T anzen ist wie gehen, hatte uns Tanzlehrer Rudolf Peschke noch am Vortag versichert. Doch als wir in der festlichen Hofreitschule in Wien auf dem rot-weiss-roten Parkett im Walzertakt Pirouetten drehen, haben wir schon bald das Gefühl, nicht mehr ganz Herr über unseren Körper zu sein.

Walzerseligkeit haben wir uns anders vorgestellt. Dabei zeigten Mitzi und Resi noch vor ein paar Minuten, dass das alles gar kein Problem wäre. Aber das Walzertanzen müssen selbst die beiden Schweinchendamen im Blut haben. Jedenfalls machten sie zur Eröffnung der Fête Impériale, des sommerlichen Pendants zum Opernball, eine überaus gute Figur.

Ganz im Gegensatz zu uns. Aber schliesslich sind wir auch keine Habitués in Sachen Ballkultur, sondern erleben dieses Spektakel zum ersten Mal. Einmal im Leben Prinzessin sein, wer wünscht sich das nicht? Mit etwas Vorbereitung kann man dies während einer Wienreise an einem Ballabend geniessen. Voraussetzung dazu ist natürlich, dass man sich eine der begehrten Ballkarten ergattert. Für die meisten der 450 jährlich stattfindenden Bälle in Wien kann man im Voraus Tickets online kaufen. Selbst für den Opernball, allerdings muss man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen und mindestens 250 Euro pro Person hinblättern.

Wir fühlen uns schon ziemlich erschöpft, lange bevor es heisst: Der Ball ist eröffnet! Schon am Vortag unterziehen wir uns nämlich einem harten Training in der Tanzschule Elmayer. Zwar hatten wir vor Jahren schon mal den Walzerschritt einstudiert, aber etwas Auffrischung kann nicht schaden. Und am Arm von Tanzlehrer Rudolf Peschke klappt das ganz wunderbar. «Ist doch einfach», meint der Wiener mit über 40 Jahren täglichen Tanzens in den Beinen. Nur die Schritte zur Mitternachtsquadrille, dem Höhepunkt eines jeden Balls, wollen einfach nicht hinhauen. «Ach, ihr werdet des schon schaffen», winkt Peschke ab, als wir nach dem x-ten Mal die Schritte immer noch nicht zusammenbringen.

Anschliessend geht es gleich weiter zum Fest- und Brautmodesalon Flossmann für die Auswahl der Abendgarderobe. Meterweise hängen dort Träume in Weiss, Crème, Lachs, Türkis, Rot oder Schwarz an den Stangen. Einige davon kann man sich ausleihen. Allein das Rascheln der Stoffe verführt dazu, mehr als nur eines anzuprobieren.

Obwohl die Wahl auf den ersten Blick klar ist: Der lachsfarbene Traum mit Neckholder soll es sein. Nur ist das Kleid aber viel zu lang. «Kein Problem, das kriegen wir bis morgen hin», verspricht die Dame, klemmt ein paar Stechnadeln zwischen die Lippen und beginnt mit Abstecken.

Der Marathon geht am nächsten Tag weiter. Wird das Kleid rechtzeitig im Hotel abgeliefert? Passen die Highheels zum Kleid? Und was, wenn schon nach dem ersten Tanz die Füsse schmerzen? Oder noch schlimmer, wenn das Kleid nicht hält? Jede Eventualität muss ins Auge gefasst werden. Also wird das Handtäschchen vorsorglich mit Pflaster, Sicherheitsnadeln und Kopfwehtabletten gefüllt.

Zur Sicherheit werden ein Paar Ersatzschuhe in eine Tüte gepackt. Endlich sitzen wir frisch frisiert und herausgeputzt in der Pferdekutsche, die uns standesgemäss in der Hofburg vorfährt. Das Schreiten über den roten Teppich im Kamerablitzlicht schaffen wir ziemlich würdevoll, müssen allerdings etwas indigniert feststellen, dass die Objektive ganz auf Schauspielerin Sunnyi Melles und die Adabeis der Wiener Society gerichtet sind.

Mit Reitstiefeln und braunem Frack schreiten rund zwanzig Bereiter der Wiener Hofreitschule zu Fanfarenklängen in den Saal, dort, wo ansonsten edle Lipizzaner-Pferde voltigieren. Am Arm der Herren laufen Ehrendamen auf. Ein wunderbares Bild, das sich uns von der Balustrade aus bietet. Fast schwebend tanzt anschliessend das Europaballett St. Pölten zur Ouvertüre von Gioacchino Rossini übers Parkett.

Und dann folgt der Auftritt der 80 Debütanten-Paare, die Damen in Weiss, die Herren im schwarzen Frack. Ihnen dürfte es wohl ähnlich gehen wie uns ein paar Minuten später, als endlich das Parkett für alle offen steht.

Wie war das schon wieder mit dem Dreivierteltakt? Zum Überlegen bleibt keine Zeit. Schon drehen wir uns rasant im Kreis, schweben alsbald walzerselig. Wunderbar fühlt sich das an – bis der Tanz zu Ende ist und sich im Kopf alles weiterdreht.

Doch zur Pause locken die Standln und Salettln (kleine Pavillons), wo man sich für die nächste Runde stärken kann. Mindestens bis Mitternacht gilt es noch durchzuhalten. Dann, wenn die Quadrille ruft. Wenigstens kann man da den Dreivierteltakt getrost vergessen, es endet sowieso immer im fröhlichen Chaos.

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