VON NADJA PASTEGA

Der Film trägt den Titel: «Lukas Reimann oder der Schweizer Faschisten-Schmarrn». Darin wird der Minarett-Initiant und St. Galler SVP-Nationalrat mit Adolf Hitler gleichgesetzt. Reimann sei «ein Milchreisbubi», sagt die schneidende Stimme im Off, «Hitler war letzten Endes auch nur ein Milchreisbubi». Es ist die Stimme eines Deutschen. Ein anderes Video zeigt ein Hakenkreuz – und das Stichwort Lukas Reimann im Titel.

167 Hassfilme gegen den SVP-Politiker wurden letzte Woche auf Youtube hochgeladen. Versehen mit dem Stichwort «Lukas Reimann» werden Videos des deutschen Muslimpredigers Pierre Vogel präsentiert, Hasstiraden gegen die Schweiz mit ihrer «Scheiss freien Meinung», erotische Filme mit Homosexuellen und Beiträge über Kinderschänder, zum Beispiel: «Pfarrer vergewaltigt Ministranten in der Kirche.»

«So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Reimann. Diese Hetzkampagne sei «einmalig». Reimann: «Da geht es um Rufschädigung.» Und es kommt noch dicker. Ein Youtube-User gab sich selber als Lukas Reimann aus, eröffnet in seinem Namen ein Konto und lud elf extremistische Islam-Filme aufs Netz. Anfang Woche protestierte Reimann bei Youtube. Nach Anfrage des «Sonntags» bei der Internetfirma Google, der Besitzerin von Youtube, wurde dieser User am Samstag gesperrt und die Filme wurden gelöscht.

«Die Youtube-Richtlinien verbieten klar und deutlich die Imitation einer Person und Cyberstalking», sagt Matthias Meyer, Sprecher von Google Schweiz. «Wenn die persönlichen Rechte von jemanden verletzt werden und Youtube darauf aufmerksam gemacht wird, gehen wir der Angelegenheit auf den Grund und nehmen entsprechende Massnahmen vor – beispielsweise die Entfernung von Videos oder die Löschung des Benutzerkontos.»

Doch mit der Sperre des «falschen« Lukas Reimann ist nur ein Bruchteil der Hassfilme vom Netz verschwunden. «Ich werde jetzt prüfen, was ich weiter unternehmen kann, damit mein Name nicht mehr in Zusammenhang mit Islam-Videos oder anderen fragwürdigen Filmen erscheint», sagt Reimann.

In der Youtube-Szene vermutet man hinter der Schmuddelkampagne die Gefolgsleute des deutschen Predigers Pierre Vogel. Dieser wurde vor einer Woche, als die Hasswelle gegen Reimann hochschwappte, mit einer Einreisesperre in die Schweiz belegt. Vogel dementiert: «Ich habe nichts mit diesen Filmen zu tun».

Inzwischen wird Reimann auch auf Facebook zum Abschuss freigegeben: Die Gruppe «Ich könnte Lukas Reimann den ganzen Tag die Fresse polieren» hat ein Foto hochgeladen, dass den SVP-Nationalrat mit Einschusslöchern, blutigem Gesicht und blaugeschlagenen Augen zeigt (siehe Bild). Die Gruppe zählt 313 Mitglieder. Gegründet wurde sie von einem Kanti-Schüler aus dem Kanton Aargau.

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