Herr Grützner, Zelt oder Camper, wozu raten Sie?
Zelt, Caravan oder Wohnmobil haben alle ihre Vor- und Nachteile. Wir raten davon ab, vor der ersten Outdoor-Erfahrung gleich einen teuren Wohnwagen mit dazugehöriger Ausrüstung zu kaufen. Man sollte zuerst herausfinden, welche Unterkunftsform am besten zu einem passt. Auf sehr vielen Plätzen können heute Unterkünfte gemietet werden, zum Beispiel voll ausgestattete Zelte oder Wohnwagen, und sogar komfortable Bungalows mit Bad und Küche oder Holzhütten mit Matratzen und Stromanschluss, die sogenannten Pods.

Was gilt es zu beachten, wenn ich mich nun zu einem Zeltkauf entschieden habe? Welche Ausrüstung ist sonst noch unverzichtbar?
Seien Sie kritisch, was die Herstellerangaben zur Personenanzahl angeht. Wo vier draufsteht, passen vier Personen womöglich nur knapp hinein. Im Zweifelsfall eher ein zu grosses als ein zu kleines Zelt kaufen. Zur unverzichtbaren Grundausstattung für Zelt-Camper gehören ausserdem ein der Jahreszeit angepasster Schlafsack, eine bequeme Isomatte, eine gute Taschenlampe sowie wetterfeste Kleidung.

Was sind die typischen Anfängerfehler beim Zeltaufbau?
Die Standortwahl ist entscheidend: Schattenlöcher, Mulden und die unmittelbare Nähe von Bäumen sind zu meiden, da es dort nicht nur kälter, sondern tendenziell auch eher feucht ist. Auch Stunden nach dem Regen tropft es beispielsweise unter einem Baum noch weiter. Der Zelteingang sollte zudem vom Wind abgewandt sein. Auf die Spannseile sollte übrigens auch bei gutem Wetter nicht verzichtet werden. Unwetter oder heftige Böen treten manchmal ganz unerwartet auf.

Wie sieht es mit Benimmregeln auf dem Platz aus? Welche gelten überall?
Es gelten hauptsächlich zwei Grundprinzipe: Gegenseitige Rücksichtnahme und den Zeltplatz sauber halten. Regeln für sanitäre Anlagen, Tierhaltung, An- und Abreisezeiten geben die Campingplätze vor Ort.

Die Campingplatz-Community wird häufig noch als spiessig wahrgenommen. Sehen Sie hier einen Wandel?
Klar gibt es im Bereich der Saisonniers hin und wieder Revierkämpfe oder dergleichen. Auch die Gartenzwerge dürfen manchmal nicht fehlen. Doch wir beobachten, dass Outdoor-Sportarten und Camping seit Jahren besonders bei einem jungen und urbanen Publikum im Trend liegen. Der Camping-Lifestyle steht für erfrischende Einfachheit, für das Gefühl, aus dem stressigen Alltag auszubrechen und zurück zur Natur und zu sich selbst zu finden. Dieses ungezwungene Lebensgefühl spricht auch immer häufiger gutsituierte Manager an, die genug von steifen Luxushotels haben.

Dennoch lassen sich wohl die richtigen Outdoor-Abenteurer nicht für Plätze mit 100 Wohnmobilen und Schulferien-Animationsprogramm begeistern…
Die Schweiz ist ein Land der eher kleinen und überschaubaren Campingplätze, die sehr häufig direkt an einem See gelegen sind und in Sachen Sauberkeit und Sicherheit höchste Standards bieten. Klar geht es da in der Schulferienzeit im Juli und August eher etwas lauter und enger zu und her. Doch wer flexibel ist und im Mai, Juni oder September einen Platz besucht, der trifft oft auf idyllische Ruhe und profitiert trotzdem von der Infrastruktur.

Und wenn einen nun doch wildes Campen abseits der offiziellen Campingplätze reizt?
Natürlich kann ich die Sehnsucht nach der freien Natur nur zu gut verstehen. Camping-Anfängern rate ich von wildem Campen aber eher ab. Die Rechtslage ist in der Schweiz nicht eindeutig, das heisst in jedem Kanton oder gar jeder Gemeinde gelten andere Regeln. Immer verboten ist Campen in Naturschutzgebieten. Und generell gilt: Jeder Besitzer eines Grundstücks kann übernachtende Besucher rechtens von seinem Areal vertreiben. Im Zweifelsfall also lieber die Bewilligung des Grundbesitzers einholen.

Zur Person:
Oliver Grützner ist Leiter Tourismus & Freizeit beim TCS, der in der Schweiz 27 Campingplätze betreibt und damit zu den Marktführern gehört.