Herr Bürer, die globale Wirtschaft schnauft nach Krisenjahren allmählich auf. Wird 2014 ein erfolgreiches Jahr für Geschäftsreiseanbieter?
Wir stellen zurzeit eine leichte Zunahme bei den Flugreisen und Hotelbuchungen fest. Unsere Kunden reisen und logieren aber nach wie vor kostenbewusst. Falls der Trend zu mehr Reisen anhält, dürfte 2014 für uns aber in der Tat ein erfolgreiches Jahr werden.

Laut einer Studie von Airplus, einem Anbieter von Geschäftsreiselösungen, sollen 2014 die Kosten für Geschäftsreisen steigen. Ein deutliches Indiz, dass der Trend zu mehr Reisen tatsächlich anhält?
Die Airplus-Studie wurde in 24 Ländern durchgeführt, sowohl in Europa als auch in den Emerging Markets. Über 30 % der Befragten erwarten sowohl ein erhöhtes Reiseaufkommen als auch steigende Ausgaben pro Reise. In Europa dürfte vor allem das Reiseaufkommen wachsen, in den Emerging Markets beides. Ferner enthält die Studie auch Hinweise auf andere Dienstleistungen, wie die Organisation von Meetings, Kongressen oder Events. Die Nachfrage dafür dürfte wiederum in Europa stärker ausgeprägt sein als in den Emerging Markets.

Inwiefern stellen Sie Veränderungen in Bezug auf das Reiseverhalten von Unternehmen fest?
Betreffend Reiseverhalten werden in grossen Unternehmen offizielle Richtlinien erlassen. Viele kontrollieren ihre Kosten zum Beispiel, indem sie für Flugstrecken bis zu einer bestimmten Dauer grundsätzlich die Economy-Klasse vorgeben.

Wie sieht es bei den kleineren und mittleren Unternehmen aus?
In KMU werden diese Richtlinien häufig durch den Reisenden selbst geprägt. Oft wird kurzfristig auf das bestmögliche Preis-/Leistungsverhältnis im Markt reagiert. Beide Kundensegmente haben eines gemeinsam: Sie buchen immer öfter über eines unserer Onlineportale.

Erwarten Sie bezüglich der globalen Geschäftsreiseströme markante geografische Veränderungen?
Es ist eine erhöhte Reisetätigkeit in aufstrebende Märkte zu erkennen. Laut unseren internen Studien werden die Kunden 2014 vermehrt in Destinationen wie Südostasien und Westafrika reisen.

Welches sind die wichtigsten Hotspots?
Die gegenwärtigen Hotspots sind nach wie vor New York und London. Ziele wie Moskau, Bombay, Singapur, Shanghai und Hongkong sind am Aufholen. Die Reiseströme folgen den Investitionen, Dienstleistungsplätzen oder Projekten unserer Kundschaft. Während Unternehmen im Bereich Consumer Goods nun häufiger nach Russland reisen, reisen Kunden aus dem Bausektor und Engineering vermehrt in den mittleren Osten. Hier positionieren sich insbesondere Abu Dhabi, Dubai, Muscat und die Türkei.

Und wie sieht es im Finanzbereich aus?
Bei Instituten, die im Finanzbereich tätig sind, ist eine leichte Verlagerung von den klassischen Destinationen wie London oder New York nach Südostasien erkennbar. Dieser Trend verlangt aber auch gleichzeitig ein verbessertes Management von Reiserisiken. Das Bedürfnis nach Sicherheit der Reisenden sowie der Daten nimmt kontinuierlich zu.

Inwiefern wirken sich ein verstärktes Umweltbewusstsein sowie die kontinuierliche Verbesserung von Konferenztechnologien hemmend auf das Geschäftsreisevolumen aus?
Die Nutzung von Technologien wie Videokonferenzen oder Web-Seminars ist ein komplementärer Kommunikationskanal. Was man früher über Telefonkonferenzen erledigte, wird heute über technologische Anwendungen ausgeführt, solange dies angemessen ist. Deshalb sehe ich hier kein Hemmnis in Bezug auf das Geschäftsreiseaufkommen, sondern mehr eine technologisch fortgeschrittene Ergänzung zu früheren Möglichkeiten. Den ökologischen Aspekt sehe ich im Einsatz von umweltverträglichen Flugzeugtypen.

Zum Beispiel?
Ein perfektes Beispiel ist der Einsatz der Bombardier C Serie, die bei der Swiss ab 2015 die alte Avro RJ100 Flotte ersetzen wird.

Kann die Bahn im europäischen Geschäftsreiseverkehr gegenüber dem Flugzeug weiter Marktanteile dazugewinnen?
Wir stellen fest, dass die Bahn vor allem für Kurzstrecken eine beliebte Alternative zum Flugzeug ist. Im Wesentlichen betrifft dies Destinationen im Radius von 300 Kilometern mit einer Reisezeit von drei bis vier Stunden, wie München, Mailand oder Paris mit dem TGV.