Herr Cesarano, heute lernt man schon in der Primarschule Fremdsprachen. Sind Sprachreisen beim Schweizer Publikum überhaupt noch gefragt?
Claudio Cesarano:
Absolut. Der Verband der Schweizer Sprachreiseveranstalter SALTA konnte 2013 stabile Umsatzzahlen verzeichnen und erwartet für das laufende Jahr leicht steigende Buchungszahlen, wobei die Umsätze in Folge Wechselkursentwicklungen leicht zurückgehen dürften.

Sind Sie davon betroffen?
Ja, wir machen einen Grossteil des Umsatzes in Australien, den USA und Kanada. Diese Währungen sind innerhalb eines Jahres um bis zu zehn Prozent gefallen.

Was heisst das für die Kunden?
Sie profitieren davon, denn Sprachreisen nach Nordamerika und Australien werden günstiger. Für die Anbieter bedeutet das allerdings, dass die Umsätze mit mehr Marktanteilen beziehungsweise neuen Produkten gesteigert werden müssen. Wir sind zuversichtlich, dass dies gelingen wird. Generell verzeichnen wir in wirtschaftlich schlechten Zeiten mehr Buchungen, da die Leute in die Ausbildung investieren, um an bessere Positionen zu kommen. Ist die Wirtschaft im Aufschwung, setzen Kunden eher auf ‚nice to have‘-Programme, die kürzer und weniger intensiv gestaltet sind.

Gibt es Segmente, die besser laufen, als andere?
Auffallend ist, dass Sprachreisen bei einzelnen Altersklassen einen Boom erfahren. So verzeichnen wir einerseits eine markante Zunahme bei den über 50-jährigen Kunden, von denen die Mehrheit übrigens Frauen sind. Sie bevorzugen kürzere Aufenthalte an Destinationen in Europa in Kombination mit Aktivitäten.

Zum Beispiel?
So etwas mit einem Tanz- oder Kochkurs. Andererseits nehmen die Buchungen in der Altersklasse der 12- bis 18-Jährigen zu. Immer mehr Familien schicken ihre Kinder in den Sommerferien für zwei bis drei Wochen an begleitete und betreute Kurse. Gerade, weil an vielen Schulen ab der zweiten Primarklasse Frühenglisch unterrichtet wird.

Welche Ziele sind 2014 am beliebtesten?
Traditionelle Englisch-Destinationen wie London, Bournemouth oder Brighton liegen seit Jahren an der Spitze. Sie bekommen nun aber Konkurrenz von Städten wie Liverpool und Leeds sowie von trendigen Langstreckenzielen wie der australischen Sunshine Coast oder den US-Destinationen Honolulu und Miami.

Und im französischen Sprachraum?
Hier werden neben Klassikern wie Paris, Cannes und Nizza immer öfter kleinere Städte wie Rouen oder Tours gebucht. Ausserdem gibt es einen Nachfrageschub für exotische Ziele wie La Réunion, Tahiti oder Martinique.

Dann wollen Schweizer vor allem ihr Englisch und Französisch verbessern?
Englisch bleibt mit einem Anteil von 71 Prozent an der Spitze. Interessant ist aber, dass neu Spanisch mit 11 Prozent vor Französisch mit 8 Prozent liegt. Die steigende Nachfrage nach Destinationen, die auch als Ferienziele attraktiv sind, trägt zu dieser Entwicklung bei. Besonders oft gebucht werden Ziele in Lateinamerika wie Kolumbien, Argentinien oder Chile. Seit aber neue Sprachschulen in der französischsprachigen Karibik, Neukaledonien und auf La Réunion eröffnet wurden, ist Französisch wieder am Aufholen.

Ferien werden immer kurzfristiger gebucht. Gilt das auch für Sprachreisen?
Ja, vor allem vor den Sommer- und Semesterferien gehen viele kurzfristige Buchungen bei den Sprachreiseveranstalter ein. Zudem gibt es einen Trend zu mehreren, dafür kürzeren Sprachaufenthalten. Studierende und Berufstätige, die während ihrer Ferien reisen, legen Wert auf zielgerichtete, individuell gestaltete Programme.

Wie beeinflusst diese Entwicklung die einzelnen Kurse?
Die klassische Sprachreise wird kaum noch nachgefragt. Junge Erwachsene ziehen Angebote vor, bei denen das Lernen mit praktischen Erfahrungen kombiniert wird. Ein Beispiel ist ‚Farmstay‘, bei dem man erst für einige Wochen eine Sprachschule besucht und anschliessend auf einer landestypischen Farm mit anpackt. Auch Sozialeinsätze und Freiwilligenarbeit in Afrika und Lateinamerika werden immer beliebter.

Und wie sieht es bei älteren Sprachreisenden aus?
Hier liegen Kurzaufenthalte im Trend, die wie eine Themenreise aufgebaut sind. Beispielsweise ‚50+ auf den Spuren von Agatha Christie‘ oder ‚50+ Englisch lernen wie in Downton Abbey‘.

Lässt sich daraus ein allgemeiner Trend ableiten?
Da die Aufenthalte tendenziell kürzer werden, frischen immer mehr Kunden ihre Sprachkenntnisse an einer Schule in der Schweiz auf, bevor sie sie mit einem Auslandprogramm vertiefen.

Zeichnen sich diesbezüglich neue Angebotsformen ab?
Das Programm ‚Im Hause des Lehrers‘ ist dieses Jahr so beliebt wie noch nie. Bei diesem Angebot übernachten Sprachstudenten nicht nur beim Lehrer zuhause, auch der Unterricht findet dort statt. Dadurch kann der intensive Einzelunterricht ganz auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt werden. Das ist ideal für Mediziner, Anwälte, Architekten und alle, die ein fachspezifisches Vokabular erlernen oder auf einen bestimmten Bereich fokussieren möchten.