Eine Million Besucher werden entlang der Copacabana erwartet. Der Karneval in Rio de Janeiro geht am nächsten Samstag los. Sambatänze, ausgefallene Choreografien und knappe Bekleidung prägen das einwöchige Spektakel. Dazu herrschen tropische Temperaturen, Tag und Nacht.

Da fühlen sich die aktuellen Minustemperaturen bei uns anders an. Nächste Woche gehts mit dem schmutzigen Donnerstag vielerorts auch hier los, etwa in Luzern, Baden, Schwyz, Solothurn oder Zug. Pappnasen, die auch nachts oder frühmorgens unterwegs sind, tun gut daran, unter dem Kostüm Thermounterwäsche zu montieren. Wem es bei uns zu kalt ist und Rio zu weit entfernt liegt, findet aber auch in Südeuropa in den kommenden Wochen zahlreiche Karnevalshochburgen, die einen Besuch wert sind – in luftiger Bekleidung.

> Nizza: An der Promenade des Anglais fliegen die Mimosen, Gerberas und Lilien von den 18 Wagen des Korsos. Am 13. Februar geht der Karneval von Nizza los und dauert bis zum 1. März. Farbenprächtige Paraden ziehen am Tag und in der Nacht durch die Stadt. Das diesjährige Motto lautet «König der Musik», Musikgruppen aus der ganzen Welt sind dabei. Neben Rhythmen prägen Animationen und Strassentheater das märchenhafte Fest.

> Putignano: Apulien gilt neben Venedig als Karnevalshochburg Italiens. Ob in Massafra, Gallipoli, Dauno oder in einem Dorf nähe Bari: in Putignano. Hier zwischen Trulli und Karsthöhlen wird die Karnevalstradition hochgehalten. Der lokale Brauch ist geprägt von Versen und satirischen Zeilen, die im Dialekt aufgesagt werden. Stundenlang wechseln sich Dialekt-Dichter auf der Bühne ab und geben ihre Reime zum Besten.

Weiter nördlich, in der Nähe von Turin, hat sich in Ivrea eine Orangenschlacht als Karnevalstradition etabliert. Der Brauch gehe auf das frühe 19. Jahrhundert zurück und erinnere an den Aufstand des Volkes gegen die Tyrannei der Herrscher. Andere Quellen besagen: Junge Mädchen hätten in den 1930er-Jahren begonnen, die Aufmerksamkeit der jungen Männer auf den Wagen auf sich zu lenken, indem sie sie mit Orangen bewarfen.

> Rijeka: Die Hauptstadt des närrischen Treibens in Kroatien liegt in der Kvarner Bucht. In Rijeka haben sich heidnische Wurzeln und katholische Frömmigkeit gemischt. Ende Februar und Anfang März erreicht die Feierstimmung jeweils ihren Höhepunkt. Zehn Tage lang wird ganz Rijeka zur Partymeile. Zahlreiche internationale Karnevalsgruppen nehmen am Umzug teil. Die maskierte Autorallye «Pariz-Bakar» und der Kinderumzug gehören zu den Höhepunkten.

> Patras: Eine endlose Parade erwartet Patras am 22. Februar. 10 000 Karnevalisten sind in Vereinen organisiert, Hunderttausende bevölkern die Strassen. Seinen Ursprung hat der grösste Karneval Griechenlands in der Sage von Dionysos, der Trinkgelage feierte und Lastern frönte. Daran hat sich auch heute nichts geändert. Laute Musik bis in die Morgenstunden ist hinzugekommen. Auch für unzählige Stände mit Süssigkeiten ist dieser Karneval bekannt. Hier ist jedenfalls der Teufel los. Nicht von ungefähr wird in der Karnevalszeit die griechische Hafenstadt als ein europäisches Rio de Janeiro bezeichnet.

> Malta: Ins Schwitzen kommen Besucher und Teilnehmer des Karnevals von Malta. Zumindest sind für den nächsten Donnerstag schon einmal 18 Grad angesagt. Der Höhepunkt erfolgt am 21. Februar, wenn die Nacht zum Tag gemacht wird und bis in die Morgenstunden durchgetanzt wird. Die grossen Karnevalswagen sind bunt und originell dekoriert, Tanzgruppen erobern die Strassen Vallettas, und der Schwerttanz, der die Schlacht der Malteser gegen die Türken zum Thema macht, ist ein fester Bestandteil.

> Cádiz: Elf Tage lang, vom 12. bis 22. Februar, dauert der Karneval im andalusischen Cádiz. Das verkleidete Publikum ist bei der aktiven Teilnahme am grossen Karnevalszug am ersten Sonntag an der Parade willkommen. Der zweite Umzug ist eine Humorparade mitten in der Altstadt. Freundesgruppen und Arbeitskollegen warten mit Witz und Liederrepertoire auf. Auch Flamencotänzer, Sambagirls und afrikanische Rhythmen prägen den Umzug.

> Madeira: Ausgelassen wird auf Madeira der Karneval gefeiert – am 14. Februar erfolgt die Hauptparade, am 17. Februar die Spassparade. Ein fantastischer Umzug mit über 1500 Teilnehmern zieht durch Funchal, bei dem die besten Samba- und Tanz-Gruppen mit ausgefallenen Kostümen aufwarten. Der Höhepunkt erfolgt beim Trapalhão-Umzug am Karnevalsdienstag. Das milde Klima, viel Sonne und heisse Rhythmen bilden den Rahmen.

> Teneriffa: Wenn der «Carnaval» ausgerufen wird, in diesem Jahr am 11. Februar, herrscht auf der kanarischen Insel Teneriffa absoluter Ausnahmezustand. Die Plaza de España in Santa Cruz wird umfangreich geschmückt und mit Dutzenden Ständen und Buden für die mehrtägigen Feierlichkeiten hergerichtet. Die Wahl der Festkönigin steht im Zentrum der Festwoche. Durch die ganze Stadt ziehen Dutzende von Samba- und Maskengruppen, die Parallelen zum Karneval von Rio sind mehr als angebracht. Dazu werden historische Wagen in die Umzüge integriert – bei Temperaturen um 22 Grad.

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