Von Janine Gloor

Angestrengt denken die Schüler nach. Ob sie während ihres Aufenthalts in London schon mal etwas gegessen hätten, das ihnen nicht bekommen sei, war die Frage der Lehrerin. Eine Französin meldet sich und erklärt in gut verständlichem Englisch, dass ihr das noch nie passiert sei, da sie ihr Essen selber koche. Diese Antwort ist für einen Schweizer Mitschüler unverständlich, er geniesst das kulinarische Angebot der Weltstadt und isst jeden Abend auswärts.

Eine Diskussion, wie sie in jeder Sprachschule vorkommen könnte. Doch der Blick in die Runde zeigt, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Klasse handelt: Keiner der Schüler ist unter 30 Jahre alt, alle folgen aufmerksam dem Unterricht. Übermüdete Teenager, die hauptsächlich wegen der Londoner Partyszene einen Sprachaufenthalt machen, sucht man hier vergebens.

Das Gebäude der Sprachschule EC (English Learning Centres) liegt an einer ruhigen Seitengasse mitten im lebendigen Viertel Covent Garden. Ein knalliges Orange zieht sich im Gebäudeinnern durch alle Räume und macht vor den Cupcakes nicht halt. Statt auf eine Tafel schreibt die Lehrerin mit den Fingern auf ein modernes Whiteboard, Youtube-Videos und interaktive Übungen sind nur einen Klick entfernt. Das Angebot ist beliebt: «Wir müssen regelmässig 25-Jährige abweisen, bei 29-Jährigen drücken wir je nach Geburtsdatum ein Auge zu», sagt Schulleiterin Suzie Abrahamson. Der Grossteil der Schüler kommt aus Europa, auf eine Durchmischung der Nationalitäten in den Klassen wird grossen Wert gelegt. Auch über 45-Jährige machen einen beträchtlichen Teil der Schülerschaft aus, Tendenz steigend.

Durchschnittlich bleiben die etwas älteren Sprachschüler vier Wochen in London. Das Programm kann individuell zusammengestellt werden. Anfänger bis Fortgeschrittene können im «General English»-Kurs während 20 Stunden in der Woche an ihren Sprech- und Schreibkompetenzen feilen. Ziel ist, dass sich die Schüler nach dem Kurs frei und ohne Hemmungen auf Englisch unterhalten können. Wer seinen Aufenthalt noch intensivieren will, kann zehn weitere Stunden mit Wahlkursen belegen. Damit es beispielsweise beim Kinobesuch mit englischen Freunden nicht zu Peinlichkeiten kommt, kann im entsprechenden Kurs das Vokabular zum Beurteilen von Filmen gelernt werden. Im Kurs «A World of Words» werden aktuelle Ereignisse diskutiert. Schreibwillige kommen in verschiedenen Writing-Kursen auf ihre Kosten.

Die befragten Schüler fühlen sich wohl in den 30+-Kursen. Sie schätzen die entspannte Atmosphäre in den Klassenzimmern und den Kontakt zu den Mitschülern. Das Hauptargument für die Schule, die aus der Schweiz über Boalingua gebucht werden kann, ist ihr Standort in London. Für die über 30-Jährigen ist der Sprachaufenthalt kein notwendiges Übel, sie verbinden den Unterricht mit einem ferienähnlichen Aufenthalt in der pulsierenden Stadt. Bei der Unterkunft kann zwischen einer Unterbringung bei einer Gastfamilie oder einem Studentenwohnheim gewählt werden. Im Wohnheim können Zimmer oder Studios gemietet werden, wo auch die Partner der Sprachschüler unterkommen können.

für die Lehrer ist das Unterrichten von über 30-Jährigen eine andere Erfahrung, als wenn sie eine Gruppe Halbwüchsiger vor sich hätten. «Ältere Schüler sind sich nicht mehr an Unterricht gewöhnt», sagt Lehrerin Kristy Watts. Sie brauchten jeweils eine Woche, bis sie sich im Schulalltag zurechtfinden würden. Dafür sei die Lernatmosphäre in diesen Klassen besser. «Die Schüler bringen mehr Lebenserfahrung mit, dadurch können komplexere Diskussionen geführt werden. Teenager muss man ständig unterhalten, Erwachsene können sich länger konzentrieren.»

Neben der EC-Schule hat Boalingua für London auch die Stafford House School of English im Programm. Die Schule, in deren nahen Umgebung sich viele Verpflegungsmöglichkeiten und ein Park befinden, bietet Kurse für alle Leistungsniveaus an.

Doch stimmt es, dass man nur abends im Pub richtig Englisch lernt? Schulleiter Carl Roberton lacht. «Das hat schon etwas. Deshalb ist das Social Programm ein wichtiger Bestandteil der Schule.» Bei der Stafford House School wie auch der EC-Schule können die Schüler aus einem breiten Angebot von Freizeitaktivitäten auswählen. Die Aktivitäten sind freiwillig, viele sind kostenlos. «Sie sind ein guter Weg, um mehr über die englische Kultur zu erfahren, aber auch, um neue Freundschaften zu schliessen», sagt Roberton. Wie wäre es mit einem Ausflug in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett oder einer Schifffahrt auf der Themse? Oder doch auf ein kühles Pint im Pub?

Boa Lingua
http://www.boalingua.ch/

EC 30+
http://www.boalingua.ch/sprachaufenthalt-in-england-grossbritannien/sprachschulen-in-london-england-grossbritannien/ec-london-30+/sprachschule-in-london.htm

Stafford
http://www.boalingua.ch/sprachaufenthalt-in-england-grossbritannien/sprachschulen-in-london-england-grossbritannien/stafford-house-school-of-english/sprachschule-in-london.htm