Kurve mit Aussicht steht auf dem Schild. Tatsächlich, das Panorama ist grandios: Am Horizont bauen sich die Felswände der Dolomiten auf, davor glitzern silbern die Wasserflächen des Lago di Caldonazzo und daneben des kleineren Lago di Levico, beide eingebettet in Weingärten und Wälder. Und hier und da reckt sich ein Kirchturm eines alten Trentiner Dörfchens in die Höhe.

Die aussichtsreiche Kurve windet sich auf historischem Boden. Sie gehört zum Kaiserjägerweg, einer verwegen in den Fels gehauenen Versorgungsroute aus dem Ersten Weltkrieg. An manchen Stellen misst die Strasse nur 2½ Meter in der Breite, und die zwei Felstunnels bieten nur Platz für Einbahnverkehr. Die Serpentinen erfordern fast Schwindelfreiheit. Das Passsträsschen ist heute zwar asphaltiert und mit Leitplanken gesichert, aber dieses besondere Bergerlebnis gönnen sich verständlicherweise eher Biker als Autofahrer. 15 Kilometer schlängelt sich das schmale Asphaltband vom Tal des Brenta-Flusses bis zum Passo di Vezzena in gut 1400 Meter Höhe.

Auf der Hochebene wandert man, besichtigt wuchtige Festungsruinen oder besucht auf der Alp seine Kuh, die man adoptiert hat. Ja, das gibt es! «Adoptiere eine Kuh», nennt sich das Programm, mit dem die Ferienregion Valsugana vor allem Stadtkindern Einblick in das traditionelle Bauernleben in den Bergen geben möchte: Wo verbringen die Milchkühe ihre Sommerferien? Wie wird die Milch zum Käse?

Das Schöne daran: Von den 60 Euro, die eine Adoption kostet, gehen 10 an Kinderhilfsprojekte. Für die restlichen 50 Euro können die Adoptiveltern Milch, Käse und Butter von «ihrer» Kuh kaufen. Allerdings müssen die Milchprodukte persönlich auf der Alp abgeholt werden. Zum Beispiel auf der Malga Postesina, die von Mitte Juni bis Mitte September von Senner Rudy Zanoni auf der Hochebene von Vezzena bewirtschaftet wird. Auf der Alp reift auch der würzige Vezzena-Käse, eine Spezialität der Region und ein beliebtes, essbares Souvenir für zu Hause.

Während es auf dem Altipiano di Vezzena selten zu heiss wird, freuen sich die Feriengäste unten im Valsugana bei mediterranen Sommertemperaturen auf den erfrischenden Sprung in den See. Wer es klein und übersichtlich mag, bevorzugt den Lago di Levico, nur durch einen waldigen Hügel vom Lago di Caldonazzo getrennt.

Überdimensionale historische Fotografien an den Aussenwänden des Lido di Levico erinnern an die guten alten Tage, als das Strandbad der Treffpunkt schlechthin war – zum Flirten und Tanzen, für Dolcevita und Amore. Auch heute steigen vor allem am Wochenende noch lebhafte Beach Partys mit Barbecue und heisser Musik. Wenn das Drumherum der Ferien etwas kleiner sein darf, muss es eben nicht jedesmal der Gardasee oder die Adria sein. Das wissen vor allem Familien mit Kindern zu schätzen.

Für Besucher, die sich nicht ausschliesslich zu den Badegästen zählen und mehr zu Kultur und Natur tendieren, hat sich das Valsugana etwas ganz Spezielles einfallen lassen: «Arte Sella» heisst ein Open-Air-Museum, in einem Hochtal gelegen oberhalb des Dorfes Borgo Valsugana. Wer dem drei Kilometer langen Weg durch den Bergwald des Val di Sella folgt, begibt sich auf eine fantastische Entdeckungsreise.

Zeitgenössische Künstler aus mehreren Ländern haben aus Bäumen, Holzbrettern, Steinen, Zweigen, Blättern und sogar Papierbündeln Skulpturen gestaltet. Kleine, grosse, einige fast monströs – und sie werden nach ihrer Erschaffung dem Lauf der Zeit überlassen. Viele Kunstwerke werden so von der Natur quasi zurückerobert oder verschwinden wieder vollständig. Wie ein grüner Tempel etwa wirkt die «Cattedrale Vegetale» aus 42 Eichenbäumen. «You are free» von Patrick Dougherty – geflochten aus Zweigen – erinnert an eine Mischung aus gigantischem Vogelnest und schiefer Waldhütte. «Arte Sella» ist ein Platz zum Staunen, immer wieder, und nicht nur, wenn plötzlich zwei täuschend echt aussehende Hirsche aus Laub und Eisen zwischen den Bäumen auftauchen. Dort oben macht es auch nichts, falls es mal regnen sollte. Wenn Wolkenfetzen durch den Wald wabern, wirken die Skulpturen wie aus einer anderen Welt – noch ein besonderes Bergerlebnis im Valsugana.

Touristische Auskunft
www.visittrentino.it/de/ und
www.visitvalsugana.it/de/,
Tel. 0039 0461 72 77 00
Open-Air-Museum Arte Sella:
www.artesella.it
Der Autor reiste auf Einladung von Trentino Marketing.

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