In der Schweiz gibt es eine Handvoll spezialisierter Agenturen, die mit wenigen Mitarbeitern Millionenumsätze generieren. Zu den fünf bestbezahlten Lobbyingfirmen zählt unter anderem Burson-Marsteller, die vom ehemaligen Google-Schweiz-Pressesprecher Matthias Graf geführt wird und bei der auch Marie-Louise Baumann engagiert ist.

Gute Lobbyisten können Stundenansätze zwischen 500 und 700 Franken verrechnen. Sind sie gut ausgelastet, bringen sie es auf ein Honorarvolumen von deutlich über einer halben Million Franken. Top-Berater generieren Umsätze zwischen 1 und 2 Millionen Franken. Aloys Hirzel, der Doyen der PR- und Lobbyingbranche, soll auf ein Volumen von deutlich über 2 Millionen Franken kommen.

Selbst Einsteiger erzielen nach wenigen Jahren horrende Gehälter. So generierte etwa eine ehemalige Redaktorin einer grossen Schweizer Tageszeitung nach wenigen Berufsjahren als Lobbyistin Honorare von mehr als 600 000 Franken. Oft sind es ehemalige Journalisten, die ins lukrative Lobbying- und PR-Geschäft einsteigen. Seit letztem Jahr ist etwa der ehemalige Chefredaktor der «SonntagsZeitung», Andreas Durisch, zum Managing Director bei der Dynamics Group aufgestiegen. Bei Farner arbeitet als Senior Consultant der Ex-Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», Markus Eisenhut. Bei Hirzel, Neef, Schmid Konsulenten, lange Jahre die unbestrittene Nummer 1 der Branche, heuerte vor einigen Jahren Jürg Wildberger an, der ehemalige Chefredaktor von «Facts» und «Weltwoche» sowie «10 vor 10»-Gründer.

Wie leicht sich in der Branche Geld verdienen lässt, dokumentieren die öffentlich gewordenen Rechnungen von Burson-Marsteller (BM) im Fall Kasachstan. Eine Pauschale von 25 000 Franken monatlich setzte die Agentur in ihrer Offerte ein. Zuvor wurde schon ein weit höherer Betrag fällig (siehe Downloads unten).

Einen Einblick in die Methoden der Branche zeigen die effektiven Rechnungen, die BM den Kasachen stellte: 7188 Franken forderte BM für den Entwurf und die Bereinigung der Interpellation Markwalder, für ein Treffen mit Markwalder, die Übersetzung und Lieferung an den Kunden. 7076 Franken kosteten ein «erster Entwurf» eines Briefs an die FDP Schweiz, ein Meeting mit Markwalder, ein Meeting mit FDP-Präsident Philipp Müller, Übersetzung usw. Ob «kritische Fragen an die Regierung», «Beiträge in Schweizer Medien» oder marginale Gespräche mit Politikern: Alles wurde akkurat verrechnet.

Die Rechnungen stückelte BM auf Wunsch der Kasachen immer in Teilrechnungen von maximal 7000 Franken. «Wegen der Steuergesetze», wurde BM mitgeteilt. Bezahlt wurde via Western Union. BM nannte lange Zeit keinen Adressaten auf der Rechnung, da der angebliche Oppositionsführer Azat Peruashev gemäss E-Mails erst klären wollte, aus welcher Kasse bezahlt werden sollte. Wer am Ende zahlte, ist unklar.

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