben von Januar bis September 54 Schweizer Reisebüros den Laden dichtgemacht. Der Umsatz der verbleibenden gut 2000 Büros hat gemäss einer Erhebung des Schweizer Reise-Verbands (SRV) 2014 aber zugenommen. Und der Trend soll auch 2015 anhalten. Denn gegenüber Online-Reisebüros konnten die traditionellen Reisebüros 2014 wieder Marktanteile zurückgewinnen. 22 Prozent der Schweizer Reisenden sollen 2014 ihr Angebot in einem Reisebüro gebucht haben, 2013 lag dieser Wert bei 18 Prozent. SRV-Geschäftsführer Walter Kunz ortet die Trendwende beim Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010: «Es gab damals unzählige Reisende, die auf ihren online gebuchten Einzelleistungen sitzen geblieben sind und auf keinerlei Unterstützung zählen durften. Reisebürokunden hingegen wurden von ihren Buchungsstellen umfassend betreut.»

2. Die beliebtesten Städteziele
In der Gunst von Städtereisenden haben Lissabon, Kopenhagen und Hamburg gegenüber Klassikern wie London, Berlin und Wien jüngst aufgeholt. Neu bietet etwa Globus-Reisen in Hamburg einen VIP-Shopping-Service an, Modesuchende werden bei der Suche nach den neusten Fashiontrends und beim Einkauf begleitet. Gute Noten als reizvolles Städteziel erhält vermehrt Belgrad. Neben dem sozialistischen Charme locken schwimmende Clubs auf die Donau, und die Auswahl an Cafés sucht seinesgleichen. Hohe Buchungszahlen dürfte 2015 erneut Istanbul verzeichnen. Und als kommenden Shooting-Star nennt die Reisebibel «Lonely Planet» das bulgarische Plovdiv mit seiner schönen Altstadt und einem schwelenden Nachtleben. Auch die beiden europäischen Kulturhauptstädte 2015 Mons (Belgien) und Pilsen (Tschechien) haben derzeit viel zu bieten.

3. Feiern und Baden in Mykonos und Ibiza
Nachdem Hotelplan mit der tschechischen Travel Air Service an Grenzen gestossen ist – für Flüge nach Ägypten fehlte die Bewilligung –, werden nun mit zwei Germania-Maschinen und der Marke Holidayjet die Badeferienziele rund ums Mittelmeer, in Ägypten und auf den Kanarischen Inseln angeflogen. Ein Renner dürfte die griechische Insel Mykonos werden. Die Preise sind dank der verbesserten Fluganbindung deutlich gesunken. Und die Insel wartet mit einem erfolgversprechenden Mix von trendigen Clubs und stillen Buchten auf. Kuoni rechnet ebenfalls mit guten Buchungszahlen bei der Formel Party & Strand: In Ibiza wurde das Angebot ausgebaut. Tui Suisse registriert bereits ein 10-Prozent-Plus bei den Buchungen für nächsten Sommer und geht von einem Comeback Tunesiens aus sowie einer zunehmend beliebten türkischen Westküste. FTI hat das Angebot für den griechischen Peloponnes und für Aktivferien in der Türkei ausgebaut.

4. Von der Hudson Bay bis Komodo
Bei den Überseezielen spricht einiges für ein Asien-Jahr – dank anhaltend tiefen Flugpreisen. Nach einer Stagnation wegen des Putsches dürfte Bangkok wieder zulegen, als vibrierendes Städteziel und Ausgangspunkt zu Dschungeltrips und Trauminseln Thailands. Eine wachsende Nachfrage nach exotischen Tauchgründen verzeichnet Spezialist Manta Reisen: Etwa bei den Hallaniyat-Inseln im Oman oder im Osten Indonesiens bei Komodo, Wakatobi, Raja Ampat oder den Molukken. «Lonely Planet» nennt Nicaragua und Namibia als Trendziele 2015. Hotelplan setzt auf ein erweitertes Kuba-Angebot. Und Nordamerika hat zahlreiche Trümpfe zu bieten. Edelweiss wird mit Flügen nach Tampa, Las Vegas und Vancouver für eine gute Nachfrage sorgen. Knecht-Reisen wird sich dank den Bildern von der kommenden Ski-WM in Beaver Creek über zusätzliches Interesse Richtung des Pulverschnee-Mekkas erfreuen. Und Kuoni hat im neuen USA-Programm etliche Highlights zu bieten, etwa die Südstaaten. Und im Oktober führt Kuoni an drei Daten Entdeckungstouren an die Hudson Bay durch, wo Eisbären bei der Seehundjagd aus der Nähe beobachtet werden können.

5. Spektakuläre Hoteleröffnungen
Bei den weltweiten Hotel-Neueröffnungen wird auch Zürich 2015 von sich reden machen. Das «Kameha Grand», an der Stadtgrenze Zürich/Opfikon gelegen, will mit beeindruckendem Interieur aufwarten. Im türkischen Bodrum eröffnet im Mai 2015 ein neues Swissôtel. Es wird sich durch elegantes und minimalistisches Design auszeichnen. In Portugal wird im Douro-Tal die Luxus-Marke Six Senses einen Gourmet- und Wellness-Tempel eröffnen. In Dubai stehen das «Westin», das «St. Regis», ein W Hotel und der Palazzo Versace vor der Eröffnung. Die Luxuskette Raffles lanciert in Jakarta ein Kunsthotel. Und weitere Hoteleröffnungen erfolgen in Australien (Lizard Island Village), in Sansibar (Park Hyatt), in Singapur (Park Capitol) und in Sri Lanka (Anantara Tangalle). Und das spektakulärste Hotel wird in Norwegen fertiggestellt, das Lofoten Opera Hotel. In dramatischer Umgebung zwischen Kliffs und Buchten erstreckt sich das Haus den Berg hinunter, einer Kaskade gleich.

6. Gerangel am Schweizer Himmel
2015 dürfte das Jahr der vielen Flugschnäppchen ab der Schweiz werden. Nachdem Etihad Regional mit Tiefpreisen Europaziele ab der Schweiz anbietet, reagiert die Swiss ab dem Sommerflugplan mit 22 neuen Zielen, darunter Neapel, Bari, Bilbao, Porto, Toulouse, Leipzig, Dresden, Graz, Göteborg, Helsinki, Riga und Krakau. Auch Holidayjet, die neue Hotelplan-Charterlinie, scheut keine Tiefpreise und publiziert One-Way-Strecken bereits ab 49 Franken. Edelweiss gibt sich ebenfalls offensiv und wartet 2015 mit mehr Flügen nach Griechenland, in die Türkei und nach Spanien auf. Und gleich um sieben Embraer-Maschinen stockt Helvetic Airways die Flotte auf, wobei die Jets vorerst der Swiss vermietet werden.

7. Ab auf den Cruiseliner!
Die Kreuzfahrten-Sparte legt insbesondere in Europa weiter zu. Und 2015 werden einige neue gigantische Schiffe das Angebot ergänzen. Neben den US-Schiffen «Norwegian Escape» und «Anthem of the Seas» mit Platz für je 4200 Passagiere lässt die britische Reederei P&O Cruises die Britannia für 3600 Passagiere vom Stapel. TUI Cruises lanciert «Mein Schiff 4» für 2500 Passagiere, und die neue «Aida Prima» hat Platz für 3250 Passagiere. Costa Kreuzfahrten fliegt ihre Schweizer Passagiere vom 29. August bis 21. November 2015 jeden Samstag nonstop mit Etihad Regional von Zürich und Genf nach Triest. «Während eine Busfahrt aus der Schweiz bis zu elf Stunden in Anspruch nehmen kann, dauert der Flug ab Zürich lediglich 70 Minuten», erklärt Mary Stefanizzi, seit Anfang Dezember 2014 General Manager von Costa Kreuzfahrten Schweiz. Die Costa Mediterranea verkehrt zwischen Ende August und Mitte November im östlichen Mittelmeer.

8. Sharing-Industrie und neue Gadgets
Stolze Zuwächse, sei es auch nur schon darum, weil viele Reisende wissen wollen, wie das funktioniert, verzeichnen die Player aus der Sharing-Industrie wie Uber und Airbnb. Sowohl der Online-Vermittlungsdienst von Fahrgästen sowie der Vermittler von Privatunterkünften kämpfen aber in zahlreichen Ländern mit rechtlichen Schranken. Derweil bereits neue Services wie livemyfood.eu auftauchen, die Plattform vermittelt Dinners bei Einheimischen. Und dann wird 2015 das Jahr der Smartwatches und tragbaren Gadgets, die besonders bei Reisenden Anklang finden dürften. Der Hotelzimmer-Schüssel und der Airline-Boardingpass taucht dann per Knopfdruck oder Sprachbefehl am Handgelenk auf.

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