Die warmen Temperaturen der letzten Wochen haben so manchen Wintertouristiker ins Schwitzen gebracht. Nun aber können sie beruhigt sein: Der Schnee ist endlich da! Gerade rechtzeitig zur Eröffnung der Skisaison. Denn schliesslich sollen in diesem Winter noch mehr – vor allem – Schweizer in den Schnee. Dazu haben einige Destinationen tief in die Kasse gegriffen. Neue Lifte, Gondel- und Sesselbahnen sowie Skipisten wurden gebaut, um die Kapazitäten zu steigern. Laut dem Verband Seilbahnen Schweiz werden jährlich 300 bis 500 Millionen Franken in neue Projekte gesteckt. Und auch in die Hotellerie wurde kräftig investiert (siehe Kasten).

Von einem Quantensprung spricht man bei den Titlis-Bergbahnen. Ihre neue 8er-Gondelbahn Engelberg–Trübsee–Stand wird künftig Wintersportler in nur gerade 15 Minuten auf den Gipfel bringen und dabei 4680 Meter zurücklegen. Ganz so schnell werden die neuen Gondeln in den Skigebieten Lenzerheide-Arosa und Flims-Laax-Falera vielleicht nicht unterwegs sein, dafür aber optisch für Aufsehen sorgen. Von der neuen Talstation in Churwalden führt die erste Porsche-Gondelbahn der Schweiz nach Heidbüel. Und in Laax wurde die alte 3er-Sesselbahn La Siala durch eine moderne 10er-Gondelbahn ersetzt. Die Vollglasgondel wurde von Pininfarina, dem Designbüro von Ferrari, entworfen.

Einem Leuchtturm gleich kommt im Toggenburg eine neue Chäserugg-Bahn mit dem spektakulären Bergrestaurant der international renommierten Architekten Herzog & de Meuron. Dafür hat die Toggenburg Bergbahnen AG 40 Millionen Franken investiert. Hauptgeldgeber sind der gebürtige Toggenburger Privatbankier Matthias Eppenberger wie auch Skispringer Simon Ammann.

Dieses Beispiel zeigt, dass heute immer häufiger reiche Investoren den Bergbahnen unter die Arme greifen. Eppenberger ist nur einer von ihnen. In Gstaad investieren der Milliardär Ernesto Bertarelli und Roche-Erbe André Hoffmann rund 28 Millionen Franken. Im bündnerischen Brigels engagiert sich der ehemalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz.

Alle haben sie einen direkten Bezug zu den Skiregionen. «Wenn man hier eine Ferienwohnung hat, ist man motiviert, dass die Lifte hierbleiben», sagte Pierin Vincenz kürzlich gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «Eco» des Schweizer Fernsehens. Laut Philipp Lütolf, Ökonom und Bergbahnkenner an der Hochschule Luzern, begrüsst zwar solche Investitionen, weil oft die ganze Region zu einem grossen Teil am Bergbahnbetrieb hänge, wie er im Interview mit «Eco» betont. Doch wenn alle in neue Anlagen investieren, schaffe das eine gefährliche Überkapazität.

Das wird die Wintersportler im Moment weniger beschäftigen. Sie werden sich vielmehr daran freuen, dass sich die Investitionen nur marginal auf die Preise der Skipässe niedergeschlagen haben. In rund 80 Prozent der Skigebiete wurden die Preise laut einer Stichprobenuntersuchung des Verbandes nicht erhöht; manche haben sie sogar gesenkt.

Und vielleicht bekommen bei all diesen Neueröffnungen auch ein paar Wiedereinsteiger Lust aufs Skifahren. Schweiz Tourismus visiert genau diese Zielgruppe an und hat mit den Schweizer Skischulen, Intersport und Switzerland Travel Centre STC ein attraktives Angebot entwickelt. Für knapp 600 Franken bekommen zwei Erwachsene zwei Hotelübernachtungen inklusive Skipass, Materialmiete und privatem Skilehrer. Das Angebot gilt ab Januar in ausgewählten Destinationen wie etwa in Adelboden, Arosa, Disentis, Leysin, Villars oder Wildhaus (www.myswitzerland.com/ski).

Aber auch der Skinachwuchs soll mit der Schneesport-Initiative wieder vermehrt auf die Pisten gelockt werden. Wie sagte doch deren Präsidentin, die Snowboard-Olympiasiegerin Tanja Frieden, an der Lancierung so schön: «Schneesport ist Schweizer Kulturgut. Das muss gelebt und erhalten werden.»

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