VON PATRIK MÜLLER UND BENJAMIN WEINMANN

Auf die Frage, ob sie die Abschaffung der Ladenöffnungszeiten fordere, antwortet Irene Kaufmann im Interview: «Ja. Die Geschäfte sollten selber entscheiden können, wann und wie lange sie offen haben.» Eine Liberalisierung würde nicht bedeuten, dass alle Läden ständig offen wären. «Aber es gäbe ihnen die Möglichkeit, bei entsprechender Nachfrage, die Türen zu öffnen», so Kaufmann, die seit zwei Jahren oberste Coop-Verantwortliche ist.

Kaufmann denkt aber auch an das Personal. «Die Zusatzbelastung würde entsprechend entschädigt. Wir sehen, dass viele Mitarbeitende an Arbeitszeiten am Abend und am Wochenende interessiert sind. Das versuche ich auch den Gewerkschaften zu erklären.»

Wie die Liberalisierung konkret aussehen soll, geht aus einem neuen Positionspapier hervor, das Coop zusammen mit Migros, Denner, Manor, Charles Vögele und Valora sowie dem Warenhaus-Verband Swiss Retail Federation kürzlich verabschiedet hat. Demnach sollen die Detailhändler von Montag bis Samstag die Möglichkeit haben, von 7 bis 20 Uhr ihre Geschäfte zu öffnen – inklusive eines Abendverkaufs bis 21 Uhr.

Zudem möchten sie in der ganzen Schweiz vier Sonntagsverkäufe pro Jahr. Die Sonderbestimmungen für Tankstellen, Bahnhof- und Flughafenshops sowie Geschäfte in Tourismusgebieten sollen unverändert bleiben.

Die Interessensgemeinschaft Detailhandel Schweiz und die Swiss Retail Federation werden nun für diese Regelungen in den Kantonen lobbyieren. In der Romandie sind jedoch in den vergangenen Wochen einige Vorstösse für eine Aufweichung der Ladenöffnungszeiten gescheitert. «Wir konzentrieren uns deshalb momentan auf die Deutschschweiz», sagt Sandro Salvetti, Geschäftsführer der Swiss Retail Federation.

In zwei Kantonen sind zurzeit Gesetzesrevisionen hängig: In Solothurn steht die Einführung von vier Sonntagsverkäufen zur Debatte – anstatt deren zwei wie bisher. Und in St. Gallen wird über die Ausweitung von 19 auf 20 Uhr unter der Woche sowie von 17 auf 18 Uhr am Samstag diskutiert.
In Zürich möchte die kantonale FDP zudem eine Volksinitiative lancieren, die zum Ziel hat, die Ladenöffnungszeiten ganz abzuschaffen. Begründung: Dies belebe den Konsum und schaffe Arbeitsplätze.

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