Monika Rühl ist seit Anfang September Direktorin des mächtigen Wirtschaftsverbands Economiesuisse. In der vergangenen Wintersession der eidgenössischen Räte gab sie hinter den Kulissen bei Spitzenpolitikern zu reden. Weil sie seit Amtsantritt noch nicht bei ihnen vorstellig geworden ist. Ihre Ziele nicht präsentiert, die Zusammenarbeit noch nicht gesucht hat.

Dabei sehen sich gerade die Parteien CVP, FDP und BDP als zuverlässigste Partner des Wirtschaftsverbands. Einige Mitte-Vertreter äussern im Gespräch die Befürchtung, dass Economiesuisse nach rechts Richtung SVP abdrifte – wie in den letzten Jahren in ihren Augen zunehmend der Gewerbeverband. Einige Positionierungen von Economiesuisse, etwa zu Geldwäscherei oder Energiewende, nährten zuletzt solche Ängste.

Zu reden gibt zudem, dass mit Susanne Brunner eine als militant geltende SVP-Vertreterin den Verband in Bern als Verbindungsfrau zur Politik vertritt. Die zur SVP übergetretene ehemalige Zürcher CVP-Kantonsrätin bewege sich meist im SVP-Umfeld, sie könne gar nicht neutral sein, es gebe kein Vertrauensverhältnis, wird moniert. Für Ärger sorgten Twitter-Äusserungen von Brunner. Etwa: «Bundesrat ausser Rand und Band! Er will Frauenquote von 30 Prozent in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten, und das in 5 Jahren.»

Es gärt in Bern. BDP-Präsident Martin Landolt sagt es so: «FDP, CVP und BDP sind die wichtigsten Partner für Economiesuisse. Auf diese drei Parteien sollte sich die Wirtschaft in jeglicher Hinsicht fokussieren.» Die Frage, ob sich die neue Direktorin bei ihm vorgestellt hat, verneint Landolt.

FDP-Präsident Philipp Müller sagt es so: «Es ist nicht an mir, dem Verband Ratschläge zu erteilen.»

CVP-Präsident Christophe Darbellay wählt Zuckerbrot und Peitsche: «Ich bin zufrieden mit Economiesuisse. Heinz Karrer kann gut zuhören. Der Verband gibt sich Mühe, aus Schwierigkeiten zu lernen, er ist kritikfähiger geworden.» Aber: «Ich erwarte, dass Economiesuisse Parteien, die auf ihrer Seite stehen, wie die CVP, stärker unterstützt. Mit Hosenknöpfen können wir unsere Basis kaum mobilisieren, somit keine Abstimmungen und Wahlen gewinnen.» Laut Darbellay sollte «Economiesuisse weniger Geld in teure Hochglanzproprospekte und teure PR-Agenturen stecken. Parteisekretariate leisten gute, hoch professionelle Arbeit, die um einiges effizienter, günstiger und wirksamer ist.»

Economiesuisse beschwichtigt. Auf die Frage nach den fehlenden Antrittsbesuchen von Direktorin Rühl bei den Parteien sagt Sprecher Roberto Colonnello: «Monika Rühl liegt die Zusammenarbeit mit den Parteien sehr am Herzen. Sie war seit ihrem Amtsantritt entsprechend an allen Sessionsanlässen von Economiesuisse dabei.» Zudem habe sich die Direktorin «auch mit den Generalsekretären der bürgerlichen Parteien getroffen und an Anlässen von bürgerlichen Parteien teilgenommen und sich mit einzelnen Parlamentsmitgliedern verschiedener Parteien ausgetauscht». Und die ehemalige Generalsekretärin von Bundesrat Johann Schneider-Ammann suche «auch in Zukunft gerne den Dialog mit der Politik, wie auch mit Wirtschaftsvertretern und der Bevölkerung».

Kritik an Susanne Brunner weist der Verband zurück. «Unsere Delegierte in Bern vertritt die Position des Dachverbands. Die Positionen von Economiesuisse werden von unseren Mitgliedern erarbeitet und sind somit breit abgestützt. In Bezug auf regionale, zum Beispiel stadtzürcherische Themen, vertritt sie ihre private Meinung.»

Brunner selbst sagt: «Ich vertrete in Bern einzig die Positionen von Economiesuisse. Diese werden von unseren Gremien festgelegt.»

Gemäss Colonnello gibt es keinen Anlass zur Sorge, dass der Verband SVP-lastig wird: «Wir arbeiten in vielen Themen mit der SVP konstruktiv zusammen, wie mit anderen Parteien auch.» Und: «Dort, wo Differenzen bestehen, scheuen wir mit keiner Partei die Auseinandersetzung.»

Die Forderung nach mehr Geld für Partnerparteien beantwortet der Verband zurückhaltend. «Es gibt keine pauschale Parteienfinanzierung von Economiesuisse. Für konkrete Projekte, zum Beispiel im Rahmen von Abstimmungskampagnen, gibt es von Fall zu Fall auch finanzielle Unterstützung. Dies kann auch für regionale Projekte sein.»

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