Sturm auf die Sonnenplätze

Den Mangel an Sonne wollen etliche Konsumenten mit Herbstferien am Strand kompensieren.

Den Mangel an Sonne wollen etliche Konsumenten mit Herbstferien am Strand kompensieren.

Das schlechte Sommerwetter treibt massenhaft Schweizer ins Reisebüro, wo das Herbstferienangebot allmählich knapp wird. Ein Schweizer Reiseveranstalter wirft nun 6000 zusätzliche Flugsitze auf den Markt.

Von Robert Wildi

Der ins Wasser gefallene Schweizer Sommer hat in den Reisebüros ein heftiges Buchungsgewitter ausgelöst. Den Mangel an Sonne wollen etliche Konsumenten mit Herbstferien am Strand kompensieren. «Wir werden von Anfragen regelrecht überrannt», bestätigt zum Beispiel Martin Wittwer, CEO von Tui Suisse. Allein im August hat Tui Suisse ein Viertel mehr Buchungen entgegen genommen als im Vorjahr. Das reguläre Flugprogramm sei schon heute praktisch ausgebucht, so Wittwer. Der Veranstalter hat rechtzeitig reagiert und für die Reiseperiode zwischen Ende September und Mitte Oktober nicht weniger als 6000 zusätzliche Flugsitze ins Programm genommen.

Heiss begehrt sind vor allem Badearrangements auf den Kanarischen Inseln, Zypern, Griechenland, Ägypten und der Südtürkei. Für diese und weitere Sonnenziele gibt es bei Tui Suisse dank der Zusatzflüge gegenwärtig wieder freie Herbstferienplätze. Aber auch diese werden immer weniger. «Wie es aussieht, gibt es im langjährigen Vergleich einen guten Herbst 2014», freut sich Wittwer.

Nicht ganz so euphorisch, aber dennoch positiv tönt es bei den Mitbewerbern. «Viele Kunden gehen wegen des schlechten Sommerwetters in der Schweiz auf Nummer Sicher und haben frühzeitig ihre Herbstferien reserviert», beobachtet Peter Brun, Sprecher von Kuoni. Da der Buchungstrend auch im September anhält, hat der Veranstalter im Hinblick auf die Herbstferien vorsorglich auf 16 Flügen pro Woche die Sitzkapazitäten erhöht. Hotelplan Suisse erlebt seit Wochen ebenfalls einen heftigen Kundenandrang. Anders als die Konkurrenz reagiert die Migros-Tochter nicht mit der Bereitstellung zusätzlicher Flugsitze. An bestimmten Herbstdaten wird das verfügbare Angebot für Reisen ab Zürich deshalb bereits knapp. «Mehr freie Plätze haben wir noch auf unseren Flügen ab Genf», bestätigt die Sprecherin Prisca Huguenin. Auch bei Kuoni und Hotelplan sind dieselben Ziele gefragt wie bei Tui Suisse: Die spanischen und griechischen Inseln, Zypern, Ägypten, Südtürkei sowie die USA und Tunesien.

Preise purzeln aufgrund der Kurzfristigkeit
Der aktuelle Boom folgt auf ein bereits gutes Sommerreisegeschäft. Auch im Juli und August lagen die Passagierzahlen der Veranstalter teils deutlich über Vorjahr, weil viele Schweizer ganz kurzfristig dem Dauerregen entfliehen wollten. Buchungszuwächse um bis zu 20 % je nach Destination waren die Folge. Nicht ganz mithalten konnten die Erträge, da viele der gebuchten Reisen sogenannte Last-Minute-Angebote mit entsprechenden Rabatten waren. Bei Kuoni etwa betrafen ab Mitte Juli satte 70 % der eingehenden Online-Buchungen Reisen mit Abflügen innerhalb von zwei Wochen.

Auch bei Hotelplan Suisse sind die Tarife gesunken, weil der Last-Minute-Anteil für Abreisen in den Sommermonaten gegenüber dem Vorjahr um Drittel zugenommen hat. Auch in die Herbstferien verreisen die Hotelplan-Kunden im Durchschnitt um 7 % günstiger als vor Jahresfrist. «Das entspricht einem Sparbetrag von 70 Franken pro Person», sagt Prisca Huguenin. Profitieren könne der Veranstalter auch von günstigeren Einkaufpreisen bei den Hoteliers, etwa in Ägypten und der Südtürkei. Diese Rabatte werden den Konsumenten weitergegeben.

Martin Wittwer von Tui Suisse ermahnt alle Schnäppchenjäger, mit der Buchung für die Herbstferien nicht zu lange zu warten. «Wir rechnen mit viel weniger Last-Minute-Plätzen als im Sommergeschäft, da sich die Herbstferienperiode in der ganzen Schweiz auf nur vier Wochen konzentriert.» Zudem sei der Oktober hierzulande aus Tradition eine Hautpreisezeit. Die Sitzreihen in den Flugzeugen schliessen sich allmählich. Bei Tui Suisse ist man zuversichtlich, dass zum Ferienstart auch sämtliche Extraflüge restlos ausgebucht sein werden.



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