Wandern hat sich zur beliebtesten Freizeitaktivität gemausert. 2,7 Millionen Menschen schnüren hierzulande regelmässig ihre Wander- oder Trekkingschuhe, das sind 44 Prozent der Bevölkerung. Noch im Jahr 2000 waren es erst 25 Prozent. Das zeigen Untersuchungen des Bundesamts für Strassen und des Dachverbands «Schweizer Wanderwege».

«Wandern boomt», sagt Sportsoziologe Markus Lamprecht, der an der Studie mitgearbeitet hat. «Es ist kein kurzfristiger Hype, sondern ein Mega-Trend.» Vor allem weil das Wandern sein altbackenes Image ablegen konnte.

Ältere Herren, die mit übersteigertem Ehrgeiz in roten Socken und Knickerbockern Gipfel erklimmen – das war einmal. Heute zieht es auch junge Städter hinaus in Wald und Wiesen. Insbesondere Familien und Paare zwischen 30 und 45 Jahren haben das Wandern für sich entdeckt. Sie tragen denn auch zum veränderten Erscheinungsbild bei: Ohne modische, funktionale Daunenjacken, Trekkingschuhe mit Gel-Dämpfung oder Teleskopstöcke ist heute kaum jemand mehr in den Bergen unterwegs.

Der Hauptgrund, warum Schweizer wandern, ist die Freude und Sehnsucht nach der Natur. «Sie wollen ihrer Gesundheit etwas Gutes tun und draussen an der frischen Luft sein», sagt Lamprecht. Als Hochleistungssport betreiben es allerdings die wenigsten. Durchschnittlich drei Stunden gehen Wanderer über Stock und Stein. Und 20 kürzere oder längere Wanderungen unternehmen sie pro Jahr. «Besonders den jungen Frauen sagt es zu, dass es schweisstreibend und anstrengend sein kann und doch der Wettbewerbs-Charakter nicht im Vordergrund steht, wie in anderen Sportarten.»

Gefahren oft unterschätzt
Ob flach oder steil, exponiert oder geschützt, für jede und jeden gibt es passende Routen. Über 65000 Kilometer signalisierte Wanderwege stehen Wandervögeln hierzulande zu Verfügung. Welche Wege am stärksten begangen sind, wird nicht erhoben. Doch einer der grössten Anbieter von Wandervorschlägen, die Stiftung Schweiz-Mobil – Wanderland Schweiz, hat die beliebtesten fünf Routen anhand der Nachfrage nach Kartenmaterial auf ihrer Website für die «Schweiz am Sonntag» zusammengestellt.

Dies sind die Top Five:
1. Jura-Höhenweg (Ferntour von Zürich nach Genf)
2. Alpenpanoramaweg (vom Bodensee zum Lac Léman)
3. Aletsch-Panoramaweg
4. Via Jacobi (Teil des europäischen Jakobsweges)
5. Via Alpina (Tour über 14 der schönsten Alpenpässe)

Mehr als die Hälfte der Wanderer, die eine Tour auf einem signalisierten Weg planen, informieren sich vorgängig im Internet. Tendenz steigend. Rund 8,5 Millionen Besucher registrierte beispielsweise Schweiz-Mobil letztes Jahr. «Wir konnten seit 2008 jedes Jahr 25 Prozent mehr Besucher verzeichnen», sagt Projektleitungsmitglied Lukas Stadtherr. Und trotz des durchzogenen Wetters liegen die Zahlen auch im ersten Halbjahr 2016 über dem Vorjahr. Bisher wurden mehr als eine Million Karten ausgedruckt. Unterwegs orientieren sich die meisten jedoch über die Wegweiser. Nur jeder sechste Wanderer hat eine Karte dabei.

Das führt auch zu Problemen. Jedes Jahr verunfallen gegen 20 000 Wanderer. Das hat die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) erhoben. «Einige Wanderer sind nicht genügend vorbereitet, unterschätzen die Routen oder überschätzen sich», sagt Michael Roschi, Geschäftsführer beim Dachverband Schweizer Wanderwege.

Hinzu kommt: Einige Wanderer kennen den Unterschied zwischen einem gelb markierten Wanderweg und weiss-rot-weissen Bergwanderwegen nicht. Doch dieser Unterschied sei relevant. «Bei einem gelb markierten Wanderweg sind die Anforderungen meist weniger hoch als auf einem Bergwanderweg. Beim Bergwandern sollte man immer gute Wanderschuhe tragen, schwindelfrei und trittsicher sein.»

Genau dessen ist sich aber längst nicht jeder top ausgerüstete Wanderer bewusst. Mit der Kampagne «Bergwandern – aber sicher» wollen die BfU, die Schweizer Wanderwege und Seilbahnen Schweiz, mit Unterstützung der Versicherung Swica, deshalb auf die Gefahren aufmerksam machen und geben Tipps. «Eine Bergwanderung sollte man rechtzeitig beginnen», sagt Roschi. Am Nachmittag steige im Gebirge die Gefahr von Gewittern und Steinschlägen. Ebenfalls sei später am Tag die Sonneneinstrahlung stärker. Roschi rät deshalb, immer genügend Flüssiges und Proviant mitzunehmen. «Kräftesparend können auch Wanderstöcke sein.»

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