Cool sein ohne Zigi: Das Projekt «zackstark – rauchfrei durch die Lehre » motiviert Lernende, während der gesamten Lehrzeit rauchfrei zu bleiben. Dadurch wird die Gesundheit der Jugendlichen geschützt und erspart ihnen hohe Ausgaben. Die teilnehmenden Betriebe profitieren zum Beispiel von weniger Arbeitsabsenzen, einer gesteigerten Attraktivität als Arbeitgeber sowie einem Imagegewinn.

«Als Projektleiterin bin ich überzeugt, mit dem Projekt ‹zackstark› einen wichtigen Beitrag an rauchfreie Jugendliche zu leisten. Starten Sie ab August mit uns in ein zackstarkes Projekt! Welches sowohl Ihnen als Betrieb wie ebenso den Jugendlichen grossen Nutzen bringt!» Stephanie Unternährer, Projektleiterin «zackstark»

Das Ziel von «zackstark» ist, die Jugendlichen rauchfrei zu halten und ihre Gesundheit zu schützen. Die Betriebe übernehmen die Schlüsselrolle in der Begleitung der Lernenden, dabei werden sie aktiv von der Lungenliga Aargau und finanziell auch vom Kanton Aargau unterstützt. «Je länger rauchfrei, desto sicherer rauchfrei!». Studien zeigen: Wer bis 18-jährig rauchfrei ist, bleibt meistens dabei. Bei «zackstark» unterzeichnen Lernende und Lehrbetrieb eine Vereinbarung, bei der sich die Lernenden verpflichten, während der Ausbildung rauchfrei zu bleiben. Der Betrieb unterstützt seine Lernenden in diesem Effort moralisch wie auch mit einer Belohnung. Diese Belohnung weist pro Lehrjahr einen Wert von 100 CHF auf. Zudem erhalten die Lernenden von der Lungenliga in der Projekthalbzeit Kinogutscheine und am Jahresende ein Geschenk als «Projekt-Erinnerung». «Die Belohnung ist wichtig, um einen Anreiz zu schaffen und die Wertschätzung zu vermitteln», weiss Silvia Loosli vom Projektteam «zackstark».
«Die Ausweitung des Projekts auf alle Lehrjahre erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Jugendlichen danach rauchfrei bleiben», so Silvia Loosli. Bereits haben sich zahlreiche Betriebe für die Umsetzung von «zackstark» in ihrem Betrieb entschieden. Einige nehmen die Projektidee als Vorbild für ein eigenes Rauchfrei- Programm. Überzeugte Projektteilnehmende betonen den Nutzen für ihren Betrieb: So bestätigt Herr Wernli von der Jost Elektro AG in Brugg: «Wir haben einen messbaren finanziellen Nutzen. Zudem sind die Kunden zufriedener, wenn unsere Monteure in ihren Wohnungen nicht rauchen und nicht nach Rauch riechen».


Überzeugte Nichtraucherinnen: Vanessa und Melise.

Überzeugte Nichtraucherinnen: Vanessa und Melise.

Das Pflegezentrum Süssbach in Brugg nimmt seit Beginn am Projekt «zackstark» (ehemals 1. Lehrjahr rauchfrei) teil.

«Es ist leider so, dass im Pflegebereich viel geraucht wird», erklärt Claudia Schneider, Bildungsverantwortliche des Pflegezentrums. «Daher haben wir natürlich besonderes Interesse daran, dass viele erst gar nicht anfangen.» Ein Drittel der Lernenden haben den Vereinbarungsvertrag mit der Lungenliga Aargau unterschrieben. Sie erhalten im 1. Lehrjahr 100 CHF von der Lungenliga Aargau und 100 CHF vom Pflegebetrieb. Im 2. und 3. Lehrjahr gibt es dann nochmals 100 CHF pro Lehrjahr plus Kinogutscheine der Lungenliga.

«Ich finde es schön, fürs Nichtrauchen belohnt zu werden.» Vanessa

«Natürlich wissen wir nicht, wie viele der Jugendlichen sowieso nicht mit dem Rauchen angefangen hätten, aber es geht ja auch um das Prinzip, die Abstinenz zu belohnen », so Claudia Schneider. «Und wenn die Nichtraucher sich über das Geld oder den Kinogutschein freuen, kommen die Raucher vielleicht ins Grübeln.» Vanessa, 19 Jahre, und Melise, 20 Jahre, haben beide den Vertrag unterschrieben. «Es ist doch schön, fürs Nichtrauchen belohnt zu werden», sagt Vanessa, die schon alleine wegen ihres Leistungsasthmas nicht rauchen soll. Allerdings stört es sie nicht, wenn ihre Freundinnen rauchen. «Die meisten meiner Freundinnen rauchen und gehen dann oft geschlossen raus, um eine Zigarette zu rauchen.» Die wohlbekannte Gruppendynamik. Vanessa stellt sich dann einfach dazu, ganz ohne Glimmstengel, um die Zeit mit ihren Freundinnen zu geniessen.

Auch Melise geht ab und zu mit den Kolleginnen vor die Tür. «Aber eigentlich ekelt mich der Rauch», so die ambitionierte Sportlerin. «Vielleicht, weil mein Vater früher sehr viel geraucht hat.» Sie ist damit nicht alleine. Der Rauch stört einige Lernende. Der Respekt und das Verständnis sind unter den Jugendlichen auf beiden Seiten jedoch sehr gross. Hoch ist für viele Lernenden auch die Summe der Belohnung von 100 CHF. «In dem Alter ist das viel Geld und oft haben sie etwas im Kopf, das sie mit dem Geld kaufen wollen. Das kann dann eine grosse Motivation sein», betont die Bildungsverantwortliche. So wie im Falle von Melise, die sich mit den 200 CHF des 1. Lehrjahres ihr neues Handy finanziert hat.


Lernende Raphael Hofer, Yannis Bächli

Lernende Raphael Hofer, Yannis Bächli

Die E. Widmer AG hat unabhängig, aber nach Vorbild von «zackstark» ein eigenes Rauchfrei-Projekt eingeführt.

Raphael Hofer ist im letzten Lehrjahr bei der E. Widmer AG in Suhr. Der 20-Jährige hat noch nie geraucht. Damit das so bleibt, hat er bei EWAG eine Vereinbarung unterzeichnet. Mit dieser Vereinbarung erklärt sich der Auszubildende bereit, weder am Arbeitsplatz noch in der Freizeit zu rauchen. Während der ganzen Lehre. Der Ausbildungsbetrieb entlohnt diese Tabakabstinenz mit insgesamt 2000 CHF: 200 CHF für das erst Lehrjahr, 500 CHF für das 2. und 3. Lehrjahr und 800 CHF für das vierte Lehrjahr. EWAG hat das Projekt «Rauchfreie Lehre» unabhängig vom Projekt «zackstark» der Lungenliga Aarau eingeführt und gute Erfahrungen gemacht. Fridolin Sennrich, der für die Lernenden verantwortlich ist, war an der Einführung und Umsetzung des Projektes massgeblich beteiligt. Nachdem er bei einer Infoveranstaltung der Lungenliga Aargau von dem Prinzip erfuhr, überzeugte er den damaligen Geschäftsführer und überzeugten Nichtraucher, Bruno Scheiber. Fridolin Sennrich setzte die Belohnung fest und fasste ein Vereinbarungsschreiben ab. «Die meisten beginnen in dem Alter zu rauchen. Für uns war klar, dass wir unsere Lernenden darin unterstützen müssen, erst gar nicht damit anzufangen. Schwieriger ist es, Raucher in dem Alter davon abzubringen », betont Fridolin Sennrich. Er weiss, wovon er spricht, denn auch er hat jung angefangen und erst vor einem Jahr aufgehört. Die Leitung bei EWAG ist generell sehr sensibilisiert, was die Gesundheit der Mitarbeiter angeht. «Auslöser war vielleicht der Skandal um Asbest», sagt Geschäftsführer Thomas Scheiber, «der hat eine wichtige Diskussion um Gesundheit am Arbeitsplatz losgetreten.»

«Für bestimmte Sachen zahlt man gerne.» Thomas Scheiber, Geschäftsführer

Von A wie Asbest bis Z wie Zigarette. Wo etwas getan werden kann, wird etwas getan. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nur 2 von 13 Auszubildenden rauchen aktuell. 11 Vereinbarungen wurden getroffen und 11 Belohnungen zahlt der Betrieb. Keine kleine Summe für ein mittelständisches Unternehmen. «Es gibt Sachen, für die zahlt man gerne», so Thomas Scheiber. Dazu zählt auch eine gute Leistung in der Schule. Denn auch dafür hat EWAG ein Bonussystem. Ein Vorzeigebetrieb in Sachen Lehrlingsmotivation. EWAG hat erkannt, dass am Ende alle davon profitieren.