Dies zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Migration. Vor einem Jahr waren es noch über 10 000. Dabei sank die Zahl der Einbürgerungen bereits 2011 massiv. Hält dieser Trend weiter an, werden 2012 so wenige Ausländer das Schweizer Bürgerrecht erhalten wie zuletzt vor zehn Jahren.

Besonders deutlich ist der Rückgang bei den Serben und den Deutschen, die aber weiterhin die beiden grössten Einbürgerungsgruppen stellen. Die Abnahme hat verschiedene Gründe. Zum einen ist der erste Ansturm der Deutschen vorüber. Seit 2007 dürfen sie ihre Staatsbürgerschaft behalten, wenn sie Schweizer werden.

Das sorgte 2008 für doppelt so viele Einbürgerungen, und auch 2009 stieg die Zahl nochmals rasant an. Doch mittlerweile hat sich die Nachfrage bei 3500 Deutschen im Jahr eingependelt, Tendenz sinkend. So haben in diesem Jahr bislang 834 Deutsche die Schweizer Staatsbürgerschaft erworben. Das sind 250 weniger als 2011.

Zweitens haben heute alle EU-Bürger durch das Freizügigkeitsabkommen die volle Niederlassungs- und Reisefreiheit – und damit fast dieselben Rechte wie Schweizer. Weiter sind seit der grossen Einwanderungswelle aus den Balkanländern in den Neunzigern mehr als zwölf Jahre vergangen. Das entspricht exakt der Wartefrist für Einbürgerungen. Viele, die damals einwanderten und die Anforderungen danach erfüllten, haben sich in den letzten Jahren einbürgern lassen.

Hinzu kommt, dass mehrere Kantone in den letzten Jahren die Anforderungen für eine Einbürgerung angehoben haben. Heute werden beispielsweise im Kanton Bern vermehrt Sprachkurse verlangt.

Doch auch Ausländer , die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind, verzichten öfter auf den roten Pass. Zwar würden sie auch höhere Integrationshürden bestehen, doch für viele bleibt es eine langwierige und beschwerliche Prozedur. Die Luzerner SP-Kantonsrätin und ehemalige Präsidentin des Vereins Secondos Plus, Ylfete Fanaj, kennt dieses Dilemma und erhält oft Rückmeldungen. «Das tu ich mir nicht an», hätten ihr bereits einige Secondos erklärt.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!