Von Mathias Haehl

Wer wandelte nicht schon alles durch die beinahe heiligen Hallen dieses Hauses: Präsidenten, Wirtschaftsmagnaten, Stars ohne Ende. Von den Schönen und Reichen ganz zu schweigen. Der Walliser Hotelier César Ritz empfing sie alle im eleganten Haus an der Place Vendôme ab 1898. Acht Jahre nach diesem Prachtbau eröffnete er in London ein weiteres Ritz – eine Erfolgsgeschichte.

Mit Leidenschaft setzte er sich für Hygiene und Eleganz ein, was man damals in der Hotellerie noch nicht kannte. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte Aufbruch: «Schaffen wir uns eine Welt des Friedens und des Wohlstandes!», lautete die RitzLosung.

Wie kam es dazu? Auf die Frage, woran man ein gutes Hotel erkenne, antwortete César Ritz kurz vor seinem Tod am 25. Oktober 1918: «Vor dem Krieg hätte ich gesagt, an der Qualität der Betten. Heute würde ich sagen, an der angenehmen Raumtemperatur.»

Im Ersten Weltkrieg wurden der 1910 erbaute Flügel an der Rue Cambon und die erste Etage des Flügels Vendôme zu einem Spital umgebaut. Viele Franzosen hungerten und froren. Anders die reichen Pariser – sie schlossen ihre Häuser in Auteuil und Neuilly und zogen ins Ritz. 1929 ging der Song «Puttin’ on the Ritz» von Irving Berlin um die Welt: Der Slogan stand für die Attitüde, sich besonders elegant zu kleiden.

Besonders elegant präsentiert sich das 5-Sterne-Haus Ritz in Paris seit Anfang Juni nach einer fast vierjährigen detailtreuen Restauration. 71 Suiten und 71 Zimmer wurden unter umsichtiger Aufsicht des Innenarchitekten Thierry W. Despont renoviert. Der von New York aus wirkende Franzose liess andere ehrwürdige Hotels wie das Carlyle in New York oder das Claridge’s und das Dorchester in London in altem Glanz auferstehen. «Wir setzen die Standards von Luxus und Savoir-vivre im Goldenen Dreieck zwischen Louvre, Eiffelturm und Opéra Garnier neu», freut sich General Manager Christian Boyens.

Im neuen Ritz Paris laden drei Restaurants, drei Bars inklusive der berühmten Hemingway-Bar sowie herrliche Gärten und Terrassen mit einfahrbaren Dächern und Bodenheizung ganzjährig zum Verweilen ein. Die Talente der hoteleigenen Kochschule École Ritz Escoffier inspirieren Gäste und Hobbyköche in einer dritten Demonstrationsküche, während im historischen «Salon Proust» der Afternoon Tea am Kamin zelebriert wird.

Der hoteleigene Spa verfügt über einen Innenpool und ein modernes Fitnesscenter mit privaten Trainingsräumen sowie über einen diskreten Tunnel, der den Gästen einen privaten Zugang ermöglicht. «Das entspricht der Tradition des Ritz, um einer berühmten Gästeschar Anonymität und Diskretion zu garantieren», sagt Boyens.

Ernest Hemingway als Befreier
Trotz der modernen Annehmlichkeiten lebt das Hotel in der Stadt der Liebe nach wie vor von seinen Legenden. Etwa vom grossen US-Literaten Ernest Hemingway: Nach den Erfolgen von «In einem anderen Land» und «Fiesta» wurde er Ende der Zwanzigerjahre Stammgast in der Bar und wohnte mehrere Jahre ununterbrochen im Zimmer 31. Der damalige Kriegsberichterstatter stürmte am 25. Juli 1944 mit einer Maschinenpistole unter dem Arm in die Bar des Hotels, das sie nach deutschen Besatzern durchsucht hatten. Dort fiel Macho-Literat Hemingway dem damaligen Chef-Barmann Georges Scheuer um den Hals – und feierte sich dann unbescheiden als Befreier des Ritz.

Den weltweit einzigartigen Ruf des Hotels Ritz umranken auch Geschichten wie jene der 1873 geborenen Modezarin Coco Chanel: Die Meisterin des ästhetischen Minimalismus empfing in ihrer Suite den französischen Schriftsteller Jean Cocteau, den russisch-französischen Komponisten Igor Strawinsky, den russischen Grossfürsten Dimitri Pawlowitsch oder Arthur Grosvenor, den Herzog von Westminster.

Coco Chanel wohnte mehr als drei Jahrzehnte im Ritz, wo sie am 10. Januar 1971 starb. «Heute ist Chanels Suite im Grossen und Ganzen so belassen wie einst, ein Hotspot für amerikanische Gäste», erklärt Hotelchef Christian Boyens.

Nur das Beste ist gut genug
1979 kaufte der Ägypter Mohamed Al Fayed – Besitzer des Kaufhauses Harrods in London – das Hotel, das er aus seinen Kindertagen kannte. Der reiche Ägypter machte das Ritz rasch zu einem profitablen Haus. Rund 250 Millionen Dollar investierte er damals in seinen Kindertraum: Achtmal so viel, wie er für den Kauf bezahlt hat. Dadurch, dass er dem Haus sein nostalgisch-historisches Ambiente beliess, konnten die Gäste die doch recht vergebliche und ziemlich kostspielige «Suche nach der verlorenen Zeit» (Romantitel von Marcel Proust) weiter fortsetzen.

Nur das Beste ist hier in Paris gut genug. Es wurde kein Aufwand gescheut, um die herausragende Position des Ritz Paris erneut zu behaupten. Unlängst eröffneten mehrere Häuser der obersten Preisklasse, darunter die asiatischen Top-Hotels Royal Monceau, Shangri-La, Mandarin Oriental und Peninsula. Denn die Klientel, die mehrere tausend Euro pro Hotelnacht ausgeben kann und will, wird immer grösser. Zu Amerikanern, Briten, Russen oder Arabern hinzu kommen Chinesen, Inder und Brasilianer.

Nach alter Tradition
Sie finden künftig im Ritz Paris modernste Technik vor, wobei der historische Charakter des Hauses bewahrt wird, dank sanfter Renovierung durch den Bouygues-Konzern. Die Pastellfarben Gelb, Himmelblau, Mandelgrün und Rosa der Zimmer bleiben erhalten.

Die Erneuerer taten gut daran, die Tradition zu achten. Denn die Trümpfe des Ritz Paris sind seine Geschichte und Geschichten. Sie geben dem Hotel jenen Esprit, den viele Menschen in Paris suchen – Eleganz und Luxus, Romantik und Liebe sowie stets einen Schuss Abenteuer.

Ein Rundgang beweist: Es hat sich gelohnt. Denn auch heute will sich die internationale Gesellschaft an warmen Tagen zum Tee im Garten des Hotels treffen, einen der berühmten Cocktails der Hemingway-Bar verkosten oder den wohl elegantesten Indoor-Swimmingpool der Stadt besuchen. Ritz Paris – mon amour!

Ritz Paris, 15 Place Vendôme, 75001 Paris, Frankreich. Telefon: +33 1 43 16 30 30;
www.ritzparis.com

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