Von 2005 bis 2013 ist die jährliche Anzahl Kreuzfahrtpassagiere von 14 auf 21 Millionen gestiegen. In Nordamerika legte die Branche von 10 auf 12 Millionen zu, in Europa gabs sogar eine Verdoppelung von 3 auf 6 Millionen. Die Reedereien haben den Boom mit immer grösseren Schiffen selber angeheizt, etwa mit der «Oasis of the Seas», die Platz für 5400 Passagiere bietet und 2009 auslief – ein Schiff der Royal Caribbean Cruise Line. Und die Wachstumskurve dürfte nicht abflachen. Zumindest laufen 2015 erneut fünf gigantische Schiffe aus und werden die weltweiten Kapazitäten weiter erhöhen.

«Anthem of the Seas» und «Norwegian Escape» heissen die beiden grössten der neuen Kreuzfahrtschiffe mit Platz für je 4200 Passagiere. Einen 270-Grad-Rundblick gewährt die Aussichtsplattform «Two70» der «Anthem of the Seas», 90 Meter hoch über dem Meer. Entertainment wird bei den Royal-Caribbean-Schiffen gross geschrieben. Die Ideen scheinen nicht auszugehen: Die «Anthem» wartet mit Autoscooter und Basketballfeld auf. Auch zur Rollschuh-Arena kann die Indoor-Sporthalle innert Kürze umgebaut werden. Wie auf den Schwesterschiffen kann man auf einer stehenden Welle surfen. Und an Oberdeck können sich Mutige in einem Windkanal einen Fallschirmsprung simulieren. Nächsten Sommer kreuzt die «Anthem of the Seas» übrigens durchs Mittelmeer.

Das Markenzeichen der Norwegian Cruise Lines – ebenfalls eine US-amerikanische Reederei – ist die farbige Unterwasserwelt-Bemalung des Rumpfs. Und ebenfalls ein grosser Spassfaktor: Wie die Schwesterschiffe wird auch die «Norwegian Escape» mit einem riesigen Wasserpark mit fünf Rutschen aufwarten, darunter zwei Freefall-Röhren.

Auf die wachsende Kritik, dass die gigantischen Kreuzfahrtschiffe eine immense ökologische Belastung darstellen, hat die Reederei reagiert und die Escape mit fünf modernen Abgasreinigungssystemen ausgerüstet.

P&O Cruises lässt im März in Southampton die «Britannia» vom Stapel mit Ziel Mittelmeer. Das Luxusschiff gibt sich familienfreundlich mit umfassender Kinderbetreuung für alle Altersklassen und sogar einem eigenen Pool-Deck für Teenager. Sogar Tennis und Cricket sollen auf der «Britannia» gespielt werden können – so es der Wellengang zulässt.

Auch TUI Cruises lancieren nächstes Jahr ein neues Schiff, die «Mein Schiff 4». 2506 Passagiere sollen darauf Platz finden und insbesondere mit einem noch grösseren Wellness- und Spa-Bereich als die Schwesterschiffe aufwarten. Am 23. Mai sticht das neue TUI-Schiff in Kiel in See Richtung norwegische Fjorde.

Die deutsche Reederei Aida Cruises wartet 2015 ebenfalls mit einem neuen Schiff auf. Die «Aida Prima» wird vorerst in Asien kreuzen, danach ab Frühling 2016 fix in Hamburg stationiert sein und dann ganzjährig von Norddeutschland in See stechen. Diese schwimmende Stadt bietet Platz für 3250 Passagiere und kann sich als Allwetter-Resort bezeichnen. Der immense Poolbereich kann mit einer kaum sichtbaren Folie überdacht werden. Die vorgesehenen Routenstopps erlauben Städtebesuche – von Southampton nach London, von Le Havre nach Paris und von Zeebrügge nach Amsterdam.

Ein weiterer Trend der neuen Schiffe: Das Promenadendeck erhält wie im Fall der «Norwegian Escape» wieder grössere Bedeutung. Die meisten Restaurants warten mit offenen Terrassen auf. Mit Blick aufs Meer – wenngleich man das Rauschen der Wellen wohl kaum hören kann.

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