VON OTHMAR VON MATT UND CHRISTOF MOSER

Herr Blocher, sagen Sie uns: Wie lange wird die Rezession dauern?
Christoph Blocher: Wir stehen in der Schweiz erst am An-fang. Die Banken und Versicherungen dürften wohl das Schlimmste überstanden haben. In der Industrie kommt der Tiefpunkt nicht vor Herbst. Und die Bauwirtschaft ist noch kaum betroffen.

Wie hart wird es die Schweiz treffen?
Firmen, die für die Autoindustrie zuliefern, haben Umsatz-einbrüche von bis zu 40 Prozent. Wir laufen also auf eine sehr schwere Rezession zu, was eine Folge der verrückten Hochkonjunktur ist. Jetzt ist Überleben angesagt.

Für die Schweiz kommt erschwerend hinzu, dass viele Ausländer bei Arbeitslosigkeit wegen der Personenfreizügig-keit das Land nicht verlassen. 2007 und 2008 kamen etwa 120 000 Ausländer zu uns, vor allem Deutsche und Portugiesen. In der Krise belasten sie den Arbeitsmarkt und die Sozialwerke massiv. Die SVP warnte davor – leider vergeblich.

Wann geht es wieder aufwärts?
Frühestens 2010. Die Schweiz dürfte die Rezession aber etwas besser überstehen als das Ausland, weil Schweizer Unternehmen verhältnismässig solide finanziert sind.

Schweizer bilden in guten Zeiten Reserven. Das ist unsere Mentalität. Jetzt kommt es darauf an, dass der Staat keine Dummheiten macht.

Und: Macht er keine Dummheiten?
Der Staat sollte die Bürger und nicht sich selbst stärken. Die Schweiz hat zwei Konjunkturpakete geschnürt, und das ist zwar dumm, aber sie waren einigermassen massvoll. Ein drittes Paket würde jetzt aber in die Verschuldung führen, und das verlängert die Krise und schwächt die guten Unternehmen. Wir sehen das in der Autoindustrie. Was da abgeht, ist verrückt.

Was ist verrückt?
Die Staaten werden von den Autokonzernen erpresst. Es wird gedroht, man schliesse Standorte, wenn nicht Staats-milliarden fliessen. Und die Staaten machen mit. Dabei glaube ich nicht, dass die Firmen all diese Drohungen wahr machen würden.

Und wenn doch?
Auf der Welt werden 20 Prozent zu viel Autos produziert. Wie wollen Sie diese Überkapazitäten wegbringen, ohne Produk-tionen zu schliessen? Die Staaten verhindern dies, indem sie subventionieren.

Wer bezahlt die Schulden aus der Bankenkrise? Die Ver-mögenden, die Steuerzahler und die Entlassenen. Barack Obama soll in den ersten 100 Tagen mehr Schulden gemacht haben als die vier Präsidenten vor ihm zusammen.

Und wer wird für diese Schuldenberge bezahlen? Werden sie durch Inflation oder Geldentwertung verkleinert, trifft es die Kleinen, die Rentner, die Besitzer von Sparbüchlein. Darum gilt für die Schweiz: Hände weg von der Schuldenwirtschaft.

Wer ist schuld an dieser Krise?
Alle haben die Hochkonjunktur genossen. Begonnen hat die Krise wie immer in den USA: Präsident Bill Clinton setzte einen Traum um. Er sagte, jeder Amerikaner solle ein eigenes Haus haben. Es gab dafür billige Kredite, Grund-stückpreise stiegen – und alle waren glücklich. Alles hing an hohen Liegenschaftspreisen, bis der Zusammenbruch kam.


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