Die Aussagen sind brisant. Emmanuel Kilchenmann (31), Freiburger CVP-Nachwuchshoffnung, wurde von der SVP geködert. Mit Geld. «Man sagte mir, ich würde stark gefördert, sowohl finanziell wie beim Aufstieg in meiner politischen Karriere.» Die Freiburger SVP-Vertreter hätten betont, die SVP sei «national eine viel grössere, potentere Maschine als die CVP und fördere die Karrierechancen der 25- bis 40- Jährigen besser».

Kilchenmann ist Vorstandsmitglied der CVP Freiburg und Zentralpräsident des Schweizerischen Studentenvereins, hat Wirtschaft und Recht studiert. «Zahlen wurde keine genannt, weil ich absagte. Aber es war klar, dass es finanzielle Aspekte gab. Mich kann man aber nicht kaufen. Ich verrate meine Werte nicht.»

Erfolgreicher verliefen die Verhandlungen mit Nationalrat Thomas Müller (SG). Auch hier soll Geld im Spiel gewesen sein. Die SVP habe Müller vor dem Wechsel angeboten, seinen Wahlkampf zu finanzieren, sagt eine bestens informierte Quelle. Müller selbst dementiert entschieden. «Geld war nicht eine Sekunde ein Thema. Mir wurde weder ein einziger Franken versprochen noch habe ich je einen einzigen Franken erhalten», betont er. «Das ist schlicht gelogen. Ich benötige von der SVP auch keinen einzigen Franken.»

Die Avancen der SVP haben System. Im Fokus stehen rechtsbürgerliche, oft unzufriedene CVP-Politiker und Nachwuchs-Politiker. Wie im Tessin Fiorenzo Cotti, Neffe von Alt-CVP-Bundesrat Flavio Cotti. Er wird von SVP-Chefstratege Christoph Blocher und von Präsident Toni Brunner bearbeitet (siehe «Sonntag» vom 14. August). Bis jetzt erfolglos.

Meist beginnt alles mit einem lockeren Spruch beim Bier, am Apéro. «Du würdest gut zu uns passen», hörte auch CVP-Nationalrat Markus Zemp (AG). Genau wie CVP-Wahlkampfleiter Gerhard Pfister (ZG). Und offenbar auch CVP-Nationalrat Pius Segmüller (LU). Stehen die Signale auf Übertritt, beginnen ernsthafte Gespräche. Manchmal ist Geld im Spiel, fast immer sind es Karriere-Chancen. Es gibt Gerüchte, Gespräche hätten sowohl mit Zemp wie mit Pfister stattgefunden. Aus SVP-Insider-Kreisen heisst es gar, man habe Pfister eine Ständerats-Kandidatur angeboten.

Zemp wie Pfister dementieren entschieden. «Ein Parteiwechsel kommt für mich nicht infrage», sagt Zemp. «Man kann nicht sein Leben lang für ein Ideal kämpfen und es dann plötzlich verraten.» Es habe auch nie eine offizielle Kontaktaufnahme gegeben. Pfister betont: «Diese Gerüchte werden herumgeboten, um mich zu diskreditieren. Das ist absolut unvorstellbar. Ich könnte mir nicht mehr in die Augen sehen.»

Einen Abwerbungs-Versuch hat auch Elmar Mäder erlebt, als er 1998 als Kommandant der Schweizergarde zurücktrat. Er habe im Bundeshaus zufällig SVP-Nationalrat Rudolf Joder getroffen, erzählt der heutige St. Galler Nationalrats-Kandidat. «Das kurze Gespräch ging darum, was ich beruflich zu tun gedenke. Ich hatte keine konkrete Vorstellung. Joder erklärte, ‹kommen Sie zur SVP und wir sorgen für Sie›. Der Satz liess sich im Zusammenhang nicht anders interpretieren, als dass die SVP für meine berufliche Zukunft sorgen würde.» Mäder: «Irgendwie fühlte ich mich angewidert, wie eine Art ‹politische Hure› von einem ‹SVP-Freier› ‹angebaggert› zu werden.» Er habe nie einen Hehl daraus gemacht, Christdemokrat zu sein. «Es war mir klar: Die Gesinnung ist kein Kriterium, um in die SVP aufgenommen zu werden. Die Gesinnung wird beim Eintritt gleich in die Hand gedrückt. Das Mitglied braucht keine eigene Meinung, denn ‹wir sorgen für Sie› gilt auch in dieser Hinsicht.»

Die Darstellung von Zemp und Pfister seien korrekt, hatte SVP-Präsident Toni Brunner betont: «Die SVP geht auf niemanden aktiv zu.» Für eine weitere Stellungnahme war die SVP-Spitze gestern nicht erreichbar.

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