Seit Annahme der SVP-Zuwanderungsinitiative fürchten Schweizer Hochschulen um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Studenten und Forscher sind bis auf weiteres von europäischen Austausch- und Förderprogrammen ausgeschlossen. Die Verhandlungen mit Brüssel stocken. Umso wichtiger wird es für die Universitäten, wie die künftigen Kontingente für Ausländer – und damit ihr Pool an Wissenschaftern – vergeben werden. Sie wollen, dass die Kontingente für Hochschulpersonal nach anderen Regeln verteilt werden als für Arbeitskräfte in Wirtschaftsunternehmen.

Das Anforderungsprofil für Forscher sei deutlich spezifischer, heisst es vonseiten der Rektoren. «Auf eine ausgeschriebene Stelle passen teilweise nur zwei, drei Wissenschafter weltweit», sagt Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich. «Wir sind darauf angewiesen, diese Top-Leute zu bekommen.» Er zieht einen Vergleich: «Tennisspieler gibt es viele, trotzdem können sich nur die wenigsten mit Roger Federer messen.» Damit die Roger Federers der Wissenschaft auch künftig in die Schweiz kommen, haben die Vertreter der Hochschulen dem Bundesamt für Migration kürzlich ihre Eckpunkte vorgelegt. Darin stellen sie vier Forderungen auf:

> Die Offenheit und internationale Ausrichtung der Universitäten müsse gewährleistet bleiben. Die Hochschulen sollen genügend Kontingente erhalten, um so viele qualifizierte Personen wie nötig auf den Campus zu locken. Wie viele das sind, unterscheidet sich von Jahr zu Jahr. 2013 berief beispielsweise die Uni Zürich über 60 neue Professoren.

> Der Bund dürfe keine Einschränkungen beim Familiennachzug machen. Ohne die Zusicherung, dass Ehepartner und Kinder ebenfalls eine Aufenthaltsbewilligung erhielten, seien die hiesigen Hochschulen nicht konkurrenzfähig. Die SVP hat aber angekündigt, den Familiennachzug restriktiv regeln zu wollen.

> Der administrative Aufwand müsse für die Kandidaten so gering wie möglich bleiben. Weil die besten Wissenschafter oft Angebote von mehreren Universitäten hätten, könnten Hürden ausschlaggebend für eine Absage sein.

> Der Bund müsse die Trägerkantone der Universitäten bei den Kontingenten stärker berücksichtigen.

Ob die Uni-Rektoren mit ihren Forderungen erfolgreich sein werden, bleibt offen. Neu ist die Situation für die Hochschulen aber nicht. «Vor den bilateralen Verträgen hat sich das System mit Kontingenten bereits bewährt», sagt Thomas Bieger, Rektor der Universität St. Gallen. Dasselbe gelte für die Rekrutierung ausserhalb Europas. Allerdings warnt er vor der emotionalen Signalwirkung der Abstimmung. Einige ausländische Forscher fühlten sich dadurch unerwünscht.

Einen kleinen Lichtblick für die Universitäten konnte Bundespräsident Didier Burkhalter diese Woche dennoch verkünden: Die Verhandlungen mit der EU werden nach monatelanger Pause wieder aufgenommen. Zuvor hatte die Schweiz Kroatien den Zugang zum Arbeitsmarkt mit Kontingenten zugesichert. «Der Motor läuft wieder», sagte Burkhalter vor versammelter Presse. Allerdings sei es nur ein erster Schritt, um die blockierten Dossiers wieder in Gang bringen. «Mehr konnten wir nicht herausholen.» Für die Hochschulen ist das noch zu wenig.

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