Viele Umweltorganisationen rügen den Tourismus auf Inselparadiesen wie den Malediven per se als höchst unökologisch. Geben Sie ihnen Recht?
Andreas Zgraggen: Ja und nein – sie sind etwa so unökologisch wie Reisen in die USA, nach Thailand, Afrika und etliche weitere Ferienziele. Also alle Destinationen, die man mit dem Flugzeug ansteuert.

Finden Sie nicht, dass zwischen Reisen und Umweltschutz ein grundsätzlicher Widerspruch besteht, der gar nicht überwindbar ist?
Das kann man so sehen, nur müsste die Liste dann fairerweise erweitert werden: Autofahren, Fleisch essen, Kühlschränke, Waschmaschinen und Klimaanlagen sind genauso schädlich für die Umwelt wie das Reisen.

Was unternimmt Manta Reisen heute konkret, um den ökologischen Fussabdruck der Kunden vor Ort möglichst klein zu halten?
Jeder Manta-Kunde erhält bei Ankunft auf den Malediven unser eigenes Umwelt-Comicheft mit den wichtigsten «Do’s & Dont’s». Darin weisen wir zum Beispiel darauf hin, die Klimaanlage beim Verlassen des Zimmers auszuschalten oder keinen Sand mit nach Hause zu nehmen. Ausserdem überreicht unser Flugpartner Edelweiss jedem Passagier auf dem Hinflug einen Abfallsack mit der Bitte, den eigenen Müll darin zu sammeln. Edelweiss sammelt die Säcke dann auf dem Rückflug wieder ein und lässt sie in der Schweiz richtig entsorgen. Zudem ist Manta Reisen Anfang 2014 eine enge Partnerschaft mit OceanCare eingegangen, einer Organisation, die sich für den Schutz der Meere und deren Bewohner einsetzt.

Haben Sie auch schon daran gedacht, die Malediven aus Umweltschutzgründen ganz aus dem Programm zu streichen?
Nein, daran habe ich noch nie gedacht. Sie fragen den Metzger ja auch nicht, ob er Fleisch aus dem Sortiment streichen würde. Der Metzger kann aber auf Biofleisch umstellen und genauso können auch wir unseren Teil dazu beitragen, Reisen auf die Malediven für die Umwelt erträglicher zu machen.

Engagiert sich Manta auch in den Destinationen selbst?
Auf jeden Fall. Der intensive Kontakt mit den lokalen Partner ist uns enorm wichtig. Umweltschutz und «Social Responsibility» sind klarer Bestandteil jeder Vertragsverhandlung. So unterstützen wir etwa Inseln, die neue Wege gehen und für die Umweltschutz nicht nur ein Modewort ist.

Haben Sie damit schon konkrete Erfolge erzielt?
Das haben wir. Das Reethi Beach Resort zum Beispiel sprayt keine chemischen Insektenmittel mehr, sondern vertraut auf den einheimischen «Moskito Man». Dieser sucht die Insel permanent nach Brutstätten der Mücken ab. Raupen werden auf der gleichen Insel mit einem Öl vom Neembaum besprayt. Diese ökologischen Massnahmen wurden bereits von anderen Inseln kopiert.

Geht dieses Engagement auch über die Malediven hinaus?
Ja. Als erster Reiseveranstalter überhaupt hat Manta Reisen diesen Frühling den «Letter of Concern» an das ägyptische Tourismusministerium unterschrieben, der sich gegen die fragwürdigen Delfintouren in Hurghada richtet. Es ist nachgewiesen, dass diese Touristenattraktion den lokalen Delfinen schadet. Wir engagieren uns auch an anderen Destinationen. Zusammen mit OceanCare planen wir ein Nachhaltigkeits-Rating für Tauchboote, wie es bereits für Whalewatching-Touren existiert.

Würden Sie strengere gesetzliche Vorgaben für Reiseveranstalter im Sinne der Nachhaltigkeit begrüssen?
Ich persönlich könnte mit strengeren gesetzlichen Vorgaben gut leben. Lieber wäre mir, dass sich Veranstalter vermehrt auf freiwilliger Basis engagieren. Tourismus kann nur funktionieren, wenn beide Seiten, die Reisenden und die Einheimischen, profitieren. Dazu gehört ein sinnvoller Umgang mit der Umwelt und soziale Gerechtigkeit für die Angestellten.

Stichwort «Tourismus im Jahr 2025». Welche Vision schwebt Ihnen vor?
Die Malediven haben sich zu einer nachhaltigen Destination gewandelt, wo Authentizität wichtiger als Luxus ist. Die Inseln liegen mitten im grössten Marine-Park des Indischen Ozeans. Auf dem Rückflug in die Schweiz sitzt neben mir ein einheimischer Hotelangestellter mit seiner Familie, der sich zum ersten Mal Ferien in der Schweiz leisten kann.

Zur Person:
Andreas Zgraggen ist Geschäftsführer des Schweizer Reiseveranstalters Manta Reisen und seit über 25 Jahren im Tourismus tätig. Er war Mitbegründer von Intens Travel, einem auf Indien spezialisierten Reiseveranstalter. Manta Reisen gehört zur Kuoni-Gruppe, ist spezialisiert auf Tauchreisen und Ferien im Indischen Ozean und gilt in der Tourismusbranche als Malediven-Pionier.