Von Brigitte Gschwend

Der Wecker schrillt im Dunkeln. Draussen auf den Strassen Bangkoks sind rund um die Uhr Tuktuks unterwegs, auch um fünf Uhr morgens. Für uns gehts zum Airport, der Flug nach Ubon Ratchathani steht auf dem Programm. Einige Stunden später stehen wir vor den Felsenzeichnungen im Nationalpark Pha Taem. 300 sollen es sein, die auf 180 Metern auszumachen sind und gegen 4000 Jahre alt sein sollen – die grösste Sammlung von Felsenzeichnungen weltweit, erklärt unser Guide.

Es geht gegen Mittag zu. Eigentlich ist es viel zu heiss, um sich draussen zu bewegen. Nach der Besichtigung der Zeichnungen gehen wir langsam durch den Dschungel und stehen plötzlich vor ihm, dem gewaltigen Mekong. Der längste Fluss Südostasiens bildet hier die Grenze zwischen Thailand und Laos. Der Chauffeur erwartet uns mit einem kalten Waschlappen – welche Erfrischung! Es folgt eine Bootsfahrt zum Mittagessen in einem schwimmenden Restaurant, das mit einem einfachen, sehr feinen Reisgericht aufwartet, zum Probieren gibt es Lotusblumen-Kerne.

Beim Besuch des lokalen Marktes tauschen wir «Farangs», die westlichen Ausländer, und die Einheimischen neugierige Blicke aus. Unglaublich die Vielzahl an Farben und Früchten. Nur die Schweineköpfe mögen mich nicht zu begeistern. Kurz darauf, beim Besuch einer Dorfschule, werden wir empfangen wie Staatsgäste. Die vielen Kinder in Schuluniform mustern uns intensiv.

Wir erfahren viel über das Leben in der Region Isan. Hier kann man den Reis wachsen hören, wird in Bangkok gespottet. Die Nordost-Provinzen sind ein touristisch kaum erschlossener Landesteil. Weite Ebenen mit Reisfeldern und Wasserbüffeln wechseln sich mit hohen Gebirgszügen und Nationalparks ab.

Einige Tage zuvor waren wir – eine Baumeler-Reisegruppe mit neun Personen – dem Schweizer Winter entflohen. Mit Guide Nat und Reiseleiterin Sofia gings erst zu den Highlights von Bangkok, etwa dem liegenden Buddha im Wat Pho, und zum Königspalast. Seine Majestät König Bhumipol, übrigens der dienstälteste aller königlichen Häupter der Welt, ist omnipräsent. Überall schmücken Porträts der königlichen Familie Bangkok.

Danach weiter im Motorboot durch die verästelten Kanäle und im Skytrain an den Glasfassaden der Bürotürme und an Shoppingtempeln vorbei: Bangkok ist imposant, in seiner wirren Ausbreitung und dem stetigen Treiben kaum zu fassen. Ebenso beeindruckt jetzt der Nordosten, wenn auch auf eine ganz andere, ruhige Weise. Wir sitzen verteilt auf zwei alten Fischerbooten mitten auf dem Mekong. Es folgt eine kleine Wanderung dem Fluss entlang, vorbei an temporären Gemüse- und Erdnussfeldern. Im Sommer in der Regenzeit kann der Wasserspiegel hier um bis zu 15 Meter höher liegen.

Es folgt ein Tag der Ruhe im River View Hotel, das direkt beim Zusammenfluss von Mun und Mekong liegt. Wie praktisch vor jedem Haus in Thailand gibt es auch hier ein Geisterhäuschen. Sie sehen aus wie Miniaturtempel und sind dem Erdgeist geweiht, der beim Bau des Hauses vertrieben wurde und mit dem man sich versöhnen möchte. Die Häuschen werden täglich geschmückt und versorgt, mit Blumen, Früchten oder mal einem Coca-Cola.

Die Weiterfahrt Richtung Surin führt zum Prasat Phanom Rung, einem der beeindruckendsten Baudenkmäler der Khmer in Thailand – nur etwa 190 Kilometer vom weltbekannten Angkor Wat in Kambodscha entfernt. Surin feiert einmal im Jahr das «Elephant Round-up». Gegen 200 Elefanten sind involviert, die verschiedensten Shows werden inszeniert – Fussballspielen, Wettrennen und historische Kriegsszenen prägen das Schauspiel.

Eine Wanderreise bedeutet auch, dass Tage ohne grosse Anstrengungen eingestreut werden und es genügend Zeit gibt, um sich zurückzuziehen. Bei den vielen einfachen Mittagessen in kleinen lokalen Restaurants kann man sich mit den anderen Reiseteilnehmern intensiv über das Erlebte und frühere Reisen unterhalten. Und es gibt viel zu lachen, bevor die Trekking-Schuhe wieder geschnürt werden.

Die Statuen der lächelnden Buddhas stehen im Dickicht. Die schweisstreibende Wanderung im Nationalpark Mukdahan führt vorbei an Felsenplatten, auf verschlungenen Wegen. Der Wat Phra That Phanom ist eine der am meisten verehrten buddhistischen Tempelanlagen im Isan. Wir wollen zum Hotel zurücklaufen. Nat und die Fahrer schütteln nur den Kopf. Für Thais ist Wandern fremd. Nat etwa trägt zum Schutz stets Armstulpen – schliesslich sind nur arme Thais wie Reisbauern sonnengebräunt.

Hupend und lachend fahren sie an uns vorbei. Für uns ist die Entdeckung der Umgebung faszinierend, im Licht der späten Nachmittagssonne gehts vorbei an Reisfeldern, Fischteichen und Gemüsefeldern. Offensichtlich hat es sich herumgesprochen, dass hier Farangs unterwegs sind. Denn ein Lokaljournalist stoppt uns und bittet um ein Gruppenfoto. Nicht umsonst heisst die Reise «Das vergessene Thailand», hier im Nordosten sind kaum je Touristen zu sehen.

Eine Herausforderung steht einige Tage später an: Über eine Holztreppe geht es hoch zum Felsenkloster Phu Tok. Der Aufstieg repräsentiert laut buddhistischer Philosophie die sieben Stufen der spirituellen Erleuchtung. Steil geht es nach oben. Bei der dritten Stufe befindet sich erstmals ein stehender Buddha und verschiedene Figuren plus ein Tresor für Spenden. Ein gutes Karma lässt sich erkaufen. Für die letzte und siebte Stufe ins Nirwana gehts an Wegweisern mit Schlangen vorbei ohne Treppen. Ab hier wird über Wurzeln geklettert. Ganz oben posiert auch Nat stolz für das Foto.

Die Reise ist intensiv und abwechslungsreich. Im Themenpark Wat Khaek stellen Skulpturen das Leben von Buddha sowie zahlreichen Figuren aus der hinduistisch-buddhistischen Götterwelt und Mythologie dar. Im Park Phu Phrabat erzählt uns der lokale Guide die Mythen zu den ungewöhnlichen Sandsteingebilden. Eine kurze Wanderung führt durch Kautschukplantagen und zu einem Wasserfall. Abends besuchen wir den Nachtmarkt von Chiang Kahn.

Anderntags bestaunen wir frühmorgens den Almosengang der Mönche. Unsere tägliche Wanderung findet heute im Nationalpark Phu Rua statt, er gilt als Schweiz von Thailand. Die Rundumsicht auf 1365 Metern ist prächtig, es ist nicht mehr ganz so warm, und die Einheimischen tragen bei knapp 20 Grad eine Mütze.

Zur letzten Wanderung gehts in den Nationalpark Khao Yai, dem ältesten, 1962 gegründeten Park. Wir bekommen zum Glück keine der in der Regenzeit verbreiteten Blutegel zu Gesicht, dafür viele Elefanten. Nat meint, das sei ein Riesenglück.

Zum Schluss lockt der Golf von Thailand. Ko Chang lädt zum Baden und Schnorcheln. Die Insel ist 30 Kilometer lang und halb so breit und ist mit viel Regenwald bedeckt. Nun herrschen wieder 32 Grad, das Wasser ist 28 Grad warm. Beim Inseltrekking ist es heiss, der Schweiss rinnt, wegen der Mücken ist ein Langarmpulli angebracht. Nach einer Stunde beginnt es heftig zu regnen. Der Regen ist wunderbar warm. Nass und verschwitzt bin ich sowieso schon, und das Mückenproblem ist weg. Mit dem Ausflugsboot gehts danach hinaus in den Meeres-Nationalpark Mu Ko Chang zum Schnorcheln.

Und die letzte Wanderung ist ein Strandspaziergang – zu einer Aloe-Vera-Thai-Massage. Der Körper und die Haut danken es nach etlichen Kilometern in den Beinen und Tagen heftiger Sonne.

Diese Reportage erfolgte mit Unterstützung von Baumeler Reisen.

Wanderreise in Nordthailand
Anreise: Mit Thai Airways nonstop von Zürich nach Bangkok. Nach der Besichtigung der thailändischen Hauptstadt und einer Übernachtung per Inlandflug in den Norden. Zurück von Trat via Bangkok nach Zürich.

Nordthailand: Das Gebiet von Isan im Nordosten ist ursprünglich und wartet mit einer jahrtausendealten Kultur auf. An zahlreichen Fundstellen können Höhlenmalereien aus der Bronzezeit besichtigt werden. Die Nationalparks sind sehr beeindruckend, ebenso die Freundlichkeit der lokalen Bevölkerung.

Wanderungen: In der tropischen Hitze dauern die Wanderungen zwischen eineinhalb und dreieinhalb Stunden. Leichte Hose, leichte Wanderschuhe, ein Regenschirm bei plötzlichem Tropengewitter, guter Sonnenschutz, eine Trinkflasche und eine Taschenlampe gehören zum Standardrepertoire.

Klima: In Thailand herrscht ein tropisches Klima mit drei verschiedenen Jahreszeiten: Sommer (März–Mai), Regenzeit mit viel Sonne (Juni–September) und die «kühle» Jahreszeit (Oktober–Februar).

Spezialist: Der Wanderreisen-Spezialist Baumeler bietet neben dem grossen Angebot in Europa vermehrt Ferndestinationen an. Neben der beschriebenen dreiwöchigen Reise «Das vergessene Thailand» (die nächste Reise findet vom 8. bis 29. November 2015 statt) sind im aktuellen Baumeler-Programm Kuba, Peru, Bali oder Sri Lanka zu finden. Neu ausgeschrieben sind Wanderreisen in die USA, nach Brasilien, Patagonien, Armenien, Japan und Kirgistan. Weitere Infos:
Tel. 041 418 65 65, www.baumeler.ch

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