Transmenschen in ganz Europa sprechen von einem historischen Moment. Mit 68 zu 23 Stimmen verabschiedete die parlamentarische Versammlung des Europarates vergangenen Mittwoch eine Resolution, die sich für die Rechte und gegen die Diskriminierung von Transpersonen ausspricht. Doris Fiala ist Präsidentin der Schweizer Delegation im Europarat und Zürcher FDP-Nationalrätin. Sie sagt: «Alle im Rat anwesenden Schweizer stimmten der Resolution zu.» Transpersonen sind Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht dem Geschlecht entspricht, dem sie bei Geburt zugeordnet wurden.

In der Resolution ruft das Parlament des Europarates seine Mitgliedstaaten dazu auf, dass Transmenschen einfach Änderungen des Namens oder des amtlichen Geschlechtes in Dokumenten vornehmen können. In den meisten europäischen Ländern müssen dafür eine Sterilisation oder andere operative Behandlungen und die Diagnose einer psychischen Erkrankung nachgewiesen werden. Weiter fordert das Parlament, dass Transmenschen nach der Anerkennung ihres Geschlechts in einer bestehenden Ehe bleiben dürfen. Vor allem aber werden die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, für ein Gesetz zu sorgen, das die Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität ausdrücklich verbietet.

«Vieles, was das Parlament des Europarates empfiehlt, ist in der Schweiz noch nicht umgesetzt», sagt Alecs Recher, Transmann und Leiter der Rechtsberatung des «Transgender Network Switzerland». Ein leidiges Thema in der Schweiz sei die Änderung des Namens und des amtlichen Geschlechtes. «Rechtlich sind in der Schweiz Zwangssterilisierungen verboten», sagt Recher. Doch die Praktiken der Kantone und Gerichte seien unterschiedlich. «Will beispielsweise eine Transfrau ihren Namen ändern, so verlangen bis heute viele Kantone den Nachweis, dass sie Hormone einnimmt. Will die Transfrau zudem, dass im Pass das Geschlecht auf «weiblich» geändert wird, so verlangen die meisten Gerichte einen Nachweis, dass die Frau unfruchtbar ist.»

Laut Recher würde zudem überdurchschnittlich vielen Transmenschen in der Schweiz gekündigt. Sich dagegen zu wehren, benötige Ressourcen, die oft nicht vorhanden seien. Einen gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung gebe es in der Schweiz bisher nicht. Zwar freut sich Recher darüber, dass zum ersten Mal überhaupt eine Resolution die Menschenrechte von Transmenschen thematisiert. Doch jetzt gebe es erst recht viel zu tun.

Das Thema «Transgender» sei mit Schamgefühlen verbunden und noch zu wenig bekannt, um es auf einer Sachebene angehen zu können, findet Doris Fiala. Obwohl die Schweiz in Fragen rund um Transmenschen anderen Ländern gegenüber voraus ist, dürfe man sich nichts vormachen, sagt sie. Denn: «Auch hier werden noch viele Homosexuelle oder Transmenschen diskriminiert.» Die Resolution des Europarates ist für die Schweiz nicht bindend, sondern als Empfehlung gedacht. Doris Fiala möchte den Bericht nun der Rechtskommission übergeben, um zu prüfen, ob juristische Anpassungen nötig sind.

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