Als Schweizer eines der grössten Hotels in einer Weltstadt zu führen, ist für viele ein Traumjob. Wie haben Sie das geschafft?
Roger Huldi: Ich habe seit meiner Kindheit davon geträumt, im Ausland zu leben und Neues zu Entdecken. Meine Ausbildung als Koch hat mir die Möglichkeit gegeben, im Ausland tätig zu sein. Der erste grosse Sprung nach Ayers Rock in Australien - später Bedarra Island am Barrier Reef - hat mir die ersten internationalen Erfahrungen gegeben. Nach meiner Rückkehr in die Schweiz (Hotelfachschule Luzern und Stage auf dem dann neu eröffneten Bürgenstock-Hotel) hat es mich wieder in dir Ferne gezogen.

Wieder nach Australien?
Ja, ich zog ins tropische Port Douglas und begann mit ITT Sheraton, später Starwood Hotels, eine Reise, die nunmehr bald 25 Jahre dauert. Nach einigen Stationen von Hawaii und San Diego landete ich vor acht Jahr in San Francisco, seit vier Jahren bin ich General Manager des „Life Style Hotel W“ San Francisco. Es hat mir sicher geholfen, über die Jahre gute Verbindungen und Freundschaften zu bilden, und eine gewisse Anpassungsfähigkeit ist ein Muss. Aber ohne die riesige Unterstützung meiner Frau Jeannette, die all das mitgemacht hat und mit unseren damals zwei kleinen Kindern von Australien nach Hawaii und später ans Festland USA umzuziehen, wäre das undenkbar gewesen.

Was ist die grösste Herausforderung, in der sehr teuren Stadt San Francisco ein Hotel zu führen?
San Francisco wurde zum Zentrum der Tech- und Social-Media-Welt, das hat die Mieten und Häuserpreise verteuert und auch das Lohngefälle hat sich vergrössert. Problem Nummer eins sind die Mietpreise: Es ist schwierig, neue Talente zu finden, da die Lebenshaltungskosten sehr hoch sind. Unser Ziel ist es, die Fluktuation so klein wie möglich zu halten.

Der Konkurrenzdruck ist gross. Wie unterscheidet sich W von anderen Spitzenhotels?
Man muss relevant bleiben und sich speziell im Lifestylebereich immer neu erfinden und neue Trends setzen. Das Hotel passt sich laufend den neusten Bedürfnissen an und wagt es auch Ungewöhnliches zu kreieren. Wer hätte gedacht, dass unser erste Yappy hour (Happy Hour für San Franciscos Hunde und ihre Besitzer) so ein Erfolg wird? Oder dass unsere Gäste mit der Apple Watch direkt die Zimmertüre aufschliessen können. Schlüssel ade!

Warum setzen Sie auf Ökologie?
Ökologie lag mir persönlich schon immer am Herzen. Mehrere Umstände haben es mir ermöglicht, dies im W San Francisco positiv zu beeinflussen. Unter anderem hat San Francisco sich das Ziel gesetzt, die "grünste" Stadt Amerikas zu werden - und wir haben uns das Ziel gesetzt, für W und Starwood Hotels eine Führungsrolle zu übernehmen. Noch vor ein paar Jahren hatten wir einigen Widerstand, konnten aber zeigen, dass Nachhaltigkeit hip und cool ist und auch für ein modernes Hotel ein Erfolgsrezept sein kann. Heute wird es von unseren grösseren Kunden wie Google, Facebook und vielen anderen erwartet. Wir sind natürlich etwas stolz, als erstes Hotel in San Francisco und eines von nur elf Hotels weltweit den Platinum-LEED (Leadership in Energy and Environemental Design) Certification zu erhalten. Dass wir zehn Bienenstöcke auf dem Hoteldach unterhalten und letztes Jahr etwa 120 Kilo Honig produziert haben, ist die spassige Seite dabei.

Sie sind schon in jungen Jahren aus der Schweiz ausgewandert. Warum und könnten Sie sich eine Rückkehr in die alte Heimat vorstellen?
Ausser meiner eigenen Familie leben all unsere Verwandten und Freunde in der Schweiz, und wir haben unsere Kontakte so gut wie möglich über all die Jahre erhalten. Die Schweiz ist das Land, wo unsere Wurzeln sind, und wenn ich es auch noch nicht so klar vor mir sehe, wäre es doch vorstellbar, wieder dort zu leben. Über all die Zeit haben meine Eltern mir jedes Jahr einen schönen Schweizer Kalender geschickt, weil ich die Schweiz nicht vergessen soll. Von Hawaii bis Australien wurde ich doch so oft gefragt, nachdem jemand die schönen Landschaften studiert hatte: and tell me again why did you leave Switzerland?