VON OTHMAR VON MATT

«Wir sind zu weit gegangen», gesteht Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf ein. «Sogar meine Mutter und meine Schwester waren erstaunt über die vorgeschlagene Regelung.» Widmer-Schlumpf zum «Sonntag»: «Das korrigieren wir jetzt.»

Stein des Anstosses ist die neue «Verordnung über die ausserfamiliäre Betreuung von Kindern». Sie fiel in der Vernehmlassung durch, es hagelte Kritik von allen Seiten. Dass künftig jedes Kindermädchen, jede Tagesmutter oder Nachbarin, aber auch Tanten und Götti, die ein Kind mehr als 20 Stunden pro Woche hüten, eine Bewilligung einholen und Kurse besuchen sollten, sorgte für Kopfschütteln.

Widmer-Schlumpf revidiert die Vorlage nun. Künftig will die Justizministerin zwischen privater und geschäftlicher Kinderbetreuung unterscheiden. «Wir greifen nicht mehr in private Verhältnisse ein», betont Widmer-Schlumpf. «Hütet eine Schwester das Kind ihrer Schwester, kann das auch künftig ohne Bewilligungspflicht stattfinden.»

Anders sieht es für jene aus, die Geld verdienen mit der Betreuung fremder Kinder. «Geht es um eine geschäftsmässige Tätigkeit wie bei den Tagesmüttern, ist eine Reglementierung richtig und wichtig», hält die Justizministerin fest.

Tagesmutter sei in den letzten Jahren zu einer Art Beruf geworden. «Es ist heute nicht einfach, fünf fremde Kinder zu betreuen. Dafür sind gewisse Qualifikationen notwendig.» Auch für Tagesmütter, die damit Geld verdienen, soll deshalb «eine minimale Grundausbildung zur Pflicht werden». (att)

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