Die grossen Reisemessen liegen vor uns. Welche Trends zeichnen sich ab?
Das lässt sich erst nach den Reisemessen beurteilen, wenn die Buchungen eingehen.

Erwarten Sie ein besseres Jahr als 2013?
Wir erwarten gegenüber dem Vorjahr eine leichte, aber kontinuierliche Steigerung wie wir sie in den vergangen Jahren verzeichnen durften.

Sind die günstigeren Konjunkturprognosen für die Schweiz bereits spürbar?
Die Zeichen stehen sicherlich gut. Aber wir wissen, dass äussere nicht beeinflussbare Faktoren in unserer Branche eine grosse Rolle spielen könnten. Deshalb sind wir vorsichtig optimistisch

Geht der Trend mehr Richtung Frühbuchrabatte, um auf der sicheren Seite zu sein, oder spielen die Kunden auf Zeit, um zu günstigen Last-Minute-Angeboten zu kommen?
Das ist mit Sicherheit Segmentabhängig. Eine Fernreise will gut vorbereitet sein, während beispielsweise bei Badeferien in Europa mehr die Kriterien Sonne, Strand und Dolcefarniente im Vordergrund stehen und deshalb die Destination auch kurzfristig gewählt wird. Wer allerdings die Auswahl haben und die eigenen Bedürfnisse abdecken will, dem empfehle ich eine frühzeitige Buchung.

Wie schätzen Sie die Online-Entwicklung ein?
Wir und nicht nur wir stellen eine Übersättigung der elektronischen Medien fest. Deshalb stagniert der Online-Markt, wenn auch auf hohem Niveau, während bei den Reisebüros der Marktanteil wieder nahezu bei 20 Prozent liegt.

Trotzdem sind die Perspektiven alles andere als gut. Die Nettorendite der Schweizerischen Reisebüros lag in den letzten Jahren zwischen bescheidenen 0,8 und 1,2 Prozent.
Es ist richtig, dass sich im Reisegeschäft nicht das grosse Geld verdienen lässt. Aber viele Angestellte und Eigentümer sind Reisefans und betreiben Ihren Beruf mit Herzblut und Leidenschaft und kompensieren das geringere Salär mit unbezahlbaren Erlebnissen und Emotionen rund um diese Welt.

Das Reisebürosterben hat sich zwar verlangsamt, doch der Strukturwandel geht weiter. Sind Sie alarmiert?
Gegen einen Strukturwandel kann man nicht ankämpfen. Deshalb erachte ich es durchaus als positiv, wenn sich die Spreu vom Weizen trennt. Letztlich ist es mir lieber, wenn es weniger Reisebüros im Markt gibt, diese aber gesund und langfristig überlebensfähig sind.

Scheuen Sie die Konkurrenz, die nicht Ihrem Verband angehört?
Wir wollen, dass sich der Kunde sicher fühlt, auch wenn ein Reisebüro in Schwierigkeiten gerät. Deshalb ist es bei uns für jedes Mitglied Pflicht die Kundengelder abzusichern. Wenn also Reisebüros, die keine Kundengeldabsicherung haben, vom Markt verschwinden, ist mir das ganz recht. Sie verschaffen sich nämlich über einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil – aber dies schlussendlich zu Lasten des Kunden.

Aber das Internet setzt doch der ganzen Branche zu.
Ja und Nein. Ja weil natürlich eine Verlagerung stattgefunden hat. Andererseits profitieren auch unsere Mitglieder von Internet-Buchungen. Gleichzeitig beobachten wir auch, dass viele Kunden wieder die Dienste von klassischen Reisebüros in Anspruch nehmen, vor allem bei komplexeren Arrangements, weil sie schlechte Erfahrungen mit Direktbuchungen bei den einzelnen Leistungsträgern gemacht haben.

Besucher von Reisebüros fühlen sich düpiert, weil sofort eine Beratungsgebühr erhoben wird.
Wir wollen ja auch keine Besucher sondern Kunden. Deshalb gehen viele Reisebüros nach einigen Minuten diesen Weg – was durchaus nachvollziehbar ist. Schliesslich bezahle ich ja beim Anwalt oder Arzt auch ein Honorar für eine Konsultation. Wir sind aber nicht die einzige Branche die mit dieser Problematik umgehen muss, dass man sich gratis beraten lässt und nachher übers Internet selber bucht. Die Gebühren die wir erheben sind im Verhältnis zum Gesamtpreis eh sehr bescheiden und eine kleine Investition die sich für den Kunden in jeder Beziehung lohnt.

Wie kann ein Reisebüro im Internetzeitalter bestehen?
Es gibt kein Patentrezept. Jedes muss in seinem Umfeld seine eigene Strategie entwickeln. Hilfreich ist aber sicher eine klare Spezialisierung auf bestimmte Regionen, Reisearten und Kundensegmente.

Die Reisebüros geraten auch immer mehr unter Druck der Fluggesellschaften, welche ihre Flüge direkt verkaufen möchten. Ihre Mitglieder zittern vor personalisierten Ticketpreisen, welche die IATA mittelfristig einführen will.
Von Zittern ist keine Rede, aber wir verfolgen die Entwicklung genau. Nach wie vor werden rund 60 Prozent der Flugtickets respektive 80 Prozent des Umsatzes über die Reisebüros verkauft. Mit Hilfe eines neuen Datenstandards, der New Distribution Capability, kurz NDC, wollen die Fluggesellschaften mit aller Macht die Kunden direkt an sich binden, um so an die personalisierten Daten zu gelangen.

Der Kunde soll in der Zukunft ohne seine Personalien gar keine Tarifabfrage mehr tätigen können?
Ja, in der Praxis kann das so aussehen, dass zwei verschieden Kunden zur gleichen Zeit eine Preisabfrage für dasselbe Produkt starten, aber unterschiedliche Preise anhand ihrer Profile erhalten. Anhand der persönlichen Datensammlung weiss die Fluggesellschaft, dass beispielsweise ein Geschäftskunde immer am Dienstag in die Zentrale nach Frankfurt fliegt und am Donnerstagabend wieder zurück. Dementsprechend wird auch das «Pricing» gestaltet und die Preise schnellen in die Höhe. Wir sind aber überzeugt, dass die EU aus Gründen des Datenschutzes dieses Geschäftsmodell nicht zulassen wird.

Wo machen Sie dieses Jahr selbst Ferien?
Ich werde im Sommer zur Fussball-Weltmeisterschaft nach Brasilien reisen.

Und wo buchen Sie Ihre Reisen?
Selbstverständlich im Reisebüro.

Haben Sie schon übers Internet gebucht?
Einzelleistungen wie Hotelübernachtungen ja. Aber eine Pauschalreise noch nie.

Welches Land möchten Sie unbedingt noch bereisen?
Puh – deren gibt es noch viele. So ganz spontan? Botswana und Tanzania in Afrika, Peru, Chile und Argentinien in Südamerika, Alaska/Kanada in Nordamerika sowie Vietnam und Kambodscha in Asien. Und dann natürlich Australien und Neuseeland – fast hätte ich in Europa noch ein Reiseziel vergessen – Zermatt in der Schweiz, da war ich noch nie.


Die Ferienmessen auf einen Blick:
Bern, 16.-19. Januar
Genf, 24.-26. Januar
Zürich, 30. Januar-2. Februar
St. Gallen, 7.-9. Februar
Basel, 14.-16. Februar