«Ein Problem ist, dass die Parteileitung die neuen Medien unterschätzt», sagte SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, als sie kurz vor Weihnachten im «Sonntag»-Interview ihre Kandidatur für das Fraktionspräsidium ankündigte – und kritisierte: «Kein Geheimnis ist, dass die Kommunikation verbessert werden muss.»

Nur einen Monat später liefert die Hoffnungsträgerin des SVP-Führungszirkels ein Anschauungsbeispiel für katastrophale Kommunikation. Nachdem die «BaZ» am Donnerstag aufgedeckt hatte, dass Rickli nur dank eines Putschs von Christoph Blocher und Christoph Mörgeli ins Fraktionspräsidium gewählt worden war, rastete sie auf Facebook aus und bezeichnete Fraktionskollegen, die geplaudert hatten, als «krank».

Das Resultat: ein «Shitstorm», wie eine Welle von Negativreaktionen in den Social Media genannt wird, brandete über Rickli hinweg. Am frühen Samstagnachmittag löschte sie die unzähligen Schmäh-Posts auf ihrer Facebook-Seite, darüber hinaus war da nur noch grosses Schweigen auf allen Kanälen: Natalie Rickli reagierte weder auf Telefonanrufe noch Twitter-Anfragen.

Ihre Fraktionskollegen plaudern derweil weitere Details zu ihrer verunglückten Wahl aus – und widersprechen der Darstellung von SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz, der sich angesichts des Wirbels am Freitag zu einer schriftlichen Erklärung genötigt sah. Amstutz stellte darin die Nichtwahl Ricklis (sie lag nach «Sonntag»-Informationen zwei Stimmen hinter SVP-Ständerat Alex Kuprecht) als «Zufallsergebnis» dar. «Das Gegenteil ist wahr», sagt ein Nationalrat: «Das Ergebnis ist das Resultat des Unbehagens der Fraktionsmehrheit gegen die Willkürherrschaft der Parteiführung, die in Gremien nur Kopfnicker akzeptiert.» Ein anderer Parlamentarier sagt: «Ricklis Nichtwahl war ein gewollter Aufstand gegen Blocher» – und spöttelt: «Zu aller Überraschung ist er formell gelungen.»

Rickli, so sagen mehrere Fraktionsmitglieder übereinstimmend, habe keinen Rückhalt in der SVP-Bundeshausdelegation. «Der SVP-Engel ist unbeliebt», sagt ein Ständerat. Sie gilt als Sprachrohr Blochers. Es wird herumgeboten, sie lasse sich ihre Voten und Vorstösse vom Ex-Generalsekretär Gregor Rutz schreiben. «Krank ist in der SVP nur, dass wir Kritiker nur anonym reden können», sagt ein Parlamentarier. Seine Hoffnung: «Amstutz, der neue Fraktionschef, hat das Problem erkannt.»

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