Von Alexandra Fitz

Das Gewitter wütet direkt über uns. Gedonner am Himmel. Blitze erleuchten das Zelt. Der Regen prasselt auf die Plane. Eigentlich kann es nicht mehr lange dauern, bis wir pitschnass im feuchten Zelt liegen und den Camping-Trip verwünschen. Eigentlich.

Stattdessen ziehen wir die Daunendecke bis zum Kinn, drehen uns auf der grossen Matratze im alten Holzbett, streifen mit einem genüsslichen Blick den Holzboden, der unsere Sachen garantiert trocken hält, und schauen durch den offenen Zelteingang auf den See und die bunten Lichter der Küste vis-à-vis. Es ist Zelten, aber warm und unfassbar bequem.

Das Safari-Zelt auf dem Campingplatz Fischers Fritz am linken Ufer des Zürichsees mit den bunten Teppichen, den Holzmöbeln und dem feudalen Sessel erinnert an eine Luxus-Lodge in einem afrikanischen Nationalpark. Mit hartem Boden, muffigen Schlafsäcken und feuchten Klamotten, mit 08/15-Camping, hat das nichts zu tun.

Diese Art zu zelten nennt sich «Glamping» und wird immer beliebter. Es ist ein Kunstwort aus dem Englischen und setzt sich aus den Begriffen «GLAMourous» und «CamPING» zusammen. Glamping vereint Glamour und Zeltplane, das Naturerlebnis und eben das, was beim normalen Zelten fehlt: Luxus.

Zu «glampen» begann man erst in Afrika und Thailand. Doch auch in Europa gibt es eine immer grössere Auswahl edler Camping-Unterkünfte. Das Suchportal «Glamping.info» etwa bietet in der Schweiz bereits 33 Unterkünfte an. Bei der Art der Unterkunft gibt es kaum Grenzen: Man kann in einem luxuriösen Safari-Zelt im Kolonialstil übernachten, in einem schicken Baumhaus oder im verchromten Camping-Van der Marke Airstream (eine solche Design-Ikone steht auch auf dem Campingplatz Fischers Fritz). Die Unterkünfte machen es dem Camper einfach: Während er zum normalen Zeltausflug alles mitschleppt, stehen für den Glamper Unterkunft, Ausstattung und Service vor Ort bereit.

Auch am Zürichsee. Bevor man sich in eines der zehn Wohlfühl-Wigwams am Wasser (Zelt Nr. 2 ist am dichtesten am See!) kuschelt, kann man sich auf die Terrasse des Restaurants setzen und leckere Fisch-Knusperli (Egli, Felchen oder was der Hausfischer Adrian Gerny gerade aus dem See gezogen hat) und Trüffel-Pommes-frites schlemmen. Mit einem Riesling Sylvaner vom Turmgut in Erlenbach lässt sich ein Abend am Zürisee eben schon ganz gut verbringen.

Kein Wunder, dass Glamping jetzt populär wird – denn Menschen wollen wieder Zeit in der Natur verbringen. Es ist eine Gesellschaft der Auszeiten von der Stadt und der Abenteuer-Ferien, aber auch des Komforts, auf den man ungern verzichten will. Immer mehr Leute suchen daher statt eines Fünf-Sterne-Hotels eine abenteuerliche Unterkunft mit dem besonderen Etwas.

Ganz besonders und etwas futuristisch glampt man im Wallis. «Whitepod» nennt sich das pionierhafte Konzept. Oberhalb des Walliser Weilers les Giettes (bei Monthey) liegen eingebettet in die alpine Landschaft 15 Hightech-Zelte in Form von Halbkugeln auf hölzernen Plattformen. Grosses Sichtfenster inklusive. Die dreifache Zeltplane wurde von der NASA für die Raumfahrt entwickelt und wird hier im Sommer von Tarnnetzen bedeckt. So fügen sich die Zeltkugeln bestens in die Bergwelt am Fusse der Dents-de-Midi ein.

Um zu den Pods zu gelangen, fährt man zuerst eine kurvige Strasse hoch – am besten mit dem Auto, der Bus fährt selten. Beim Chalet «Les Cerniers» (Rezeption und Restaurant) gibt es für einmal keinen Schlüssel, es ist ja immer noch ein Zelt, dafür aber einen Rucksack mit Stirnlampen, Karte und Fernglas.

Weiter geht es zu Fuss (15 Minuten für den Aufstieg). Wenn man mit Gepäck auf dem Buckel quer über die Wiese stapft und unter Kuhzäunen hindurchschlüpft, wird einem spätestens bewusst, dass man beim Campen ist. Für den stolzen Preis gibt es weder Kofferträger noch einen Lift, man zahlt für Exklusivität.

Wir stehen auf der Terrasse, blicken in die Ferne. Unten das Rhonetal, auf der gegenüberliegenden Talseite ragen die Spitzen des Diablerets-Massivs in den Himmel. «Nr. 10 ist am besten, nur dort sieht man direkt auf den Lac Léman», meinte der Herr beim Einchecken. Nicht zu viel versprochen: abends ist das funkelnde Montreux an der Küste zu sehen.

Innen sind die Pods liebevoll mit schönen Details gestaltet. Holz und Felle schaffen Gemütlichkeit. Und obwohl wir ihn diese Nacht nicht brauchen, verleiht der Schwedenofen dem Raum im Sommer einen zauberhaften Charme. Auch die Öllampen sorgen dafür, dass wir uns wie im Wunderland fühlen. Im Restaurant «Les Cerniers» (ja, man geht den Weg wieder runter und mit vollem Bauch wieder hoch – dafür die Stirnlampen) wird vom Forellen-Sashimi über Rösti bis zum vegetarischen Wok eine köstliche Vielfalt aufgetischt. Die Weine stammen allesamt aus der Region.

Am Morgen werden wir vom Kuhglockengebimmel geweckt. Die Sonne scheint in unser Zelt, vom Bett aus geniessen wir wieder das atemberaubende Panorama. Luxus mitten in der Natur.

www.fischers-fritz.ch: Safari-Zelt, 150 Franken für zwei Personen pro Nacht, eine Flasche Champagner inklusive.
www.whitepod.com: Drei Kategorien (Cosy, Family für 4 Personen und Deluxe), 275 bis 355 Franken.

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