Die Romandie stellte 30 Jahre lang keinen Verteidigungsminister mehr. Der letzte Welsche auf dem Posten hiess Jean-Pascal Delamuraz (FDP). Er amtete von 1984 bis 1986. Ihm folgten der Appenzeller Arnold Koller (CVP), der Luzerner Kaspar Villiger (FDP) und die beiden Berner SVPler Adolf Ogi und Samuel Schmid. Seit 2009 ist der Zürcher Ueli Maurer (SVP) Departementschef.

Jetzt übernimmt der Waadtländer Guy Parmelin das Ruder – und die Romands setzen hohe Erwartungen in ihn. Denn die Kaskade von Deutschschweizern hatte auch zur Folge, dass die Romands auf wichtigen Posten im VBS praktisch ausgestorben sind. Das wiederum führte in den Augen von welschen Beobachtern dazu, dass die Anliegen der Romandie stiefmütterlich behandelt wurden. Unter Ueli Maurer habe sich dieser Trend in den letzten Jahren verstärkt.

Philippe Zahno, Generalsekretär des welschen Rüstungsfirmenverbands GRPM (Groupe Romand pour le Matériel de Défense et de Sécurité) nimmt kein Blatt vor den Mund: «Bundesrat Maurer interessierte sich als Deutschschweizer leider zu wenig für die Romandie und ihre Anliegen. Es gab auch fast nur Deutschschweizer in den wichtigen Funktionen im Departement und im Umfeld des Chefs.» Zahno, einst Sprecher von Armeechef Christophe Keckeis, sagt: «Wir hoffen natürlich, dass sich das unter Bundesrat Parmelin ändert.»

Tatsächlich sind Romands auf Top-Posten im VBS heute rar.

Ueli Maurer hat gemäss «Organisation VBS» sieben direktunterstellte Verwaltungseinheiten, und deren Chefs sind alle Deutschschweizer:
– Bereich Verteidigung: Armeechef André Blattmann.
– Bevölkerungsschutz: Direktor Benno Bühlmann.
– Armasuisse: Rüstungschef Martin Sonderegger
– Bundesamt für Sport: Direktor Matthias Remund.
– Nachrichtendienst des Bundes NDB: Direktor Markus Seiler.
– Bundesamt für Landestopografie Swisstopo: Direktor Fridolin Wicki.
– Generalsekretariat VBS: Generalsekretärin Brigitte Rindlisbacher.

Woher rührt dieser Deutschschweizer-Überhang? Sprecher Renato Kalbermatten sagt: «Führungspositionen im VBS werden nach qualitativen Kriterien vergeben. Der Wunsch nach Mehrsprachigkeit wird wo immer möglich berücksichtigt.»

Die Romandie wird also darauf drängen, dass solche Posten, wenn sie frei werden, mit eigenen Leuten besetzt werden. Eine erste Chance erhält Bundesrat Guy Parmelin bereits: VBS-Informationschef Peter Minder, auch er Deutschschweizer, wechselt mit Ueli Maurer ins Finanzdepartement.

Und gerade beim absehbaren Rücktritt von Armeechef André Blattmann wird der Ruf nach einem welschen Nachfolger unüberhörbar sein.
Es geht aber nicht nur um Köpfe, sondern auch um Geld. Für die Industrie, namentlich die Rüstungsindustrie in der Romandie, habe es auch finanzielle Konsequenzen, wenn in Bern die Westschweiz nicht wahrgenommen werde, so GRPM-Generalsekretär Zahno. Bei Kompensationsgeschäften und bei vielen Rüstungsvorhaben kam die Romandie nicht selten zu kurz. Zahno sagt: «Wir kämpfen dafür, dass die Romandie bei Rüstungsvorhaben mindestens 25 Prozent der Geschäfte erhält.» Die Westschweiz will also ein grösseres Stück vom Rüstungskuchen, und Parmelin soll es ihr zuhalten.

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