Die Feste der IT-Firma Unisys sind legendär. Etwa jenes am Berner Zibelemärit. Er beginnt für zwei Dutzend Geladene im «Rathauskeller» und endet mit dem Diner im «Aarbergerhof Next Door». Kistenweise liefert Unisys Konfetti. Nach dem Diner sieht das «Next Door» jeweils so aus, dass Unisys zusätzlich zu den Lokalkosten eine Reinigungs-Rechnung von 1000 bis 1500 Franken erhält. Am Sommerfest nehmen bis zu 200 Beamte aus der Bundesverwaltung teil. Und am Weihnachtsessen 100 bis 150 Geladene. Das sind Unisys’ drei Dates pro Jahr.

«Anfüttern» heisst dieses System. «Man hält einem Entscheidungsträger die Hand hin, bis dieser aus der Hand frisst», erzählt ein hoher Chefbeamter. «Man treibt ihn in die Abhängigkeit.» Unisys habe eine Nase dafür, wer anfällig für solche Dinge sei. Später sollen Geschenke grösseren Ausmasses folgen.

Es ist ein Netzwerk, das Unisys mit Einladungen und offenbar Geschenken aufgebaut hat. Zwei Personen tauchen darin immer wieder auf: L*, inzwischen freigestellter Informatikchef der Steuerverwaltung (ESTV). Er soll gemäss «Blick» von Unisys eine gut 20-jährige Jacht geschenkt bekommen haben. Und W.* von der Zuger BSR & Partner AG. P., früher einfacher Account-Manager im Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT), soll in erstaunlicher Schnelle zu Millionen gekommen sein. Auch er besass ein Boot. 350000 Franken soll es wert gewesen sein. P* verkaufte es plötzlich. Und im Nachgang zum Insieme-Skandal in der ESTV liess er auch seine Social-Media-Profile verschwinden.

Wie Recherchen des «Sonntags» zeigen, breitete sich das Netzwerk um Unisys und BSR & Partner in verschiedenen Departementen aus: im EFD, im Uvek und im EDA. Im VBS räumte ab 2008 Ueli Maurer auf. Man vermittelte sich gegenseitig Personal und Aufträge. In der ESTV gewann Unisys 2006 den Zuschlag für das 50-Millionen-Projekt Insieme I. Es wurde später widerrufen. Doch Unisys erhielt auch danach Aufträge. Etwa am 12.Oktober 2011 die Lose 2.1 (892 800 Franken) und 2.2 (892 800 Franken) von Insieme II. Die Steuerverwaltung will wegen des Strafverfahrens der Bundesanwaltschaft nichts sagen. Obwohl es sich gemäss Unisys um Mandate handelt, die das BIT ausschrieb und die nicht Bestandteil des Verfahrens sind.

Im Bundesamt für Umwelt (Bafu) erhielt Unisys 2007 das 1,3-Millionen-Mandat zum Aufbau des Boden-Informationssystems Nabodat. Insider sagen, zunächst habe eine andere Firma das Rennen gemacht, doch plötzlich sei Unisys zum Handkuss gekommen. Die betroffene Firma überlegte sich einen Rekurs, sah aber davon ab. Auffällig: Der Berner Unisys-Geschäftsleiter und der Bafu-IT-Sektionschef waren befreundet. Das Bafu widerspricht dieser Darstellung. Die Ausschreibung sei 2007 «in allen Punkten korrekt» verlaufen, hält Sprecherin Rebekka Reichlin fest. Unisys habe den Zuschlag «zuerst und als einziges Unternehmen» erhalten. Auch seien Unisys und Nabodat nicht von den Untersuchungen im Bafu betroffen. Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit eineinhalb Jahren wegen ungetreuer Amtsführung und Bestechung. Und vom IT-Sektionschef habe man sich «Anfang 2011 in gegenseitigem Einvernehmen» getrennt.

Gar jahrzehntelang war Unisys in der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) tätig. Das bestätigt das EDA. Am Anfang habe eine WTO-Ausschreibung gestanden, danach habe das Deza mehrmals Folgeverträge ohne Ausschreibung abgeschlossen, sagt Sprecher Stefan von Below. Über mehr als ein Jahrzehnt kassierte Unisys beim Deza fast eine Million pro Jahr. 2007 waren es 870 000 Franken, 2008 880 000. Dann flachten die Zahlungen im Rahmen der Reorganisation 2008 ab auf 246 000 (2009), 144 000 (2010) und auf 20000 (2012).

Unisys betont, es sei «nie von der Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit den beiden vergangenen Beschaffungsprozessen beim Bafu oder dem Insieme-Projekt kontaktiert» worden. Und hält fest: «Unisys bekennt sich vollauf dazu, seine Geschäfte in der ganzen Welt in ethischer Art und Weise und in Übereinstimmung mit dem Gesetz zu führen.» Und BSR & Partner AG hält fest: «Wir kooperieren umfassend mit den Behörden im Zusammenhang mit den Untersuchungen betreffend das Projekt Insieme.» Die Firma arbeite «aktiv an einer umfassenden Aufklärung und hat ein aussenstehendes Unternehmen mit der Überprüfung der Geschäftsvorgänge beauftragt». Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

*Namen der Redaktion bekannt

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